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Gegen Nazis: "Bunt statt Braun"

19.04.2007 | 12:20 Uhr

Dortmund rüstet sich für den größten Neonazi-Aufmarsch der Nachkriegsgeschichte am 1. Mai: Stadt, DGB, Kirchen und Verbände rufen zum Protest auf. Der Anlass: Neonazis werden in Körne und Wambel demonstrieren und ein "braunes Volksfest" machen.

Am "Tag der Arbeit" gibt es ein Novum: Erstmals haben die so genannten freien Kameradschaften gemeinsam mit der NPD und niederländischen Faschisten zu einer Großkundgebung eingeladen. NPD-Chef Udo Voigt und Gallionsfiguren der Neonazi-Szene wie Christian Worch aus Hamburg und Sieggried "SS-Siggi" Borchardt aus Dortmund werden das Wort ergreifen. Sie werden mittags vom S-Bahnhof Körne-West über den Hellweg bis nach Wambel ziehen und am Mehrzweckplatz an der Pothecke ein "Volksfest" mit drei Szene-Bands und Gulaschkanone abhalten.

Dagegen regt sich vielfältiger Widerstand: Für 10 Uhr rufen OB Dr. Gerhard Langemeyer und der Dortmunder DGB-Vorsitzende Eberhard Weber zur zentralen Kundgebung der Demokraten am Platz der Alten Synagoge auf. "Wir wollen ein deutliches Zeichen gegen den Versuch von Rechtsextremisten setzen, ihre verfassungsfeindlichen, antidemokratischen und fremdenfeindlichen Thesen zu verbreiten."

Stadtteilprotest keine Konkurrenz zum DGB

Hauptredner wird der DGB-Bundesvorsitzende Michael Sommer sein. Getragen wird die Veranstaltung von Stadt, Gewerkschaften, Kirchen und dem Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus. Anschließend geht der Protest an verschiedenen Orten weiter. Der DGB ruft im Anschluss in den Westfalenpark auf, wo die traditionellen Feiern zum 1. Mai stattfinden werden. Dort laden ab 14 Uhr Jugendorganisationen zum "Rock gegen Rechts" ein.

Zeitgleich wird es Veranstaltungen in den vom Neonaziaufmarsch betroffenen Stadtteilen geben. Schon jetzt organisiert sich dort ein farbenfroher Widerstand: "Bunt statt braun" ist das Motto, welches Plakatwände ziert. Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule gestalteten gestern in Zusammenarbeit mit dem "balou" die ersten Wände. Die Bezirksvertretungen Innenstadt-Ost und Brackel haben 25 000 Flugblätter gedruckt, die an die Haushalte verteilt werden. Darauf informieren sie über die heimische Neonaziszene.

Auch am Tag wird es Proteste geben: "Wir verstehen uns nicht als Konkurrenzprogramm zum DGB", betont Bezirksvorsteher Karl-Heinz Czierpka. Daher wird er morgens auf der Zentralveranstaltung sprechen. Und DGB-Chef Eberhard Weber wird nachmittags während eines Freiluft-Protestgottesdienstes im Stadtteil reden. Der Veranstaltungsort ist allerdings noch offen. Das Bündnis gegen Rechts und die VVN mobilisieren zur zentralen Veranstaltung und bitten im Anschluss zu einer "Gedenkstättenspur" an Stolpersteinen und Denkmälern im Stadtteil.

Von Alexander Völkel

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