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Neuer Geierabend überzeugt auf der Premiere in Dortmund

28.12.2012 | 18:00 Uhr
Die Geier, hier Miss Annen, legen wieder los und überzeugen selbst als Zombies.Foto: Vahlensieck

Dortmund.   Der Ruhrpottkarneval legt wieder los. Der Geierabend feiert jetzt Premiere - und überzeugt unter anderem mit dem Chor der Verfassungsschützer und einem tollen Filmmusik-Medley. Jetzt geht es bis zum 12. Februar weiter.

Wird man den Geierabend 2013 (in 2012) für seine Nachhaltigkeit loben? Sicha. Denn Nachhaltigkeit heißt ja nichts anderes, als dass Ursache und Wirkung möglichst weit auseinander liegen. Also, wenn die Pointe erst auf dem Heimweg zündet, ist das Nachhaltigkeit. In diesem Sinne ist der Geierabend 2013 sehr wohl zu loben, zumindest seine Premiere (in 2012).

Vielleicht liegt es ja an diesem typischen Premierenpublikum, die Sponsoren sind anwesend, die Kulturszene, die von einst, ist es auch. Wer nicht zahlen darf, wird auch nicht lachen. Der einzige Mensch, der seine Karte gekauft hat, der an Tisch 13, wird extra begrüßt.

Aber sicher hat es auch etwas mit diesem besonders feinen, subtilen Humor zu tun, den die Dortmunder Feingei(st)er bekanntlich pflegen, erst recht die Zwei vonne Südtribüne (Franziska Mense-Moritz, Hans Martin Eickmann), die in den tiefsten Tiefen der menschlichen Logik graben. Wenn du dir vornimmst, einen ganzen Tag mal nichts zu machen, und du schaffst das - hast du dann was gemacht, oder hast du nichts gemacht? Hä?

Doch erst einmal ist wichtig, dass alle wieder da sind, in Bövinghausen. Der Präsident. Der Steiger. Alle sind sie dabei. Lilli & Lotti. Siegfried & Roy. Miss Annen. Die Awo-Oppas. Nur die Band. Die hat ein neues Saxofon. Aber ein schönes (Karin Hatzel).

Die Ressentiments dürfen nicht fehlen

Auch die Ressentiments dürfen nicht fehlen. Klar geht wieder der Schuss Richtung Schalke los. Die verstörte Miss Annen (Sandra Schmitz) scheitert erfolgreich beim Versuch einer Büttenrede, verheddert sich aber in den vielen Ruhr-Reimen. Manchmal kommt einmal im Jahr die Müllabfuhr / nach Witten-Annen anne Ruhr.

Unna ist in diesem Jahr die Geierabend-Partnerstadt. Sie hat den Vorteil, dass sie Dortmund vom Osten fernhält. Sie besteht aus Lichtkunst, selbst die Ampeln zählen dort zum Kulturgut. Und all die vielen Unna-Lieder! Und der Präsident (Roman Henri Marczewski) darf noch einen nachlegen: Unna festa sui prati.

Geierabend 2013

Wichtig sind natürlich auch die großen Lieben. Die gelbe Wand im Stadion, die man so schön rocken kann. Die Dooort/mund, Dooort/mund-Zugabe. Und das südliche Umland, die Golan-Höhen des Reviers, Sauerland. Herr Schlendersack (Martin F. Risse) erzählt, etwas lang und literarisch, das Neueste aus dem Güllestübchen in Schnöttentrop. Diesmal kam der Papst vorbeigewandert, da musste doch die Scheune brennen.

Die Geier entstammen der Theaterszene. Das zahlt sich aus. Wie sich Siegfried (Risse) und Roy (Hans-Peter Krüger) „hypenotisieren“, um die nächsten Lottozahlen herauszufinden, ist schon stark, eine Nummer zum Schenkelklatschen. Eigentlich. Onkel Theos Organe to Go kommen da so nicht mit. Dafür erklären uns die Awo-Oppas Martin Kayhs (der auch der Steiger ist) und Eickmann, wieso Bob Dylan seit zwanzig Jahren auf Abschiedstournee ist; logisch, er kann sich das Heim nicht leisten.

Panneköppe beweisen tonalen Mut

Der Chor der Verfassungsschützer ist von den Blues Brothers inspiriert. Die Musik der Panneköppe ist überhaupt viel und vielseitig, manchmal auch von tonalem Mut geprägt. Richtig gelungen ein Filmmusiken-Medley gleich nach der Pause. Überflüssig die Besenfuge, weil sich der musikalische Witz nicht erschließt.

Noch mal zum Witz, zu den Pointen, zum politischen Biss. Manchmal wird zu sehr herumgedruckst (wie bei der Beschneidungsnummer), eine klarere Ansprache hätte auch der Herd- und Schulschwänzerprämie der Nordstadt-FDP gut getan.

Und manchmal kommt beim Geierabend Sehnsucht auf - nach einem knackigen, ungebrochenen Funkenmariechen. Nicht nur nach Bier, das eine Heimat sucht.

Rainer Wanzelius


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