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Fußball-Fans

Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik

08.06.2012 | 16:45 Uhr
25.000 Fans auf der Südtribüne im Dortmunder Stadion. Laut Fananwalt Tobias Westkamp sind Stadien sichere Orte. Foto: Stefan Reinke

Dortmund.   Pyrotechnik, Randale, Platzstürme – Polizeigewerkschafter fordern drastische Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball. Fananwalt Tobias Westkamp kennt auch die andere Seite und weiß, dass Fans im Alltag oft mit Schikane und Polizeigewalt konfrontiert werden.

Fußball-Fans haben zurzeit keinen guten Ruf. Pyrotechnik , Platzstürme und Randale haben für Schlagzeilen gesorgt. Auch in Dortmund gab es Ärger, nachdem Fans bei der Übergabe der Meisterschale an die Mannschaft den Platz gestürmt hatten. Der DFB lädt am 17. Juli sogar zum Sicherheitsgipfel , nachdem die Innenministerkonferenz das Thema "Fußball-Randale" ebenfalls auf der Tagesordnung hatte und sogar die Stehplätze infrage stellte .

Dass Fans jedoch auch unter Repressalien zu leiden haben, erfahren Rechtsanwälte wie der Kölner Tobias Westkamp. Der Anwalt, selbst Fan des 1. FC Köln, engagiert sich in der „Arbeitsgemeinschaft Fananwälte“ , die sich um die rechtliche Beratung von Fußball-Fans kümmert. DerWesten sprach mit Tobias Westkamp über Randale, Pyrotechnik, Strafen gegen Fans – und über die Probleme, mit denen Fußball-Fans beim Besuch von Auswärtsspielen konfrontiert werden.

Herr Westkamp, warum haben Fans in einem fußballbegeisterten Land wie Deutschland eigentlich keine Lobby?

Tobias Westkamp: Das liegt vielleicht in der Geschichte der Fußball-Fans. Inzwischen ist der Fußball ja in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich habe aber das Gefühl, dass sich viele zwar mit dem Event Fußball identifizieren, aber keinen Zugang zur Fankultur wollen, die immer noch etwas Anrüchiges an sich hat.

Rechtsanwalt Tobias Westkamp kümmert sich um rechtliche Hilfe für Fußball-Fans.

 Es gibt ja eine Unterscheidung in Fans und „so genannte Fans“ – wie gefällt Ihnen das?

Westkamp: Das ist absoluter Blödsinn. Den Ausdruck „so genannte Fans“ haben Vereine und Verbände geprägt, um sich von der Verantwortung frei zu machen. Ich habe noch niemanden kennen gelernt, der Straftaten im Zusammenhang mit Fußball begangen hat, der nicht ein hundertprozentiger Fan seines Vereins war. Ein Fan ist jemand, für den Fußball und die Liebe zum Verein ein gewichtiger Teil des Lebens sind.

Wie wird man Fananwalt?

Westkamp: Indem man Fan und Rechtsanwalt ist. Ich habe meine Jugend in der Fanszene des 1. FC Köln verbracht. Dann bin ich Strafverteidiger geworden und konnte so das Eine mit dem Anderen verbinden. Das ist bei den Kollegen, die sich in dem Bereich engagieren, ähnlich.

Hatten Sie denn als Fan schon die Probleme, die Fans auch heute haben?

Westkamp: Jeder, der seinen Verein regelmäßig zu Auswärtsspielen begleitet, ist sicherlich schon Zeuge von Konflikten zwischen Fans und Ordnern oder Polizei geworden. Als Jurist entwickelt man da ein spezielles Problembewusstsein.

Welche Probleme sind das?

Westkamp: Hauptsächlich werden Fans mit übereifrigen privaten Ordnungsdiensten konfrontiert, aber auch mit übereifrigen Polizisten. Die haben mitunter wenig Kenntnis und Verständnis für Fanszenen. Als Folge neigen sie dann mitunter zu Überreaktionen, wodurch auf Fanseite oftmals entsprechende Gegenreaktionen ausgelöst werden .

Liegt das aber nicht auch am Auftreten von beispielsweise Ultra-Gruppen, die sich stark gegenüber der Öffentlichkeit und dem Dialog mit der Polizei abschotten?

Westkamp: Selbstverständlich werden auch da Fehler gemacht, und selbstverständlich begehen auch Fußball-Fans Straftaten. Aber gerade das Problem mit der Abschottung der Ultras gegenüber anderen Fans war meiner Meinung nach vor zehn Jahren größer. Zumindest bei den großen Gruppierungen beispielsweise in Frankfurt, Stuttgart, Köln, Dortmund oder Gelsenkirchen. Die sind ja nur so groß, weil sie relativ offen sind.

  1. Seite 1: Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
    Seite 2: „Stadionverbote sind ein juristischer Taschenspielertrick“
    Seite 3: „Legale Verwendung von Pyrotechnik wäre grundsätzlich möglich“

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Kommentare
11.06.2012
12:12
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von randori20 | #7

Fürchterlich dieser Versuch einer Verharmlosung, durchsichtig die Interessen dieses "Fananwaltes". Hier zeigt sich leider wieder einmal, das die notwendigen Selbstheilungskräfte im Fußball nicht vorhanden sind und der Staat endlich hart durchgreifen muss.

1 Antwort
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von suedjuergen | #7-1

kann da nicht die anwaltskammer einschreiten und diesen typen aus dem verklehr ziehen? das ist kein rechtsanwalt sondern ein unrechtsanwalt!

10.06.2012
11:07
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von MANFREDM | #6

Hooligans = Verbrecher und Straftäter kommen zu Wort. Völlig überflüssig!

1 Antwort
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von suedjuergen | #6-1

pyros haben in deutschen fußballstadien nichts aber aucgh gar nichts zu suchen.
leibesvisitationen bis zum abwinken. oder alle nur noch nackt ins stadion. wer erwischt wird 10 jahre knast oder zur aburteilung nach saudi arabien wg. handabhacken

09.06.2012
21:01
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von Lappschmier | #5

Typisch Anwalt: Die Aussage zur Pyrotechnik ist so schwammig, mit der gleichen Argumentation könnte man auch Vuvuzelas als festen Bestandteil der Fankultur sehen ..

1 Antwort
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von GrafEngelbert | #5-1

der südafrikanischen sicher...

09.06.2012
15:26
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von bvb.fans.unna | #4

England ist leider als positives Bsp. zu nennen, wenn es um die Frage geht, ob die Abschaffung von Stehplätzen etwas bewirken würde. Dortmund ohne die Süd, unvorstellbar!

1 Antwort
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von GrafEngelbert | #4-1

In England darf man in Premierleague-Stadien nicht mal mehr Zigaretten rauchen. Der Versitzplatzung wurde auch nicht wegen igendwelcher Randalierer oder Pyrotechniker durchgeführt, sondern weil bei der Massenpanik von Sheffield dutzende Menschen zu Tode getrampelt wurden.

09.06.2012
02:22
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von scaptcha | #3

Was hier in Deutschland passiert ist doch vergleichsweise harmlos. A in vergleich zu anderen Länder, und B in vergleich zum Deutschland der 80er Jahre. Sicherlich gibt es Vereine, wo es eine radikale und gewaltbereite Fanbasis gibt, aber z.B. in Dortmund kann jede Familie sicher ein Fußballspiel besuchen. Es sei denn, Vereine wie Dynamo sind zu gast. Bei solchen Vereinen muss man ansetzen. Bengalos und Platzstürme (AUS FREUDE) sind doch harmlos im Vergleich zu dem, was früher die Borussenfront angestellt hat. Diese Zeiten sind vorbei. Die ganze Diskussion wird doch rein populistisch geführt und dürfte sich eigentlich nur auf Vereine wie Hansa, Dynamo, Pauli usw. beziehen.

1 Antwort
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von SGD71 | #3-1

ich finde den Beitrag richtig gut. Man sollte aber jetzt nicht wie von scaptcha3 angesprochen alles auf nur ein paar wenige Vereine zu beschrenken. Alle Vereine der 1. bis zur unteren Ligen haben da die gleichen Probleme.Es ist ein Gesamt Gesellschaftliches Problem. Ich bin selber Dynamofan seit ich Denken kann. Ausschreitungen in Dresden gab es schon über 11 Jahren nicht mehr. Wir haben auch nur das problem der Pyro. Was in Do passiert ist waren nicht nur Dresdner Anhänger, das sollte auch mal bedacht werden ohne aber das herunter zu Spielen.

08.06.2012
17:55
Fananwalt bezeichnet Fußballstadien als sicherste Orte der Republik
von Burkinho09 | #2

Wer glaubt, dass man bestehende Probleme mit der Keule bekämpfen könnte, wie so mancher Politiker das zuletzt populistisch forderte, wird nur noch mehr Widerstand ernten und gar nichts erreichen. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation aller Beteiligten miteinander und dabei von allen Seiten einen Dialog ohne Vorbehalte zu führen.

Im Gegensatz zu den Berichten, die zuletzt nicht nur bei derwesten veröffentlicht wurden, macht dieses Interview klar, wie wichtig es ist zu differenzieren und nicht alles und jeden in einen Topf zu schmeißen.

08.06.2012
17:29
Wow!
von Kringel | #1

Tolles Interview. Schön, dass die WAZ endlich auch mal die andere Seite zu Wort kommen lässt.

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