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Ruhrgebiets-Sprache

Dortmunderisch — schönste Sprache wo gibbt, wonnich?

06.02.2013 | 17:27 Uhr
Dortmunderisch — schönste Sprache wo gibbt, wonnich?
Dortmunderisch — Screenshot der Facebook-Seite.

Dortmund.   Wer hat nicht früher im Schrebergarten hinterm Busch gesessen, um den Oppas beim "komisch Sprechen" zuzuhören? Die Macher von "Dortmunderisch" haben das ganz sicher getan — und beglücken 20.000 Facebook-Fans tagtäglich mit einem Quäntchen Heimat-Sprache . Aber warum ist die Seite so erfolgreich?

Donnerstag ist Feiertag für alle Freunde der Ruhrgebiets-Sprache. Genauer: für alle Dortmunder. Die Macher der Facebook-Seite "Dortmunderisch" haben den "Welt-Wonnich-Tag" ausgerufen — und fast 20.000 Facebook-Fans machen mit. Also nicht wundern, wenn einen Tag lang jeder Satz ein kleines bisschen wonnich ist, wonnich?

Aber wer zum Teufel denkt sich sowas aus? Zwei leidenschaftliche Dortmunder eben. Zwei, die schon als Jungs hinterm Schrebergarten-Busch gesessen und die Sprache ihrer Oppas imitiert haben. "Uns ist irgendwann aufgefallen, dass unsere Sprache hier sehr besonders und wertvoll ist", erinnert sich Moritz Bergmann (35), einer der beiden Dortmunderischen neben Christian Tacke (35). "In den letzten Jahren ist in Dortmund so viel verschwunden — und um den Kulturschatz Sprache, der einfach auf der Straße lag, hat sich auch niemand gekümmert. Obwohl das eine der extremen Stärken der Stadt und der Menschen ist."

Facebook-Seite verbindet Modernes mit Tradition

Also musste eine Plattform her. Gegen das Vergessen. Gegen das Verdrängen durch herzloses Hochdeutsch. In Facebook fanden die beiden eine Plattform, die Bergmann reizvoll findet: "Die Kombination aus Facebook, dem Modernen, und Dortmunderisch, dem Traditionellen, ist toll", meint er.

Eigentlich sollte die Seite nur ein Forum für ein paar Freunde werden. Inzwischen sind es 18.506 Fans (Stand: 6. Februar 2013, 17 Uhr). Tendenz steigend. Sogar Dortmunderisch-Produkte gibt's seit einpaar Monaten n einem eigenen Webshop — von der "Muttan ihr Tässken"-Tasse bis zum "Ich geh nomma ebent nachem Konsumm"-Stoffbeutel. Das einfache Ziel: Sich die Dinge ins Gedächtnis rufen. Sich daran erinnern, welche schönen Wörter es n Dortmund gibt.

Facebook-Fans aus dem Ausland bedanken sich

Mit soviel Zuspruch hatten Bergmann und Tacke gar nicht gerechnet. "Aber das ist ja das Schöne: Wenn man Dinge gerne und mit Leidenschaft macht, geht alles ganz leicht." Besonders schön seien die Reaktionen von Fans aus dem Ausland. "Wenn die auf unsere Seite gucken, fühlen sie sich sofort zuhause und bedanken sich dafür bei uns", meint Bergmann. Zuhause in Dortmund — ein schönes Gefühl.

Der Dortmunder könne stolz auf das sein, was er hat — vor allem auf seine Sprache. "Aber das ist erst in den letzten Jahren wieder ins Bewusstsein gekommen", meint Bergmann. Dann aber richtig: Bei all den Veränderungen, die es in der Stadt gab, werde jetzt das Alte wieder hervorgeholt. Das Traditionelle, zu dem jeder etwas beisteuern kann. Mit dem jeder ein Gefühl verbindet. In Nostalgie schwelgen und dabei Riesenspaß haben — das macht den Reiz der Facebook-Seite aus. "Ich bin immer wieder fasziniert, das aus Dortmunderisch eine Gemeinschaft geworden ist."

So überraschen und kreativ wie die Sprache selbst

Und wie kommt man auf so viel Quatsch? Auf Aktionen wie den Wonnich-Tag und Posts, die vor skurrilem Sprachwitz sprühen? "So überraschend die Sprache ist, so kreativ wollen wir auch sein." Kein Wunder: Bergmann ist hauptberuflich Werbetexter. Probleme mit kreativen Ideen hat er also nicht. Und jemandem, der diese Stadt und ihre Sprache liebt, fällt es nochmal doppelt so leicht.

Übrigens: Auch Nicht-Dortmunder können Dortmunderisch, meint Bergmann. Und wer es noch nicht kann: Bald soll es im Shop auch dafür ein passendes Angebot geben, wonnich?

Katrin Figge


Kommentare
08.02.2013
08:58
Witzig...
von jalou | #11

...finde ich, wie hier ernsthaft über unser "Dortmunderisch" diskutiert wird. Sie ist ein Teil der Ruhrgebietssprache, eine Mischpoke der vielen zugereisten Sprachen. Nuancen gibt es da sicher zwischen Schalkerisch, Hernerisch, Bochumerisch, etc., aber eines gibt es nicht: eine feste Regel. Wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist und wenn hier über Phonetik oder Dialektologie geschrieben wird, dann kann ich der Person nur empfehlen den Kopf aus den Büchern zu nehmen und auf die Straße zu gehen und hinzuhören. Fettich, wonnich...
P.S. Mudda hol die Kind rein, is am Regen dranne...

07.02.2013
21:21
Für mehr Dortmund — Heute ist Welt-Wonnich-Tag
von Karlot | #10

@W.B.ausBo

Es gibt kein "Ruhrpottdeutsch". In Dortmund spricht man schlechtes westfälisches Hochdeusch, in Duisburg schlechtes niederrheinisches Hochdeutsch.

Ruhrpott ist eine Erfindung der Nachkriegszeit.

Früher hieß es "Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet" und wenn aus dem Osten Menschen in diese Gegend auswanderten, sprachen sie damals vom Rheinland oder von Westfalen.

07.02.2013
15:59
Für mehr Dortmund — Heute ist Welt-Wonnich-Tag
von dschidschi5 | #9

Na - darauf muss man erst mal kommen - ungebildetes Gefasel als eigene "Sprache" zu stilisieren.
Als ich klein war, war diese Art zu sprechen einfach nur "falsches" Deutsch und meine Eltern haben ihr Bestes getan, damit wir das nicht übernehmen.
Sie wollten nicht, dass wir uns als ungebildete Unterschicht präsentieren.
Und heute sind Leute stolz auf "Ich geh nomma ebent nachem Konsumm" - - verkehrte Welt. In diesem Satz ist übrigens nicht ein "schönes" Wort zu finden, aber Geschmack bleibt ja eine sehr persönliche Sache.

1 Antwort
@dschidschi5
von mellow | #9-1

Hömma: Du hast doch keine Ahnung.
Ich hab meiner Süßen, die nicht aus dem Pott stammt, eine Postkarte gekauft. Erst hat sie eine ganze Weile gerätselt, und jetzt liebt sie Karte und sie hängt für immer über ihrem Spiegel. Drauf steht: SAMMASOMMANOMMA?
Nur ein Rüpel sieht darin keine Poesie.

07.02.2013
14:46
Für mehr Dortmund — Heute ist Welt-Wonnich-Tag
von W.B.ausBo | #8

Mir wollte mal einer erzählen,die Dortmunder sagen nach jedem Satz:Woll?Hab mir auch gedachtEin Irrer !Und Ausserdem gibt es kein Dortmunderisch Hier ist Ruhrpottdeutsch und sonst nix!!

07.02.2013
09:43
Für mehr Dortmund - Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von andree.kowalsky | #7

...ich will ja getz nix sagen,ne-abba dat Ruhrgebiet geht für mich von Duisburch bis Henne,danach kommen doch schon die "woll´s",woll???also Sauerländer...
Nicht ganz so Bierernst gemeint...Ich bin ja schon froh,wenn jemand noch-wie sacht man so schön-"Ruhrdeutsch" spricht

07.02.2013
09:18
Für mehr Dortmund - Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von Eduard79 | #6

"...und um den Kulturschatz Sprache, der einfach der Straße lag"

Die Fehlerkorrektur der Redaktion liegt wohl gerade auch einfach mal "der Straße"...es gruselt mich. Ihr müsst nicht so schnell tippen, dass ihr Wörter vergesst.

2 Antworten
Für mehr Dortmund — Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von kafi | #6-1

So isses, lieber Eduard. Aber weil Korrigieren genauso schnell geht, ist der Fehler (und ein weiterer) auch schon weg. Vielen Dank also für die Anmerkung!

@kafi | #6-1
von vaikl2 | #6-2

Den: "So überraschen und kreativ wie die Sprache selbst" ham wa abba widda übbasehn, woll, Frau Figge???

07.02.2013
08:24
Für mehr Dortmund - Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von buntspecht2 | #5

Diese wonnich Sprache oder Ruhrgebiets deutsch ist immer noch besser als dieses Denglische Zeugs.

07.02.2013
07:32
Für mehr Dortmund - Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von Karlot | #4

Meinen die Westfaelisch?

07.02.2013
06:41
Ruhrgebietsdeutsch finde ich widerlich!
von cui.bono | #3

aber trotzdem denke ich, dass man "ebend" mit "d" schreibt und nicht mit "t". das kommt nämlich von Schweinenackend! :-)

"Im Supermarkt an der Fleischtheke in Essen-Altendorf:
Kundin:Haben Sie Schweinenackend?
Verkäuferin: Sie meinen wohl Schweinenacken?
Kundin: Ebend!"

Ich weiß, unglaublich witzig, ein Ruhrgebietswitz ebend!

07.02.2013
06:36
Für mehr Dortmund - Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von notarius | #2

Das nenn ich doch mal Integration.
Da haben doch die Dortmunder tagsüber in Schalke auffe Zeche gearbeitet.
Nun hat denen die dortige Sprache so gefallen, daß Sie diese nach Feierabend, einfach zuhause weitergesprochen haben.
So entstand "Dortmunderisch".

1 Antwort
Für mehr Dortmund - Donnerstag ist Welt-Wonnich-Tag
von PeterLustig | #2-1

Watt is Schalke? Ein Gewürz?

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