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Neonazis: Der überkochende Kessel in Dortmund

01.05.2009 | 22:37 Uhr
Neonazis: Der überkochende Kessel in Dortmund

Dortmund. Der Angriff von etwa 300 Rechtsradikalen am 1. Mai für chaotische Zustände in Dortmund gesorgt. Teilnehmer der DGB-Kundgebung und Polizisten werden verletzt. Eine Chronologie der Ereignisse.

Etwa 300 gewaltbereite Rechtsradikale haben am Freitag, 1. Mai, in der Innenstadt Dortmund die Kundgebung des DGB angegriffen. Bei den Ausschreitungen sind mehrere Polizisten verletzt worden. Die Dortmunder City wurde abgesperrt. Foto: Michael Printz/photozeppelin.com

09.00 Uhr: Rund 40 Rechte versammeln sich am Dortmunder Hauptbahnhof. Angeblich wollen sie nach Siegen, wo ein genehmigter Aufzug von rechtsextremen stattfindet.

10.00 Uhr: Die Gruppe vor dem Hauptbahnhof, von der Polizei observiert, steigt auf rund 300 Menschen an.

10.40 Uhr: Anstatt in den Zug nach Siegen zu steigen, jagt die Gruppe aus dem Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt, wo zur gleichen Zeit auf dem Theatervorplatz rund 2500 Menschen dem Aufruf des DGB zur 1. Mai-Demo gefolgt sind. Die Polizei ist überrascht, alarmiert sofort weitere Kräfte, so die Einsatzhundertschaft aus Bochum.

10.50 Uhr: Die rechten Schläger greifen mit Holzstangen und Steinen bewaffnet auf der Hansastraße den Tross des DGB an, der vorsichtshalber schon eher in Richtung Westfalenpark aufgebrochen war. Sie prügeln auf Teilnehmer der DGB-Kundgebung ein. Es gibt lau Polizei handfeste Auseinandersetzungen zwischen den beiden fronten, dazwischen die Polizei. Es gibt Verletzte. Mit Pflastersteinen und Knallkörper greifen die teilweise vermummten rechten Chaoten auch die Polizei an, die mit schlagstockeinsatz die rechten Schläger zurückdrängen kann. Es gibt auch auf Seiten der Polizei Verletzte. Fensterscheiben von Streifenwagen gehen zu Bruch. Ein massives Aufgebot der Polizei kann weitere Übergriffe auf den DGB-Tross verhindern.

11.00 Uhr: Über den Ostwall fallen die Schläger marodierend auf dem Ostenhellweg ein, bewaffnen sich nach Angaben der Polizei mit Pflastersteinen. Als die Polizei die Meute auf dem Ostwall stoppen will, werden die Polizisten von einem Steinehagel empfangen.

11.15 Uhr: Schließlich gelingt es den Beamten mit Hilfe einer sofort alarmierten Einsatzhundertschaft aus Bochum, den Mob einzukesseln. Rund 40 werden vor „C & A” dingfest gemacht, etwa 150 in der Stefanstraße festgesetzt - direkt vor dem Rundschau-Haus. „Die Dortmunder Polizei schritt sofort konsequent ein”, so Polizeisprecher Manfred Radecke. Der Ostenhellweg wird zwischen Reinoldikirche und Moritzgasse hermetisch abgeriegelt.

11.30 Uhr: Weitere Einsatzkräfte der Polizei werden angefordert. Polizisten der Einsatzhundertschaften aus Bielefeld, Münster und die Dortmunder Einsatzhundertschaft, die anderweitig im Einsatz war, treffen am Ostenhellweg ein.

11.45 Uhr: Informationen machen die Runde, dass die Rechten nach dem Verbot einer Demonstration im Hannover im Internet dazu aufruft „Werdet anderswo aktiv! Bleibt am 1. Mai nicht zu Hause! Besucht die anderen angemeldeten Demonstrationen oder reagiert mit kreativen Aktionen flexibel”, heißt es auf einschlägigen Seiten im Internet.

12.00 Uhr: Vor dem Hauptbahnhof wird eine weitere Gruppe Rechter von der Landes- und der Bundespolizei festgenommen, rund zwanzig Menschen.

12.15 Uhr: Per Lautsprecherdurchsagen werden die Festgenommen darüber informiert, dass Jungendliche, Kinder, Verletzte und Schwangere den Kessel verlassen dürfen.

13.00 Uhr: Die Gruppe bleibt eingekesselt. Nach und nach werden die einzelnen Rechten kontrolliert und durchsucht. Vereinzelt können die Festgesetzten unter Polizeibegleitung zur Toilette.

13.30 Uhr: Busse der Stadtwerke treffen am Einsatzort ein. Mit ihnen sollen die Chaoten ins Polizeigewahrsam gebracht werden. „Gegen die vorläufig festgenommenen Personen besteht der dringende Tatverdacht des Landfriedenbruchs”, so Manfred Radecke. „Zur Personalienfeststellung werden die Festgenommenen ins Polizeigewahrsam gebracht.”

15.00 Uhr: Die Lage beruhigt sich. Noch immer sind die Recht eingekesselt, nacheinander werden sie überprüft und abtransportiert.

16.30 Uhr: Die Polizei kündigt eine Pressekonferenz zu den Ereignissen in Dortmund an.

17.00 Uhr: Es wird bekannt, dass Linke und Antifa-Mitglieder um 20 Uhr eine Gegendemonstration am Dortmunder Bahnhof planen.

18.00 Uhr: Die Pressekonferenz beginnt. Dortmunds Polizeipräsident Hans Schulze spricht von einer "neuen Dimension der Gewalt". Es sei bundesweit der erste Fall, dass Rechte eine friedliche Demonstration angegriffen haben. Schulze lobt die Beamten, die sich ungeschützt und lediglich mit einem Schlagstock bewaffnet den gewalttätigen Rechten in den Weg gestellt haben.  DGB-Bezirksvorsitzender Eberhard Weber lobt zwar ebenfalls diese Beamten, fühlt sich aber dennoch im Stich gelassen: "Ich erwarte mehr von der Polizei."

19.30 Uhr: Die letzten Eingekesselten werden von der Dortmunder Innenstadt in Bussen abtransportiert. Der abgesperrte Teil am Ostenhellweg wird wieder freigegeben.

20.00 Uhr: Die linken Protestanten treffen am Dortmunder Bahnhof ein. Die Polizei ist mit einem großen Aufgebot vertreten. Ein mögliches Aufeinandertreffen von Linken und Rechten soll auf jeden Fall verhindert werden.

20.15 Uhr: Die Polizei legt fest, dass die Gegendemonstration lediglich auf den Bereich des Bahnhofs beschränkt bleibt.

22.00 Uhr: Die Kundgebung wird aufgelöst, Zwischenfälle gibt es nicht.

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Andreas Winkelsträter

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