Gericht erlaubt Radeln auf Straßen
20.11.2010 | 13:00 Uhr 2010-11-20T13:00:00+0100
Dortmund.Ein aktuelles Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig entbindet Radfahrer in der Regel von der Pflicht, Radwege zu benutzen. Die Stadt Dortmund will entsprechend reagieren und durch neue Schilder sukzessive von verpflichtender auf freiwillige Benutzung der Radwege umstellen.
Das Gericht hatte bestätigt, dass Radfahrer im Regelfall auf der Straße fahren dürfen und Städte und Gemeinden nur im Ausnahmefall Radwege als benutzungspflichtig kennzeichnen dürfen.
„Wir werden die bestehenden Benutzungspflichten jetzt sukzessive überprüfen, kündigte gestern auf Anfrage der städtische Fahrradbeauftragte Rüdiger Hartmann an: „Ich kann mir sofort mehrere Straßen vorstellen, wo wir es Radfahrern freistellen, die Straße zu benutzen.“ Die Bornstraße und Derner Straße seien Beispiele, wo Radler auf dem Radweg gefährlicher unterwegs sind als auf der Straße, so Hartmann. Einfahrten von Baumärkten, rauf und runter an jeder Einmündung - das seien ungeeignete Radwege.
Mehr Eigenverantwortung
„Letztlich muss aber jeder Radfahrer für sich entscheiden, ob er die Hindernisse auf Radwegen in Kauf nimmt oder im Zweifel eng überholt werden möchte“, appelliert Hartmann an die Eigenverantwortung der Zweiradfahrer. Die Eigenverantwortung hatte der Vorsitzende Richter auch im Sinn, als er die Benutzungspflicht von „baulich ungeeigneten Radwegen“ aufhob.
Die Stadt werde zahlreiche Schilder austauschen. Das gebe den Radlern auf vielen Straßen in den Außenbezirken die Freiheit, bei viel Verkehr auf den Radweg auszuweichen und bei freier Strecke die Straße zu benutzen. Als Beispiel nannte Hartmann die Strünkede Straße in Mengede.
Andere Schilder
Allerdings werden sich Autofahrer an das keineswegs neue Schild: „Gehweg - Radfahrer frei“ gewöhnen müssen, das den Radlern die freie Wahl lässt. Hartmann kennt Fälle, in denen hupende Autofahrer - in Unkenntnis des Verkehrszeichens - ihn an der Schürener oder Benninghofer Straße auf den Bürgersteig zwingen wollten. Die Stadt Dortmund habe den Trend überdies erkannt und lege, wo möglich, Radwege als eigene Spur auf der Fahrbahn an.
Keine Knöllchen
Der Fahrradbeauftragte meinte, dass die Umsetzung des Urteils nicht von heute auf morgen erfolgen werde. Auch solle die Polizei gehört werden. Polizei-Sprecher Kim Ben Freigang erklärte auf Anfrage, dass sich das Urteil bei den Beamten schnell herumsprechen werde.
„Knöllchen“ werde es für Radfahrer, die auf der Straße fahren, nicht geben, aber im Einzelfall vielleicht eine „höfliche Empfehlung“, eventuell doch besser den Radweg zu benutzen.
16:41
@trucherchen: Nur weil das oft unterstellt wird, ist es noch lange nicht so, dass eine Mehrzahl der Radfahrer die StVO missachtet. Des weiteren muss man mal anfangen, die Menschen als Individuen zu sehen. Ich sage ja auch nicht, die Autofahrer nehmen sich Sonderrechte heraus, obwohl nicht wenige einzelne das tun. Es kann ja nicht sein, dass ich als Radfahrer erst dann vollwertiger Verkehrsteilnehmer bin, wenn *alle anderen* sich regelgerecht verhalten. Dieses Aufrechnen muss endlich aufhören.
16:31
Liebe Moderatoren, warum haben sie meinen Hinweis auf die dienstliche öffentlich zugängliche Mailadresse des Fahrradbeauftragten Rüdiger Hartmann entfernt? Dass diese bekannt wird und viele Radfahrer dort Eingaben machen, ist doch Sinn dieser Einrichtung, oder nicht?
http://www.tiefbauamt.dortmund.de/project/assets/template1.jsp?smi=12.0&tid=11606
11:33
Liebe Radfahrer,
das Urteil ist für uns Radfahrer wirklich ein Meilenstein. Nur sollten wir das auch würdigen, indem wir uns an die StVo halten, denn nur so haben wir eine Chance, von anderen Verkehrsteilnehmer ernst genommen und eventuell sogar akzeptiert zu werden.
Ich zitiere mal den §1 StVo:
§1 Grundregeln
Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer
geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar,
behindert oder belästigt wird.
Der gilt nicht nur für Andere, auch uns. Nur weil wir uns umwelt- und gesundheitsgerecht fortbewegen, haben wir noch lange keine Sonderrechte, auch nicht, wenn wir unser Geld damit verdienen (Briefverteiler, Kurierdienst usw.).
Ist nicht persönlich gemeint, Phil.
00:49
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23:23
Ich jobbe hier in Dortmund als Fahrradkurier. Als ich heute in die Zentrale kam, war dieser Artikel an die Wand gepinnt.
Ich bin erstaunt, wie sachlich dieser Artikel die Situation der Vielradler darstellt. Was das Thema Radwegebenutzungspflicht angeht, lese ich leider häufig schlecht recherchierte Artikel, die nicht selten sogar gegen Radfahrer hetzen. Dafür ein großes Lob!
Nun möchte ich Werbung für folgende Seite machen:
http://www.radmelder.de/
Radmelder ist eine Plattform, auf der man problematische Radwege markieren kann. Das ganze läuft über eine Benutzeroberfläche, wie man sie aus GoogleMaps kennt.
Ich werde auch in nächster Zeit die Radwege markieren, die mir auf meinen Fahrten immer wieder auffallen. Es wäre schön, wenn noch mehr Leute Radwege markieren würden. Denn so ist es auch eine Hilfe für die zuständigen Behörden, die problematischen Radwege ausfindig zu machen.
11:52
Es könnte noch dauern, aber allgemein ist mein Eindruck von DO und Umgebung ganz gut, wenn man mit anderen Städten, z. B. München, vergleicht.
21:11
Das wird ja auch endlich mal Zeit. 13 Jahre nach Änderung der StVO muss diese auch mal umgesetzt werden. Diese schreibt bereits seit 1997 vor, dass alle Radwege bei jeder(!) sich bietenden Gelegenheit geprüft werden müssen. In Dortmund ist das in vielen Fällen auch schon gemacht worden, sodass bei alten und schmalen Radwegen die Benutzungspflicht entfallen konnte.
Den §45(9) gibt es auch schon seit damals. Nachdem nun klar ist, dass dieser auch auf Radwegen anzuwenden ist, dürfte klar sein, dass eigentlich 99% aller Radwege von der Benutzungsflicht befreit werden müssen. D.h. die Radfahrer müssen die Wahl haben dürfen, ob sie auf der Fahrbahn oder einem daneben befindlichen Radweg fahren.
Damit müssen meiner Meinung nach praktisch alle Radwegschilder gegen das Schild Fussgänger mit Zusatzschild Radfahrer frei ausgetauscht werden. Ich bin gespannt, inwiefern das in den nächsten Monaten geschieht.
09:38
Wo Radwege gut wären gibt es keine. Innerorts finde ich Radwege nur dann sinnvoll, wenn schlaglochfrei, eigene Ampelanlagen usw. Da sieht Dortmund gegen andere Städte noch gut aus.
Eibnmal fuhr ich auf einer 4-spurigen Straße auf dem Gehweg, weil dort recht zügig gefahren wird (ist ja auch ok). Dann hielt mich son komisches grünes Auto an und der Herr meinte, ich sollte doch auf der Straße fahren. Dabei sagte ich ihm nur, dass er besser seinen Hintern einziehen solle.....3 Sekunden später fuhr ein LKW hupend an seiner Autotür vorbei, danach war der Herr auf einmal ganz ruhig.
16:33
Viele weitere Informationen zu diesem Thema gibt es hier: http://bernd.sluka.de/
16:10
@ Thomas 1,
danke für die Auskunft. Da haben Sie mir sehr geholfen.