Letzte City-Kommune vor dem Aus
11.04.2008 | 21:23 Uhr 2008-04-11T21:23:07+0200Vor dem Aus steht die vermutlich letzte City-Kommune, falls es bis Ende des Jahres nicht doch noch eine Lösung gibt. 14 junge Leute zwischen 22 und 29 Jahren leben im so genannten "Hippiehaus" an der Silberstraße 36. ...
... Das Haus muss dem Einkaufsprojekt auf der Thier-Brache weichen. Die Kündigung zum 30. November liegt auf dem Tisch. Die Bewohner, allesamt Studierende, Künstler, Pädagogen, stehen vor dem Problem, anderen bezahlbaren und ausreichend großen Wohn- und Lebensraum zur Weiterführung ihrer Projekte zu finden.
Von den Ratsmitgliedern Mario Krüger und Ingrid Reuter, beide Bündnis 90/Die Grünen, hoffen sie auf Hilfe und Unterstützung. Ein neues Gebäude hatten Krüger und Reuter gestern vor Ort nicht parat. "Doch", so Krüger, "haben wir die Erwartung an die Verwaltung, hier moderierend zu helfen". Die kulturelle Vielfalt und Alternatives dürfe im Citybereich nicht ausgeklammert werden.
Vor eineinhalb Jahren war das Haus bezogen worden, nachdem es fünf Jahre leer stand. Die Bewohner haushalten, kochen, wohnen zusammen, beteiligen sich an kulturellen Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerten, Theaterproduktionen, zeigen ehrenamtliches Engagement beim Sammeln von Spendengeldern (für die Suppenküche zum Beispiel oder die Lebenshilfe e.V.) oder bieten Freiraum für Bands, denen Probemöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, ebenso für die innerstädtische Subkultur. Alles selber finanziert, ohne irgendwelche Zuschüsse.
An der Silberstraße 36 stehen 350 qm Wohnfläche zur Verfügung. Weitere 180 qm genutzte Fläche gibt es im Keller und auf dem Dachboden. Ihre selbst gesetzten Ideale möchten die 14 Dortmunder durch den Abriss nicht gefährden. Deshalb sind sie auf der Suche nach einem neuen Domizil, in dem sie ihr Wohn-, Kunst- und Kulturprojekt weiterführen können.
Stadt auf dem Weg zum Einheitsgesicht
"Es sollte", so wünscht sich Mitbewohner Johannes, "die gleiche Größe wie jetzt haben". Johannes hängt einen Wunsch an: "Wenn wir zusätzlich noch etwa 200 qm an Veranstaltungsfläche für Ausstellungen oder Workshops zusätzlich dazu bekämen, wäre es geradezu ideal".
Ihre Kritik am ECE-Projekt, dem sie weichen müssen, ist eher verhalten. Doch es gefällt ihnen nicht, dass "Dortmund auf dem Weg zum Einheitsgesicht" ist und durch "Schönheitsoperationen" die bunte, alternative Kultur aus dem Stadtbild verdrängt wird. Deshalb möchten sie auch künftig Präsenz zeigen und sind deshalb für jede Unterstützung dankbar.
13:53
Ach Herr Knebel,
ich in selbst erfolgreich in der sog. Kreativwirtschaft tätig. Viele leben nur von Projektkohle, erwirtschaften fast keinen Gewinn und sind im Alter vermutlich arm. Da muss man keinen romantischen Träumen hinterherlaufen, der Wettbewerb regelt es von selbst.
12:59
Wieder ein Stück Farbe, welche verloren geht... Was geht den Menschen durch den Kopf, die erst den Kreativstandort Dortmund anpreisen und dann so ein Haus, welches anscheinend auch noch unentgeldich, auf eigene Tasche, für Kultur sorgt, wofür sonst Millionen ausgegeben werden (Konzerthaus), abreißen möchten?
Erwiesenermaßen ist die Kreativwirtschaft und Kulturmanagement mittlerweile ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Und hier werden anscheinend Menschen Stöcke zwischen die Beine geworfen, die zukünftig an dem Kreativstandort Dortmund beteiligt sein werden. ja, tatsächlich Schade...
12:59
Ganz im Gegenteil, die Innenstadt wird durch das ECE lebendiger. Oder ist es etwa chic, an den Junkies vor dem Gesundheitsamt vorbeizulaufen? Die Hippies werden in der Nordstadt massenweise günstigen Wohnraum finden. Dann können sie auch vor Ort Multikulti testen.
11:49
Warum lieben Stadtplaner tote Innenstädte? Ist das Eingangsqualifikation, so wie realitätsferner Größenwahn bei Lokalpolitikern?
11:10
Sehr Schade!
Ich gebe den Bewohnern recht! Die Innenstadt von Dortmund wird dadurch noch mal gesichtsloser. Das neue ECE Gebäude wird aussehen wie jede andere ECE-Mall auch!