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Kratzen und knibbeln gegen Rechts

28.08.2009 | 18:35 Uhr
Kratzen und knibbeln gegen Rechts

Das Bündnis Dortmund veranstaltete am Freitag in Dorstfeld einen antifaschistischen Herbstputz. Junge 44-köpfige Putzkolonne beseitigt Aufkleber mit Parolen.

Egal, wohin man am Wegesrand sieht, pappen sie: Aufkleber mit faschistischer Propaganda. Aufgeklebt von Neonazis, gelesen von tausenden Bürgern. In Dorstfeld ist kaum ein Ampelmast, kaum ein Laternenphal ohne einen solchen. Das muss sich ändern, dachte sich das Bündnis Dortmund gegen Rechts und rief gestern zum „antifaschistischen Herbstputz” auf.

Putzen und Politik - das sei doch nichts für Jugendliche? Denkste! Jungwähler, Erstwähler und welche, die es noch werden wollen, bildeten die 44-köpfige Putzkolonne; „bewaffnet” mit 16 Sprühflaschen und vierzig Kunststoffschabern. Geleitschutz erhielten sie von etwa zwei Dutzend Polizeikräften. Sicher ist sicher. Schließlich bewegt man sich auf „feindlichem Gebiet”. „Die Lage ist bisher ruhig. Aber man weiß ja nie, was sich die Rechten einfallen lassen”, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wieland. Später wird man wissen: Sie haben sich etwas einfallen lassen.

Am Dorstfelder S-Bahnhof beginnt die Großreinemache-Tour. Rene*, 17 Jahre jung, ist einer von ihnen. Er verbirgt seine Augen hinter einer Sonnenbrille, seine Haare unter einer dunklen Cappy. Er will nicht erkannt werden. Aus Angst, von Rechten auf der Straße erkannt und verfolgt zu werden. „Die Rechten machen Fotos und stellen die samt Namen auf ihre Homepage.” Die Genugtuung ist heute größer als seine Furcht vor Konsequenzen.

„Tolle Aktion”, ruft ein vorbeitrampelnder Radfahrer den Reinemachern zu. Für Oliver Wilkes, Leiter der Aktion, ein willkommener Zuspruch. Beim Frühjahrsputz, der ersten Aktion dieser Art überhaupt, war die Resonanz zwar geringer, die Wirkung wohl aber gewaltig: „Die Aufkleber sind viel weniger geworden”, stellt Wilkes fest.

Genug Arbeit gibt es an diesem Tag trotzdem. Kratzen für die Demokratie, knibbeln gegen Rechts - das ist auch für Susi* (15) genau das Richtige. „Das ist total cool”, sagt eine, die schon mit Elf auf ihrer ersten Demo gegen Rechts war, „dadurch müssen die Faschos mehr Kohle ausgeben.” Gerd Pfisterer vom Dortmunder Bündnis sieht einen weitaus größeren Nutzen: „Durch das einmalige Ereignis sollen alle aufgerüttelt werden und beim nächsten Spaziergang selbst einen Aufkleber entfernen.”

Die Putzkolonne zieht weiter. Bis zur Thusneldastraße, wo sich seit einigen Jahren die rechte Szene heimisch fühlt. Und tatsächlich: Fenster öffnen sich ruckartig, Fotos werden geschossen. Um sie später auf die nationalistische Homepage zu stellen und die „Gegner” zur Schau zu stellen?! Am Straßenende dröhnt braune Musik aus den Lautsprechern. Linke bauen sich zwanzig Meter vor den Rechten auf, grölen zurück, zeigen Flagge. Dank der Polizei eskaliert die Situation nicht.

Nach gut einer Stunde ist der Herbstputz vorbei, der Straßenzug von faschistischen Aufklebern gesäubert. „Eine gelungene Aktion”, findet Pfisterer, der den Jugendlichen noch einen Tipp mit auf den Weg gibt: „Geht in der Gruppe nach Hause, nicht alleine.” Aus Angst vor Übergriffen.

*Namen geändert

Dennis Betzholz

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Kommentare
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Kommentare
30.08.2009
14:41
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von jcm | #15

Das würde für Z lediglich bedeuten, vom Regen in die Jauche zu kommen!
Denn: wer sein Kreuz bei den Nazis macht, hat vorher nicht GRÜNDLICH nachgedacht.
Eine verschwendete Stimme für eine Partei von Dumpfbacken - für Dumpfbacken (Zitat aus der sueddeutschen)...

30.08.2009
10:45
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2009
09:23
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von BlubbBlubb | #13

Lieber Stephan Z,

Du meinst also, wenn man in der ******* sitzt sollte man ******* wählen damit noch mehr ******* passiert?

Sorry, sehe ich anders!

29.08.2009
23:52
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von unklar | #12

Ich bin seit vielen Jahren selbständig tätig, habe eine gute Bildung und ein stabiles Wohnumfeld genossen. Ich befürchte, daß meine Kinder und Enkelkinder diese Rahmenbedingungen nicht mehr haben werden. Gerade deshalb wähle ich NICHT LINKS!

29.08.2009
16:19
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von rudolf P. | #11

@#9:
Die Themen sind nicht verkehrt und ich brauche Arbeit und bekomme keines .
warum nur?
gute aktion. ich hoffe, die stadt wird nächsten samstag restlos gesäubert.
Warum bemüht sich eigentlich die ARGE nicht intensiver um diesen Teil ihrer Kundschaft??? Da ist doch offensichtlich, dass sie Beschäftigung brauchen, um ihr Leben auf die Reihe zu bekommen.

29.08.2009
15:35
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von jcm | #10

Tja, Spephan Z., wenn ich mir ihren mühseligen Artikulationsversuch betrachte, dann bleibt nur der Schluß übrig, dass auch sie zu den Opfern der Bildungsmisere zählen!
Da ist es natürlich schwer, Arbeit zu bekommen. Viel schlimmer ist es aber, dass die braunen Dumpfbacken mit ihren demagogischen Mitteln unter Bildungs-Opfern ihre Rattenfänger-Methoden anwenden!

Da hilft nur eines: sich weiter bilden! Selbständiges Denken ist sooo schwer auch wieder nicht - wenn man gelernt hat, wie es funktioniert!
Viel Glück...

29.08.2009
14:28
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von Stephan Z. | #9

Nun was sollen WIr wählen ?

Post bekomme ich als Werbung immer von der NPD / DVU und der FDP . ;)

Die Themen sind nicht verkehrt und ich brauche Arbeit und bekomme keines .

Also ich als Jungwähler wüsste sicher wo ich meinen Kreuz hin machen würde .

Es wird uns Jungen Leuten ja sonst nichts geboten und betrügen tun die großen doch alle .

Glaube ich werde wenn ja meine Stimme gebraucht wird zum Wählen die rechte Seite nehmen .

Schlimmer kann es ja nicht werden und das Programm klingt gut .

Dadurch das die Medien oder eher die WR das Thema nur noch Publik macht und alle anderen auch und das immer schlimmer denke ich das die Angst bekommen so langsam .

Und unsere Jugend hat doch sonst nichts mehr zu verlieren oder wird was Investiert in der Jugend ?
Freizeitstätten werden geschlossen / Sammelstellen zumindest wo man sich trifft werden verboten usw.
Wir sind ja die Jungen schlimmer aber man hat vergessen das Ihr auch Jung gewesen seit .

So ist es nun mal wenn Betrügereien usw. auffallen oder ist das verschwundene Geld vom Rathaus wieder aufgetaucht ?

Ich denke man sollte jetzt ein Zeichen setzen .

29.08.2009
11:11
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von joachim herwig | #8

ich wollte mich ja erstmal nicht mehr äussern, zumal unter meinen vollen namen, nachdem beim letzten mal irgendwie alles etwas aus dem ruder gelaufen ist (medien) und ich noch so manches nicht verstehe was alles abgelaufen ist (bin in behandlung) aber das ist mir schon ein anliegen.

insgesamt ist der beste schutz gegen bestimmte parteien eine hohe wahlbeteiligung. ich meine, da sollte man ansetzen. wie man das erreicht, auch gerade bei jugendlichen und auch das andere frustrierte jugendliche diese parteien nicht wählen ist die große frage. ich habe da keine antwort, da wäre eher die mitte der gesellschaft und auch die medien gefragt. man kann sich über politiker und gesellschaftliche tendenzen beklagen, man kann aber auch mal sich fragen warum manches sich so entwickelt, wie es sich entwickelt.

gruß
joe

p.s.: ich habe nicht so alles mitbekommen was passiert ist, aber wenn ich mich äussere, mache ich dies moderat, fragend und gegebenenfalls lösungs- und anregungsorientiert und auf jeden fall verfassungstreu. sollte jemand meinen namen missbrauchen bitte ich darum mir das zu melden. sollte ich wieder gesund werden, werde ich mich mal aktiver an manche sachen beteiligen. ich bin aber kein vorbild oder symbol für irgendetwas und schon garnicht für die medien!

29.08.2009
09:45
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von john_terenzi | #7

Wurden dann auch die Antifa-Graffiti entfernt ?

28.08.2009
23:52
Kratzen und knibbeln gegen Rechts
von murdo | #6

Aber Herr Thor,
was ist denn dagegen einzuwenden, wenn junge Menschen Ihre Stadt sauber halten?!?
Wo gegen richtet sich denn Ihr Kommentar?!?
Was ist daran lächerlich?

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