Eine Pixelboxx voller Überraschungen
22.12.2009 | 18:32 Uhr 2009-12-22T18:32:00+0100Es gab Zeiten, da konnte man noch alle wichtigen Daten im Kopf mit sich herumschleppen - vom Geburtstag der Kinder bis zum Dreißigjährigen Krieg. Da waren Daten noch Gelerntes.
Mit der Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung fluten allerdings Texte, Bilder, Fotos, Dateien, Videos, Statistiken das Hirn in einer nicht mehr zu verarbeitenden Menge. Die Welt ist der Markt dafür - und einen Kompass dafür hat das Dortmunder Unternehmen Pixelboxx entwickelt.
Mit Datenverwaltung hat sich Geschäftsführer Kai Strieder bereits 1996 beschäftigt, Zuerst mit Bilddateien. Einen Prototypen seiner Software setzte der Spiegel bereits damals ein. Der Verlag hatte frühzeitig erkannt, dass Digitalbilder die Arbeit revolutionieren würden. Die Fotoagentur „Images.de” kam hinzu.
„Deren Fotografen haben sich nur einmal im Jahr zur Weihnachtsfeier getroffen”, sagt Strieder, „die gesamte Arbeit ging schon damals nur über digitales Material und übers Internet”.
Strieder war Bildredakteur, er studierte Informatik. Einen Abschluss aber verhinderte das Geschäft, weil er das Unternehmen gründete. Als der Neue Markt Anfang der 2000er-Jahre ins Straucheln geriet, litt auch Pixelboxx. „Wir mussten überlegen, wie es weitergeht”, so Dagmar Kröplin. Die Diplom-Betriebswirtin, zuständig für Marketing und Vertrieb, war inzwischen als Geschäftsführerin mit eingestiegen. Es ging um eine breitere Aufstellung, um weniger Abhängigkeit. „Uns kam die Idee, die Software für die Industrie weiterzuentwickeln. Dort gibt es viel Bildmaterial und Text, dort will man Werbung, Broschüren produzieren. Dann kommt die Bildrechteverwertung dazu, welche Lizenzen braucht man für welche Länder.” Und, und, und . . .
Das Modell setzte sich durch. Inzwischen zählen 1-Mann-Agenturen ebenso zum etwa 200 Adressen fassenden Kundenkreis, wie mittelständische und große Unternehmen. Lysell-Fischfeinkost und Storck-Riesen gehören ebenso dazu wie Aral, Miele, Media-Markt. Beim Landeskriminalamt Bayern umfasst das Händeln von digitalen Tatort- und Fahndungsbildern nebst Informationen 18 Millionen Einträge. Lückenlose Spurensicherung, zugeordnet zu Fällen und Aktenzeichen.
Erfolgreicher als ein Zehnkämpfer
Mit 35 Mitarbeitern erwirtschaftet die Pixelboxx 2009 zwei Millionen Euro. Fünf Mitarbeiter sollen das Team noch verstärken. Bei Pixelboxx setzt man auf Zusammenarbeit mit Partnern. „Wir tauschen Know how aus”, so Strieder. Es gebe Firmen, die böten Lösungen aus einer Hand an. „Aber das ist wie bei einem Zehnkämpfer, der alle Disziplinen kann - aber nichts perfekt”, vergleicht Strieder, „wir treten mit zehn Kämpfern an, zehn Spezialisten”. Im Zusammenführen der Disziplinen liege die große Kunst. Und darin, trotz des Wissentransfers vorne zu bleiben.
Übrigens: Wer sich eine kleine Bildergalerie aufbauen möchte, kann das mit IPTC-Writer machen. „Die Software bieten wir kostenlos im Internet an.”
22:21
Schöner Artikel über ein Team, das ich persönlich sehr schätze. Hier weht noch der alte Erfindergeist durch die Räume und Köpfe der Mitarbeiter. Die Pixelboxx selber lässt sich wie ein Chamäleon in jeder beliebigen Firmen-Umgebung einbauen.