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Friseur aus der Nordstadt überwindet Schicksalsschlag

27.01.2012 | 12:00 Uhr
Friseur aus der Nordstadt überwindet Schicksalsschlag
Friseur Dirk Wolff ist ein Gesicht der Nordstadt. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Geld könnte er woanders mehr verdienen. Aber Geld ist nicht alles. Dirk Wolff ist Friseur, sein Salon ist an der Schützenstraße. Seit 16 Jahren ist er dort selbstständig.

Geld könnte er woanders mehr verdienen. Aber Geld ist nicht alles. Dirk Wolff ist Friseur , sein Salon ist an der Schützenstraße. Seit 16 Jahren ist er dort selbstständig. Einen eigenen Laden zu haben, war immer sein Ziel. Der Weg dahin: turbulent und spannend. Auch mal ernüchternd. Und einmal stand er komplett still. „Ich hatte großes Glück“, sagt Wolff.

Der 45-Jährige ist in der Nordstadt aufgewachsen. Als er zehn Jahre alt war, kauften seine Eltern das Haus an der Heroldstraße, in dem die Familie vorher zur Miete wohnte. In dem damals die Toilette auf dem Flur gewesen war, die Badewanne in der Küche. In diesem Haus wohnt Wolff heute wieder, zusammen mit seinem Vater, seiner Schwester, ihrem Mann und seiner englischen Bulldogge. Wolff ist der Nordstadt treu geblieben, obwohl er zunächst raus wollte, Neues kennenlernen wollte.

In vielen Salons frisiert

Den Beruf suchte sich der 45-Jährige nachdem er erst dem Gymnasium den Rücken gekehrt hatte und auf der Höheren Handelsschule im Anschluss auch nicht seine Erfüllung fand. „Drei Monate vor dem Abi brach ich ab“, erinnert er sich. Wolff wollte nicht im Büro arbeiten, er wollte Friseur werden. Bis heute ist er froh über seine Wahl. „Klar gibt es Tage, an denen ich keinen Bock habe zu arbeiten“, sagt er. „Doch wenn ich im Laden bin, ist das weg.“

Die Ausbildungsstelle war schnell gefunden – in einem großen Betrieb in der Innenstadt. Danach arbeitete er in einem kleinen Salon in Wellinghofen. „Ich wollte möglichst viel lernen“, sagt er. Im Dortmunder Süden bediente er ältere Damen, lernte Wasserwellen zu legen. Danach, in einem Kölner Top-Salon, standen modische Frisuren im Vordergrund. Mit 26 Jahren machte Wolff seinen Meister. Danach half er einer Kollegin, einen Laden in Iserlohn aufzubauen, ging im Anschluss nach Bochum, übernahm die Leitung einer eigenen Filiale.

Diagnose: Guillain-Barré-Syndrom

Und dann war erstmal Schluss. Mit 28 Jahren erkrankte Dirk Wolff schwer. Diagnose: Guillain-Barré-Syndrom, eine neurologische Krankheit. „Ich war von Kopf bis Fuß gelähmt.“ Zum Schlafen habe man ihm seine Augen zukleben müssen. Woher die Krankheit kam, weiß Wolff nicht. Fast ein Jahr war er außer Gefecht gesetzt, lag zwischendurch im künstlichen Koma. Irgendwann konnte er wieder sprechen, sich bewegen. Sein Glück: einzig eine Lähmung der linken Gesichtshälfte blieb übrig. Und eine andere Sicht auf das Leben.

„Ich habe keine Berührungsängste mehr, ich kann mich auch in einen Rollstuhlfahrer hineinversetzen“, sagt Wolff. Und: Die Zeit für Oberflächlichkeiten war vorbei, jeden Abend feiern zu gehen uninteressant. Stattdessen machte Wolff ernst: „Ich wollte mich endlich selbstständig machen.“ Mit 30 Jahren übernahm er den Laden an der Schützenstraße. Er stellte eine Gesellin ein, begann selbst auszubilden.

Leute sind hier locker

Jetzt gibt Wolff jungen Menschen eine Chance, die nicht sofort eine Ausbildung bekommen haben, die über einen Ausbildungsträger wie dobeq zu ihm geschickt werden. „Ich finde es toll zu sehen, wie sie sich entwickeln“, begeistert sich der 45-Jährige für seine Aufgabe. Ein junges türkisches Mädchen zum Beispiel, „das am Anfang völlig verschüchtert war, geht jetzt fröhlich auf die Menschen zu.“

Das liegt auch an den Kunden. „Es macht Spaß, hier zu arbeiten, weil die Leute super locker sind“, sagt der 45-Jährige. Er bekomme nicht nur für seine fachlichen Fähigkeiten Anerkennung, sondern auch als Mensch. Kunden, die Essen vorbeibringen, das sie selbst gekocht haben. „Das habe ich woanders nie erlebt“, sagt Wolff. Deshalb ist er in der Nordstadt geblieben. „Hier kann ich selbst locker bleiben“ – das ist wichtiger als Geld.

Christina Römer



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