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Gesichter wie Masken - denn Bluffen ist alles

28.08.2008 | 18:58 Uhr

Zwei Asse auf der Hand und in Gedanken den Turniersieg schon in der Tasche. Seit Montag läuft die Westspiel Poker Tour im Casino Hohensyburg. Unser Mitarbeiter Tim Heisterkamp hat sich als Spieler unters Pokervolk gemischt. Mitgeblufft und ausgezockt.

Nur die Ruhe bewahren, nichts anmerken lassen. Show ist schließlich alles. Das gilt erst recht beim Pokerspielen - und hier ist ein Profi zu sehen. (Foto: Franz Luthe)

Gespielt wird Texas Hold'em - No Limit. Eine Variante, bei der jeder Spieler mit zwei Karten, die nur er kennt, und bis zu fünf Karten auf dem Tisch die beste Hand bilden muss. Man kann jederzeit alle Chips setzen und so auf die Mitspieler mächtig Druck ausüben.

Der erste, der mich in die Mangel nimmt, ist ein 200-Kilo-Mann aus Holland. Ich habe zwei Zehnen auf der Hand und auf 200 erhöht, er verdoppelt auf 400. Ich muss nachdenken. Noch liegen keine Karten auf dem Tisch - was könnte er haben? Ich gehe mit und lege 200 nach.

Der Flop folgt prompt. Die ersten drei gemeinsamen Karten liegen auf dem Tisch: Kreuz 7, Herz 9 und Pik 6. Ich bin dran und checke, setze nichts, warte, was mein Gegenüber macht. Der Pfundskerl checkt mit, die blonde Kartengeberin deckt die vierte Gemeinschaftskarte auf: puuuh, danke, eine 10.

Drei gleiche Karten

Ich habe drei gleiche Karten. Nicht schlecht, denke ich. Spiele mit 500 an. Der Starke wittert seine Chance und verdoppelt. Ich grüble. Hat er tatsächlich eine Acht und damit die Straße komplett, wäre er schon jetzt besser als ich?

Eine Antwort werde ich nie erhalten. Mir wird die Sache zu heiß. Ich folde - lege meine Karten weg und gebe auf. Der Holländer atmet tief durch. Hat er nun geblufft?

Das Spiel plätschert vor sich hin, ich ärgere mich über die verlorenen Chips und das Grinsen im Gesicht meines Gegenübers. Ein Pokerface sieht anders aus, denke ich, und dann wirft mir der junge Geber, er hat die schöne Blonde abgelöst, zwei Asse rüber. Die beste Starthand, die es gibt. Nur die Ruhe bewahren, nichts anmerken lassen. Show ist alles, auch beim Poker.

Drei von zehn Spielern bleiben dabei, mein Herz rast - und es kommt, wie es kommen muss: 10, Ass, 10. Wow, Full House, unglaublich! Der Pott gehört mir.

Mein Gegner wirft sofort 500 in die Mitte, ich denke lange nach - jedenfalls tu' ich so. Dann sage ich entschlossen: "All in", stehe auf und warte, dass mein Gegner überrascht einknickt. Pustekuchen, er callt, geht mit. Ist der wahnsinnig?

Zwei weitere Karten kommen: Kreuz 8 und Karo 10. Drei Zehnen auf dem Tisch, der wird doch nicht?! Er wird: Er zeigt seine 10. Ein Vierling. Mein Full House ist pulverisiert. Ich bin raus. "Gut gespielt", lobt der Holländer.

Mit meinem Mittelklassewägelchen fahre ich in die City. Der Traum vom Audi R8, dem Hauptpreis, ist geplatzt.

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