Das aktuelle Wetter Dortmund 7°C
Gute Arbeit?

„Es kracht an allen Enden“

04.06.2012 | 18:00 Uhr
„Es kracht an allen Enden“
Foto: WR Dortmund/Knut Vahlensieck

Dortmund.  Gute Arbeit? Wie sieht es tatsächlich aus mit den Arbeitsbedingungen für junge Beschäftigte? Der DGB hat die Arbeits- und Einkommenszufriedenheit erfragt.

Gute Arbeit? Wie sieht es tatsächlich aus mit den Arbeitsbedingungen für junge Beschäftigte? Mit Lohn, Überstunden, Arbeitsdruck? Jutta Reiter, Vorsitzende der DGB-Region Dortmund-Hellweg stellte gestern das Ergebnis einer bundesweiten Repräsentativerhebung zur Arbeits- und Einkommenszufriedenheit vor. Ihr Fazit: „Es kracht an allen Enden und nichts passiert. Stattdessen wird so getan, als sei das der Flexibilität geschuldet“.

Viel Arbeit, wenig Freude

Nackte Dortmunder Zahlen zu Beginn: „Wir haben in dieser Stadt 16.000 Langzeitarbeitslose, das ist kein Grund zum Jubeln“, sagt Jutta Reiter. 3548 junge Menschen unter 20 Jahren hätten keine Arbeit. Und die sogenannten Abgänge aus der Arbeitslosigkeit , kritisiert Reiter die Statistiken, seien im Schnitt nach 4,2 Monaten eben wieder genau dort. „Wir rotieren eigentlich nur“. Dazu wächst die Zeitarbeit: „In NRW gibt es 190.000 Menschen in Leiharbeit, dreimal so viele wie zu Beginn des Jahrtausends“.

Dass Arbeit inzwischen wenig Spaß macht, dass sie gerade jüngeren Menschen kaum genügend Geld einbringt? „Je jünger die Leute sind, desto stärker sind sie prekär beschäftigt“. Und desto weniger verdienen sie: Die Hälfte der befragten unter 35-Jährigen hat am Monatsende weniger als 1500 Euro brutto auf dem Gehaltszettel oder ist befristet beschäftigt (21 Prozent in Zeitarbeit, 7 % in Minijobs). Beispiel Cinestar: „Die verdienen weniger, als eine große Tüte Popcorn kostet“.

„Arbeit ist aber scheinbar da“

Die Beschäftigungsformen, wertet Reiter die Ergebnisse aus, variieren je nach Branche. Der Öffentliche Dienst beispielsweise sei kein Ruhmesblatt – hier sind 39 Prozent befristet beschäftigt, werden „keine langfristigen Stellen geschaffen“. In fast allen anderen Branchen liege der Anteil befristeter Beschäftigung zwischen 18 und 21 Prozent.

„Arbeit ist aber scheinbar da“, so Reiter weiter. Denn trotz vertraglich vereinbarter Arbeitszeiten von 40 Stunden und mehr machen 70 Prozent darüber hinaus regelmäßig Überstunden (41 % mehr als fünf Überstunden pro Woche, 19 % mehr als zehn).

Was macht Arbeit mit Menschen? Auch mit jungen Menschen? Die Hälfte leidet unter Zeitdruck und Arbeitshetze – übrigens unabhängig von der Position. 48 Prozent sind Lärm ausgesetzt. Und, das ist kein Widerspruch: Viele junge Beschäftigte leiden unter Monotonie. Immerhin zwei Drittel klagen darüber, immer das Gleiche tun zu müssen. Diese Form der Unterforderung nennt sich heutzutage „Bore-out“. 62 Prozent sagen, sie können mehr, als von ihnen verlangt wird – „und das sind alle prekär Beschäftigten“.

Anja Schröder



Kommentare
04.06.2012
23:12
„Es kracht an allen Enden“
von Oemes | #2

Deutschland ist ein Niedriglohnland und das wird sich irgendwann gewaltig rächen.

04.06.2012
20:34
„Es kracht an allen Enden“
von xxyz | #1

Gibt es die Original-Daten der STudie irgendwo?

In anderen Berichten werden andere Daten veröffentlicht, die nicht direkt nach "No future" klingen.

Als Leser gehe ich davon aus, dass hier Vollzeitarbeitsplätze (35 h Woche) vergleichen werden. Ebenso würde das Jahreseinkommen helfen, da es ja häufig Sonderzahlungen gibt.,

Aus dem Ressort
Darum bringt Dortmunds modernste Blitze keine Einnahmen
Verkehr
Sie ist Dortmunds modernste Blitzanlage: Die Überwachungskamera an der Brackeler Straße. Dummerweise verursacht sie auch die meisten Kopfschmerzen in der Stadtverwaltung. Denn noch hat die Anlage keinen einzigen Cent in die leere Stadtkasse gespült. Die Anlage kann Pkw nicht von Lkw unterscheiden.
LKW kracht in Oberleitungsmast - U47 fährt eingeschränkt
Ersatzverkehr
Die U-Bahnlinie 47 fährt am Montagmorgen nur eingeschränkt. Weil ein Sattelzug gegen einen Oberleitungsmast geprallt ist, kann die Bahn nicht verkehren. Die Probleme sollen laut DSW21 noch länger andauern.
Darum bringt Dortmunds modernste Blitze (noch) keine Einnahmen
Fragen und Antworten
Sie ist Dortmunds modernste Blitzanlage: Die Überwachungskamera an der Brackeler Straße. Dummerweise verursacht sie auch die meisten Kopfschmerzen in der Stadtverwaltung. Wir erklären, was mit der Anlage nicht stimmt.
Dortmunds erste Notebook-Klasse soll Pionierarbeit leisten
Schule
Im Unterricht an deutschen Schulen finden Computer so gut wie nicht statt. An einer Dortmunder Schule gibt es seit Beginn des Schuljahres die stadtweit einzige Notebook-Klasse. Nach und nach sollen die Rechner fest in den Unterricht integriert werden. Eine Nachbarstadt ist da schon viel weiter.
Watzke redet BVB-Spielern ins Gewissen - Reus fällt aus
Borussia Dortmund
Die Vorzeichen waren vor einer Mitgliederversammlung des BVB schon einmal besser. Finanziell steht der BVB gut da, sportlich miserabel. Hans-Joachim Watzke redete der Mannschaft eindringlich ins Gewissen und nahm die Spieler in die Verantwortung. Auf Marco Reus muss der BVB aber lange verzichten.
Fotos und Videos
Kinder zeigen Musical über Müll
Bildgalerie
Fotostrecke
Das Leben im kleinen Horrorhaus
Bildgalerie
Fotostrecke
Mensch stirbt bei Feuer in Marten
Bildgalerie
Fotostrecke
Neues Wohnen im Denkmal
Bildgalerie
Fotostrecke