Doro Pesch: "Die Musik war und ist meine Familie"
06.12.2009 | 10:52 Uhr 2009-12-06T10:52:00+0100
Dortmund/Düsseldorf. Anfang der 80er betrat Doro Pesch ein musikalisches Genre, das bis dato Männern vorbehalten war: Metal. Im Interview spricht die Rockröhre über Fans, Vorbilder und Metal "made in Germany". Am 13. Dezember spielt die Düsseldorferin im Dortmunder FZW.
Als Doro Pesch Anfang der 80er Jahre den Entschluss fasst, Rocksängerin zu werden, betritt sie eine Männerdomäne. Als eine der allerersten Frauen wagt sie den Schritt in ein Genre, in dem sich die Rolle von Frauen bis dato auf das Anhimmeln von männlichen Rockstars beschränkt.
Wie fing denn das alles an, Doro Pesch und die Musik?
Doro Pesch: Ich wollte schon immer Musik machen. Hab mich schon in ganz jungen Jahre dazu versteift und wollte Sängerin werden. Viele im meinem Umfeld dachten: ,Die wird bestimmt Opernsängerin’. Denn ich habe nur gesungen. Mit 15 habe ich meine erste Band gehabt, nebenbei eine Lehre als Grafikerin angefangen und abgeschlossen. Und die Grafik konnte ich dann nutzen, um die ganzen Schriftzüge und Plattencover zu machen.
Die Musik, das war so eine Leidenschaft, eine wahre Liebe. Da gab es dann kein Halten mehr. Und dann haben wir ein paar Platten gemacht. Und irgendwann ging's dann auf Tour mit Judas Priest. Da bin ich zu meinem Chef gelaufen und hab ihm gesagt: „Ich quittiere den Job“. Ab da haben wir es alles professionellbetrieben. Und nun mache ich das schon 26 Jahre lang.
Ist man denn als Frau in dem Bereich Metal Ernst genommen worden?
Doro Pesch: Ich hab das nie als Vor- oder Nachteil empfunden, als Frau in dem Bereich zu spielen. Vom ersten Tag an war das alles klar. Die Fans standen hinter mir. Da hat sich die Frage nie gestellt. Und irgendwie stand es über den Dingen. Wenn man Musik liebt, ist es ganz egal, wo man herkommt, oder ob man Frau oder Mann ist. Das größere Problem für uns war, aus Deutschland zu kommen, dann nach England oder hinterher auch in die USA zu gehen. Da muss man sich doch mehr beweisen und mehr ackern, doppelt so viel arbeiten als englische Bands.
Wir mussten uns damals erst in England beweisen, um die Chance zu bekommen, nach Amerika zu kommen. 1986 hatten wir die Chance auf einem Festival in England zu spielen. Da war die gesamte Weltpresse. Und da haben wir richtig gut abgeräumt. Dadurch haben sich dann wirklich alle Türen für uns geöffnet. Die haben dann auch die Plattenfirmen gesagt: „Denen geben wir auch eine Chance in Amerika“. Es ging nicht darum, eine Frau zu sein, sondern aus Deutschland zu kommen. Wir sind damals in die Fußstapfen der Scorpions gestiegen. „Rock made in Germany“. Es gab damals nur eine Handvoll Frauen. Ich hab das nie als so speziell empfunden.
Warum Rock und Metal?
Doro Pesch: Ich liebe es ganz intensiv. Intensiv und gefühlvoll, intensiv mit viel Energie. Nichts dazwischen, nichts Seichtes. Mein allererster Song, an den ich mich erinnern kann, das war „Lucille” von Little Richard. Da hat mich die Intensität beeindruckt. Was folgte war die Glamrockzeit mit Alice Cooper oder Suzie Quatro. In den 80er Jahren, als wir angefangen haben, da gab's noch gar nicht den Begriff Heavy Metal. Das kam da damals auf. Nach ein paar Jahren kamen die ersten Fanmagazine, damals noch fotokopiert. Dann erst kamen Metalhammer und Rock Hard. Anfangs war es noch eine Subkultur, die sich dann doch schnell weltweit entwickelt hat.
Am 13. Dezember 2009
Dorothee Pesch wurde am 3. Juni 1964 in Düsseldorf geboren. Nach einer abgeschlossenen Grafikdesign-Ausbildung sang Doro Pesch ab Anfang der 1980er Jahre bei „Snakebite”. Bekannt wurde sie aber als Sängerin der Band „Warlock”, zu der sie 1982 stieß.
Am 13. Dezember 2008 feierte sie ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Konzert vor 9000 Zuschauern. Am Sonntag, 13. Dezember 2009, tritt sie im FZW auf. Die Tickets kosten 25 Euro plus Vorverkaufsgebühr.
- Mehr Info auf Doro Peschs Homepage
- Hier geht's zum FZW
Bei einem belgischen Label haben wir unseren ersten Plattenvertrag bekommen. Und ein Veranstalter fragte uns, ob wir nicht in seinem Club spielen wollten. Da sei noch ne amerikanische Band. Die hieße Metallica. Und das war einer ihrer ersten Auftritte in Europa. Es war unheimlich schön, Zeitzeuge zu sein, einer neuen Musikrichtung. Das hat alles ganz klein angefangen und hat sich dann mächtig schnell entwickelt. Weltweit. Metal war auch immer so ein Lebensstil, Freiheit, ein weltweiter Zusammenhalt zwischen der Metalgemeinde. Heute ist das noch viel schöner, denn wir spielen in Ländern, in denen das vor 25 Jahren noch gar nicht möglich war. Heute fühlen wir uns in Russland oder der Tschechei genauso zu Hause wie in China, Indien. Länder, von denen man nie gedacht hätte, dass man da mal hinkommt. Da lebt auch der Metal ganz stark.
Du sagtest es war schwer, sich auf dem englischen und amerikanischen Markt zu behaupten. Trotzdem hast Du immer wieder Songs auf Deutsch auf deinen Platten.
Doro Pesch: Den ersten deutschen Song hab ich geschrieben, als ich in New York war. Das war 1987. Auf „Triumh & Agony”, die wahnsinnig erfolgreich war, waren zwei deutsche Songs. Und einer hieß „Für immer”. Das war das erste Mal, dass ich mich getraut habe, Deutsch zu singen. Das war damals überhaupt nicht angesagt. Heute ist man ja daran gewöhnt. Bei Rammstein etwa. Das kam damals wirklich ganz tief aus meinem Herzen raus. Heimweh. Zurück zu den Wurzeln. Alle im Studio haben es gemerkt: Da ist so ne Magie in dem Song. „Für immer“ ist auch weltweit die größte Single geworden. Und die spielen wir auch immer noch im Ausland, egal wo. Und das ist immer noch ein Hammersong. Zu dem Song haben sich viele Leute verliebt, ja sogar geheiratet. Und er hat nicht nur für uns immer noch eine sehr große Bedeutung.
Und es gibt immer noch deutsche Texte von dir?
Doro Pesch: Ja, sicher. Auf der neuen Platte gibt es einen Song, den haben wir sogar auf vier Sprachen gesungen. Portugiesisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Der heißt „Herzblut“. Der könnte fast den Stellenwert von „Für immer” erreichen. Und der ist auch mit sehr viel Herzblut geschrieben und eingespielt worden, aber eigentlich die ganzen 25 Jahre. Das wissen auch die Fans.
Und die erkennen das an?
Doro Pesch: Ja, auf jeden Fall. Das habe ich auch nicht gewusst, als ich angefangen habe, Musik zu machen. Das man die Menschen damit so glücklich machen kann, deren Herzen berühren kann mit der Musik. Gerade bei den ersten Auftritten und den ersten Platten, das war einfach nur Wow. Wir haben damals jeden Tag geprobt, egal ob Weihnachten oder Silvester. Der Probenraum stand unter Wasser. Wir haben uns auf Paletten gestellt. Und trotzdem geprobt. Wir waren total fanatisch, verrückt. Und mit uns die Fans.
Wenn man Dich auf der Bühne sieht, dann bist Du die Powerfrau, die mächtig rockt. Bist Du privat genauso?
Doro Pesch: Also eigentlich gibt es so gar kein Privatleben. Nur ganz wenig. Das Leben spielt sich so auf Tour ab. Im Tourbus mit allen zusammen, auch mit den Fans. Wir sind so acht Monate auf Tour. Den Rest der Zeit verbringe ich im Studio, mit der Arbeit an neuen Projekte, wie derzeit an der DVD „25 Jahre Doro Pesch”. Aber ich hatte auch noch nie den Wunsch nach Familie oder Kindern. Die Musik war und ist meine Familie. Das habe ich nie bereut. Als müsste es so sein. Da habe ich mich schon mit 16 in mein Schicksal ergeben.
Würdest Du auch zum Boxen gehen, wenn Du nicht mit Regina Halmich befreundet wärst?
Doro Pesch: Ich war immer extremer Fan vom Boxen, schon seit Muhammad Alis Zeiten. Mein Vater hat mich immer geweckt. Dann haben wir zusammen die Boxkämpfe angeschaut, damals im Fernsehen, noch in schwarz-weiß. Ich hab ja selbst mit dem Boxen angefangen, um fit zu werden. Thai-Boxen, Boxen. Ja, und dann meinte mein Trainer: „Guck Dir Kämpfe an, wann immer du kannst, dann lernst Du was.“ Und dann war ich damals in den Satori-Sälen in Köln, Regina Halmich hat geboxt. Dann haben wir uns immer wieder bei den Boxkämpfen getroffen. Regina war bei meinen Konzerten, da sie ein ganz großer Rockfan ist.
Wir haben uns angerufen und dann auch angefreundet, Und Regina meinte, dass es super wäre, wenn ich ihr eine Einzugshymne schreiben würde. Das habe ich dann gemacht. Die erste Hymne war „Always Live To Win”, die zweite „Fight”. Der war ziemlich krass. Und sie musste es wirklich durchboxen, dass er auch im Fernsehen, ich glaube es war das ZDF, gespielt wurde. Daraus hat sich eine ganz tolle Freundschaft entwickelt. Regina war auch beim 25-jährigen Jubiläum dabei. Sie hat mich angesagt. Super nett. Wir verstehen uns wirklich gut, da es auch ein paar Parallelen zwischen uns gibt. Disziplin und wenn man mal k.o. geht, dann muss man schnell wieder aufstehen. Wir könnten eigentlich Schwestern sein. Was außergewöhnlich Schönes. Totales Vertrauen.
Was wirst Du am 13. Dezember im FZW spielen?
Doro Pesch: Auf jeden Fall alle Highlights von den ersten Platten zu den letzten. Viele Überraschungen, auch ein paar Songs vom neuen Album, natürlich „Für immer”, den Wacken-Song „We Are The Metalheads”. Und dann können die Fans auch spontan Wünsche äußern. Wir sind da sehr flexibel an dem Abend. Keine feste Setliste. Auf weit über zwei Stunden haben wir uns eingestellt. In Dortmund habe ich früher immer sehr gerne gespielt, in der Westfalenhalle. Das ging wahnsinnig ab. Denke, wir werden in Dortmund eher die harten Sachen spielen.
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