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Nazi-Demo bringt öffentliches Leben zum Erliegen

07.09.2008 | 22:16 Uhr
Nazi-Demo bringt öffentliches Leben zum Erliegen

Dortmund. Die Geschäfte schlossen, Gaststätten ließen die Rolltore runter und Autohäuser evakuierten ihren Fahrzeugpark. In der Dortmunder Innenstadt-Ost und Körne kam am Samstag aufgrund des Neonazi-Aufmarsches das öffentliche Leben zum Erliegen.

„Räumen sie hier den Platz. Wir können ihre Sicherheit nicht gewährleisten”, verweisen Polizisten Passanten des Platzes, die mit Einkaufstüten über Kaiser- und Klönnestraßen laufen. „Man fühlt sich, als wenn man sich dafür rechtfertigen müsste, sich auf seiner eigenen Straße aufzuhalten”, ärgert sich Anwohner Nils Zeino. „Die Polizisten tuen so, als wenn wir hier falsch sind und nicht die Neonazis”, schimpft ein anderer Passant. „Sie verhindern, dass wir hier unseren Alltag leben können.”

"Destroy Facism"

Durch den Neonazi-Aufmarsch hatten viele Passanten, darunter auch Hochzeitsgäste, Probleme. Sie mussten zu Fuß zur Kirche. Foto: Alex Völkel

An der Polizeiabsperrung auf der Kaiserstraße bleibt auch eine vierköpfige Familie hängen. Mit den Beamten müssen sie erst diskutieren, dass sie auf dem Weg in ihre Wohnung seien. „Sie haben den falschen Pullover an, um an einem solchen Tag problemlos durch die Absperrungen zu kommen”, weist ein Polizist den Kinderwagen-schiebenden Familienvater zurecht, weil er „Destroy-Facism” („Zerstör Faschismus”)-T-Shirt trägt. „An einem solchen Tag ist es genau das richtige T-Shirt”, kontert der Anwohner. „Auch ich habe ein Recht auf freie Meinungsäußerung.”

"Geldverschwendung"

Ebenfalls zu leiden hatten die Gäste der Hochzeitsfeiern, die am Samstag im Stadtbezirk stattfanden. Nicht alle Gäste hatten Zufahrtsberechtigungen bekommen. So wurden die langen Abendkleider gerafft - und schimpfend auf Stilettos bis zu zwei Kilometer zu Fuß durch Absperrungen und Demonstranten genommen. Andere Anwohner rührten sich deshalb ab morgens nicht mehr aus dem Haus: „Um 9 Uhr war mein Bäcker in der Davidisstraße schon fast leer gekauft, weil die Kunden mögliche ,Ein- und Ausreiseprobleme' im Laufe des Tages vermuteten”, berichtet Ursula Posse-Kleimann. „Diese Demo ist eine Geldverschwendung. Alle fragen sich, warum das erlaubt wird.”

Nicht zum ersten Mal wurden wegen des Neonaziaufmarschs die östliche Innenstadt und Körne abgeriegelt. Die Geschäftsleute hatten sich darauf eingestellt. Viele kleine Geschäfte hatten den ganzen Tag geschlossen. Supermärkte und Tankstellen hatten zwar geöffnet. Nur wenige Kunden, darunter Demonstranten und Polizisten, kamen. Gähnende Leere auch auf dem Hof des Audi-Zentrums am Hellweg: „Um unser Eigentum zu schützen, haben wir alle Fahrzeuge in Sicherheit gebracht”, entschuldigt sich das Unternehmen bei den Kunden. Mit Bauzäunen und Wachdienst hatten sie zudem das Areal abgeriegelt. Die Gaststätte am Zehnhof hatte vorsorglich das Gitter geschlossen. Aus ihrem „Käfig” sahen sich die Gäste den braunen Spuk an.

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Alexander Völkel

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