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PCB-Skandal

Envio importierte Gift aus der ganzen Welt

29.11.2010 | 17:50 Uhr
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
Envio-Chef Dr. Dirk Neupert wirft NRW -Umweltminister Johannes Remmel „Rufmord“ vor. Foto: Franz Luthe

Dortmund.Die Skandalfirma Envio hat seit 2006 systematisch aus der ganzen Welt tausende Tonnen des hochgiftigen PCB nach Dortmund geholt, obwohl die Anlagen dort nicht zur fachmännischen Entsorgung geeignet waren und teilweise ohne Genehmigung betrieben wurden.

Nach Recherchen der Westfälischen Rundschau (WR) war der aufsichtführenden Behörde in Arnsberg der Umstand, dass Envio trotz nicht geeigneter Anlagen hochgiftiges PCB tonnenweise aus der ganzen Welt nach Dortmund orderte, weitgehend bekannt. Spätestens ab August 2008 hätte die Bezirksregierung die Giftmülltransporte verhindern können.

Info
Ware aus Kasachstan

Der Umfang der Gift-Importe aus Kasachstan beschäftigt jetzt die Bezirksregierung. Wie berichtet, erscheint der Verbleib von mehr als 200 Tonnen PCB-verseuchter Kondensatoren unklar. Im Dortmunder Umweltausschuss konnte der zuständige Arnsberger Hauptdezernent Joachim Schmied nicht sagen, ob Lieferungen an der Behörde vorbeigegangen sind – und wo die vermisste Giftfracht geblieben sein könnte.

Damals informierte die Thüringer Landesumweltverwaltung die Arnsberger darüber, dass die Envio-Anlagen nicht geeignet seien, das als krebserregend geltende PCB aus elektronischem Schrott entsprechend der europaweiten Verordnungen zu entsorgen. Envio hatte versucht, in Thüringen Trafos und Kondensatoren über eine ehemalige Firma aus dem Trienekens-Umfeld zu sammeln und dann nach Dortmund zu bringen, um dort Kupfer und andere Wertmetalle aus dem Schrott zu lösen und weiter zu verkaufen. Die Thüringer Landesumweltverwaltung hatte dazu die Dortmunder Anlage geprüft und als mangelhaft bewertet. Obwohl die Arnsberger Verwaltung informiert wurde, gingen die Gifttransporte nach Dortmund weiter – in großem Stil. Unterlagen belegen, dass PCB-verseuchter Elektroschrott aus Rumänien, Bulgarien, Mexiko, Montenegro, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Luxemburg, Griechenland, Frankreich und etlichen anderen Ländern herangekarrt wurde. Besonders auffällig: die Transporte aus Kasachstan. Anscheinend war hier kein Weg zu kostspielig, um das Gift um die halbe Welt aus Zentralasien nach Dortmund zu bringen.

Warnung verhallte

Die Thüringer Warnung verhallte bei den Importen nahezu vollständig. Der größte Teil der Lieferungen wurde erst nach August 2008 bis zur zwangsweisen Schließung der Envio-Anlage durchgezogen. Alleine aus Frankreich kamen über 550 Tonnen verseuchtes Material, das mit dazu beitrug, die Envio-Arbeiter zu verseuchen. Aus Luxemburg kamen gut 185 Tonnen, aus Mazedonien 85 Tonnen. Das Geschäft war lukrativ: In der Hochphase der Rohstoffspekulation im Jahr 2008 brachte eine Tonne Kupfer aus Elektroschrott an den Börsen bis zu 6000 Euro. Dazu gab es Geld für die Entsorgung des Giftes.

Um diese einträgliche Lage abzusichern, bemühte sich Envio-Chef Dr. Dirk Neupert ständig um politische Rückendeckung. Dabei kam ihm besonders zu Gute, dass sein Giftunternehmen im Wahlkampfjahr 2009 vom Oberaufseher der NRW-Umweltbehörden, dem damaligen Umweltminister und heutigen Landtagspräsidenten Eckhard Uhlenberg (CDU), mit dem Ökoprofit-Preis ausgezeichnet wurde. Die Urkunde selbst hatte der Chef der örtlichen Umweltbehörden, der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD), unterzeichnet.

Bis heute versucht der Envio-Boss, die Politik für sich einzunehmen. Der WR liegt ein Schreiben Neuperts an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor, in dem er diesen bittet, „die Verantwortung für die weitere Behandlung des Falles Envio“ zu übernehmen. Die Angelegenheit sollte „nicht länger durch die Bezirksregierung Arnsberg und das NRW-Umweltministerium betreut werden“, fordert Neupert und beschwert sich vor allem über NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Der übe „starken Druck auf die Bezirksregierung Arnsberg zur Bekämpfung von Envio“ aus. Neupert spricht von einer „Rufmordkampagne“.

Klaus Brandt

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Kommentare
30.11.2010
19:41
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von ralphg2004 | #13

Das erklärt auch warum der BVB gerade so erfolgreich ist...

30.11.2010
19:32
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von abcsagt | #12

Und jetzt verpi§§en sie sich nach Hamburg und machen dort weiter.
Das ist Envio.

30.11.2010
19:32
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von blödelbarde | #11

Verbrecher überall wo man hinschaut!
Also schauen wir am besten weg!

30.11.2010
18:51
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von fassungslos | #10

Es ist albern, bei jeglichen Skandalen auf die Parteibücher zu schielen. Letztendlich hat jede Partei ihre Lumpen und ab und zu kommt mal einer daher, der aufräumen möchte-und das ist auch gut so!

30.11.2010
16:15
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von Der Ossi | #9

Ich mag ja die Schwazseher-Fraktionen hier, so langsam zerfleischen die sogar die Linken, bloß weil die sich auch von der Macht korrumpieren lassen, wie alle anderen auch. Mein Vorschlag wäre es, nicht ständig zu lamentieren, sondern es besser zu machen oder zumindest einen geeigneten Vorschlag zu machen.

Ganz traurig ist, daß wieder einmal eine Politikrichtung, die eigentlich für unsere weitere Entwicklung zukunftsweisend ist, durch ihr eigenes Verhalten zu nah an den Wirtschaftslenkern dieser Nation mal wieder aufgedeckt wird, indem einer jener Lenker sich nachdem Politikwechsel gern unter den warmen Mantel des Bundesumweltministers begeben möchte, weil der böse grüne Fundo nicht mehr lieb Freund mit ihm sein möchte. Hoffentlich kann der Bundesumweltminister da noch wiederstehen...

30.11.2010
13:45
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von Freiheit-die-ich-meine | #8

Ist doch gar nichts Besonderes, was ENVIO da gemacht hat. Wer erinnert sich nicht an die Müllzüge, die aus Neapel nach Essen in die Müllverbrennungsanlage gefahren sind? Und jetzt erklär mir einer noch, dass diese Anlage die im Verbrennungsprozess entstehenden Dioxine und Furane fachgerecht beseitigt. Die DAGEGEN-Partei will einfach nur davon davon ablenken, dass sie diese Transpoerte nicht nur toleriert sondern gefördert hat. Die GRÜNEN haben ebenso Dreck am Stecken, ok, da war das Frau Höhn, die Realo-Frau, und nicht ein Öko-Fundi namens Remmel.
.
Das Revier ist nunmal der Müllhaufen der Republik. Schade, dass Kohleflöze nicht strahlungsdicht sind. Dann würde man den Atom-Müll dorthin verbringen. War übrigens Ende der 1970er Jahre ein Vorschlag, den Müll zu verglasen (die Glashütten in Gelsenkrichen und Witten hatten damals freie Kapazitäten, und die Klas-Kokillen dann im Pütt zu versenken. Das Oberbergamt hat dann abgewunken, weil die Flöze und Strecken längst zusammengeknackt waren, was die Hausbesitzer über Tage schön gemerkt haben.

30.11.2010
13:38
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von dusky | #7

Envio wurde mit dem Ökoprofit-Preis ausgezeichnet

Zitat ÖKOPROFIT:
ÖKOPROFIT trägt dazu bei, die Umwelt zu entlasten und Kosten für Unternehmen zu senken

Mit dem ersten Teil hat es Envio wohl nicht so ernst genommen...

30.11.2010
12:45
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von vaikl | #6

@ #5

Die Staatsanwaltschaft kann jetzt in wenigen Monaten nicht alles auseinander dröseln, was die Politik in Jahrzehnten gef.ckt eingeschädelt hat. Der Industrie-Protektionismus in NRW war und ist die treibende politische Konstante, die auch im kleinen Fall Envio Transparenz und Aufklärung zu verhindern sucht.

Der schleimige Hilferuf Neuperts nach Berlin ist allerdings nur ein Anfang. Da kommt - nicht nachlassender öffentlicher Druck vorausgesetzt - noch so einiges aus seinem Nähkästchen nach.

30.11.2010
12:27
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von Walter Sparbier | #5

Offensichtlich ist die zuständige Staatsanwaltschaft mit dem Fall schwer überfordert.
Die ganze Thematik zeigt wieder eindrucksvoll, wie verwoben Wirtschaft, Politik und Jurisdiktion gemeinsame Sache zum Schaden der Bevölkerung machen.

30.11.2010
12:24
Envio importierte Gift aus der ganzen Welt
von Eisbergspitze | #4

UMWELTVERSCHMUTZUNGSPREIS sollte es wohl sein.

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