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Nazi-Attacke mobilisiert eine ganze Schule

27.02.2008 | 20:25 Uhr

Nach der Flugblattaktion und dem nächtlichen Angriff mit Sachbeschädigungen und Einschüchterungsversuchen durch Neonazis setzt das Helene-Lange-Gymnasium jetzt mit Nachdruck auf Aufklärung über Neofaschismus.

Die Schule will sich nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: "Wir wollen jetzt verstärkt Aufklärung betreiben, nicht Provokation. Daher haben wir kurzfristig die Ausstellung 'Neofaschismus in Deutschland' an unsere Schule geholt", berichtet die Schülervertretung. Zu sehen ist sie seit Mittwoch. Erstellt wurde sie von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Die Ausstellung wird ergänzt durch lokale Schautafeln des "Bündnis Dortmund gegen Rechts". Sie dokumentieren die Strukturen der örtlichen Neonazi-Szene und deren Köpfe sowie die Übergriffe durch Rechtsextremisten in Dortmund. Außerdem haben Oberstufen-Schüler Infoblätter erstellt.

Der Anlass für diese Aktivitäten war die Flugblattaktion von Neonazis vor dem Schulgelände in der vergangenen Woche. Da die Schule die Polizei gerufen und die Schüler umgehend über die Aktion informiert und vor den Parolen gewarnt hatte, suchten Neonazis die Schule in der Nacht zu Dienstag heim. Sie sprühten Graffiti gegen den Lehrer, der die Polizei eingeschaltet hatte, klebten Plakate auf die Türen und setzten einen Müllcontainer in Brand (wir berichteten).

Schüler können nun die Ausstellung besuchen, die die Strukturen des Neofaschismus, Akteure, Verbünde und Parteien in Deutschland vorstellt und deren Ideologien beleuchtet. Totschweigen will man das Thema nicht. "Das bringt nichts. Wir müssen uns aktiv mit dem Problem auseinandersetzen", so die SV. "Wir wollten schnell reagieren - aber nicht nur plakativ mit einem 'No Nazis'-Banner." Die inhaltliche Auseinandersetzung sei wichtig: "Wir bekämpfen ja nicht die Meinungsfreiheit, wie die Neonazis kritisieren", ergänzt eine Mitschülerin. "Wir wenden uns nur gegen Intoleranz und Sachbeschädigung."

Ziel ist jetzt das Prädikat "Schule ohne Rassismus"

So sieht es auch der ins Visier der Neonazis geratene Lehrer. Sein Foto war auf der Internetseite des Nationalen Widerstandes gezeigt, er selbst dort auch beschimpft worden. "Wir wollen die Ziele der Neonazis kritisch hinterfragen und sie nicht auf persönlicher Ebene angreifen."

Für Schulleiter Jürgen Hillmann war der Racheakt der Neonazis ein Eigentor: "Wenn sie so auf uns losgehen, geht der Schuss nach hinten los." Das wird schon deutlich: Das Helene-Lange-Gymnasium will sich jetzt um die Auszeichnung "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" bewerben. Schon seit langem stand die Idee im Raum. Doch nun bekommt sie den nötigen Schwung: "Bisher waren viele Schüler der Meinung, dass sie mit dem Thema nichts zu tun haben. Für sie war das ganz weit weg", so die SV. "Seit der Flugblattaktion und dem Angriff der Neonazis wissen sie, dass jeder Schüler persönlich davon betroffen ist."

Von Alexander Völkel

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