Dortmunder Siedlung nach Hitler-Helfer benannt
26.01.2009 | 23:02 Uhr 2009-01-26T23:02:00+0100
Dortmund. Emil Kirdorf war einer der erfolgreichsten Manager, der das Ruhrgebiet geprägt hat. Und einer der wichtigsten Unterstützer Adolf Hitlers. Viele Städte haben wegen der Nazivergangenheit Kirdorf die Ehrenbürgerwürde genommen. Nur in Dortmund gibt es noch die „Kirdorf-Siedlung".
Für Rudolf Kahlweit (81) ein unmöglicher Fall, dass eine Siedlung in Dortmund noch heute nach einem glühenden Verehrer und vehementen Unterstützer des Nationalsozialismus Emil Kirdorf benannt ist. „Ich habe 40 Jahre auf der Zeche Minister Stein und in Gelsenkirchen gearbeitet”, betont Kahlweit. „In Gelsenkirchen hat man ihm die Ehrenbürgerwürde entzogen.” Die Kirdorf-Straße in Rüttenscheid verschwand bereits 1945. Und auch der Schacht IV von Minister Stein in Eving heißt seit Jahrzehnten nicht mehr „Emil Kirdorf”, sondern „Hammerkopfturm”.
Generaldirektor des größten europäischen Montan-Unternehmens
Bis zum 1. Weltkrieg hatte Kirdorf als Direktor sein Unternehmen zum größten Montanunternehmen Europas entwickelt. Der erzreaktionäre Gewerkschaftsfeind trieb durch schlechte Arbeitsbedingungen 1905 200.000 seiner Arbeiter in einen Aufstand. Der Arbeitskampf endete blutig und erfolglos. Hitler war für Kirdorf schon 1927 „ein Hoffnungsstrahl für Deutschland”. Er motivierte Hitler, sich an die Unternehmer zu wenden und gründete die „Ruhr-Lade” der Industriellen, die systematisch den Aufstieg Hitlers unterstützte. Zuvor hatte er mit eigenem Geld die finanziell stark angeschlagene NSDAP vor dem Ruin gerettet. Als das greise Parteimitglied 1938 gestorben war, ordnete Hitler ein Staatsbegräbnis an, an dem er auch teilnahm.
OB: "Schonungslose Aufarbeitung der Geschichte"
Die Kritik am Namen Kirdorf ist durch die WR-Recherche bei der Stadtspitze angekommen. OB Dr. Gerhard Langemeyer spricht sich nun für eine „schonungslose Aufarbeitung der Geschichte” aus. In Gesprächen mit Stadtarchiv und Westfälischem Wirtschaftsarchiv ist spontan die Idee entstanden, die Geschichte der 1912 begründeten „Kolonie Kirdorf” kritisch zu beleuchten. Benannt wurde sie übrigens nicht erst wegen seiner Verdienste um die NSDAP und die großzügige Unterstützung Hitlers.
Die Siedlung wie auch der Schacht IV (Hammerkopfturm) der Zeche Minister Stein wurden nach Kirdorf benannt, weil dieser als Generaldirektor der Gelsenkirchener Bergwerks-AG beides bauen ließ. „Es war nicht ungewöhnlich, dass solche Anlagen nach den Direktoren der Firmen benannt wurden”, betont Gabriele Unverferth vom Westfälischen Wirtschaftsarchiv.
Etablierter topographischer Begriff
Da sich der Name seit Jahrzehnten fest in der Stadtgeschichte und auf Landkarten eingeprägt habe, plädierte Stadtarchiv-Chef Dr. Günther Högl dafür, nicht mit einem Federstrich den feststehenden topographischen Begriff zu tilgen. Gleichwohl müsse man die Geschichte von Kirdorf deutlich machen. Diese Notwendigkeit sieht man auch beim Wirtschaftsarchiv: „Er ist problematisch. Das steht außer Frage”, so Unverferth. Beide schlagen vor, einen Klärungsprozess zu beginnen, um die Geschichte des Mannes und seine Biographie näher zu beleuchten. Für Rudolf Kahlweit ist das jedoch zu wenig: Der Name Kirdorf müsse weg. „Horst-Wessel-Platz, Albert-Vögler-Haus und Adolf-Hitler-Allee sind auch aus Dortmunds Stadtbild verschwunden.”
INFO
- Wie eine Insel liegt die „Kolonie Kirdorf” nördlich von Eving. 1912 bis 1913 wurden die 90 Häuser mit 160 Wohnungen errichtet. Bauherr war die Gelsenkirchener Bergwerks-AG.
- Anlass war, dass im Jahr 1912 der Schacht Minister Stein III für die Seilfahrt eingerichtet wurde. Daher entschloss sich das Unternehmen, in der Nähe dieses Schachtes eine Siedlung für Arbeiter und Angestellte zu errichten. Sie wurde nach dem Generaldirektor der AG, Emil Kirdorf, benannt.
- Sie war eine so genannte „Muster-Zechensiedlung” von historischen denkmalschützenswertem Ensemble-Einrichtung.
- Durch die Namensdiskussion bekommt auch die Idee neue Fahrt, die Siedlung für die „Route der Industriekultur” vorzuschlagen.
13:20
Kirdorf war zwar nicht der Initiator der Ruhrlade (von denen wurd er laut Ashby Turner Jr. gar belächelt): Dennoch war Kirdorf Nazi und hatte ziemlich krudes Gedankengut. Dortmund muss da auch nicht mehr lang überlegen: Das haben Mülheim und Gelsenkirchen mit der Umbenennung ihrer Straßen und Schulen sowie der Aberkennnung der Ehrenbürgerschaft schon längst getan. Es geht finde ich auch weniger darum, der Nachkriegsgenerationen in das Gewissen reden (wobei generell der Nationalsozialismus eine Mahnung seien muss, aber nicht jeder Straßenname ein kleines Mahnmal sein soll). Emil Kirdorf hat schlicht keine Verehrung verdient.
11:53
Die z.T. dummdreisten Kommentare beweisen es:
Ein konstruktiver und kritischer Umgang mit der deutschen Geschichte ist nach wie vor unverzichtbar und wird es immer bleiben!
Dieser wirklich gute Artikel thematisiert, dass eine Dortmunder Siedlung nach einem Wegbereiter der Nazi-Diktatur benannt ist. Dem Verfasser des Artikels kann man es wohl nicht anlasten, dass es 64 Jahre dafür gebraucht hat, oder?
Solche Informationen sind wertvoll und ich würde mich über mehr solcher Beiträge freuen! Noch mehr freuen würde ich mich aber, wenn die Stadtoberen diese Chance nutzen würden, um qua Umbenennung der Siedlung ein Zeichen gegen die Umtriebe junger Faschisten in unserer Stadt zu setzen. Solche symbolischen Akte sind ebenso wichtig, wie die praktischen, z.B. die Verbote und Ver- bzw. Behinderungen von Aufmärschen durch unserere Wohnviertel.
Mein Vorschlag:
Die Siedlung sollte nach Gisbert Wille umbenannt werden. Der war Schießmeister der Zeche Minister Stein und wurde von SA-Männern auf dem heutigen Nordmarkt erschlagen, weil er sich weigerte, ihren Putzlappen (gemeint hatte er die Hakenkreuzfahne) zu grüßen...
07:09
Man kann das Problem leicht umgehen, indem man grundsätzlich nicht die Namen von Zeitgenossen verwendet, sondern geografische oder ähnliche. Ich möchte auch nicht an einer Helmut-Kohl-Allee oder an einer Kurt-Schumacher-Allee wohnen.
21:26
Vielleicht sollten wir alle Worte aus dem deutschen Wortschatz streichen, die von den Nazis damals missbraucht wurden.
Ich versuche es mal:
grff tschff linf schkz vffh sdf isd wree xcc.
So, ich glaube da war jetzt nichts mehr gefährliches drin.
nur mal so eine doofe Frage:
Warum haben diejenigen, die jetzt meinen alte Schuhe aufwärmen zu müssen 64 Jahre gepennt. Hallo, aufwachen, mittlerweile gibt es überwiegend Nachkriegsgenerationen, die mit dem ****** von damals nichts mehr zu tun haben. Klar, es gehört zur deutschen Geschichte, aber nicht wir Nachkriegskinder haben die Suppe auszulöffeln. Fahrt nach Südamerika und wendet euch mit eurer Kritik an die feigen, scheintoten Verpisser, die haben den ganzen Mist auf dem Gewissen. Wir wollen endlich wieder eine Nation sein, die nicht vor anderen Kuschdich machen will. Deutscher Nationalstolz hat heutzutage nichts, aber auch gar nichts mit früher gemeinsam. Patriotismus hat einen etablierten Hintergrund in der Geschichte. Nur weil so ein Seppel aus Österreich das Deutsche Volk 12 Jahre belogen, bedroht und geblendet hat, sollen heutige Generationen darunter leiden. Warum rechtfertigt sich kein Österreicher für ihren Landsmann Adolf Hitler ? Warum rechtfertigt sich kein Amerikaner dafür, dass Sklaven im Namen des Gesetzes gedemütigt und misshandelt wurden oder das Land der Indianer annektiert wurde und die Indianer verfolgt und entehrt wurden?
Warum sind es nur immer wir Deutschen, die keinen ***** in der Hose haben und sich vor Gott und der Welt erklären für Dinge, die sie selbst nicht zu verantworten haben ?
Warum findet man in den USA keine Denkmäler über Indianerverfolgung und Sklavenhaltung? Stattdessen wird in Deutschland noch heute ein Denkmal nach dem anderen aus dem Boden gestampft.
Die Initiatoren des Artikels sollen mal weiter 64 Jahre pennen und aufhören den Nachkriegsgenerationen dämlich ins Gewissen zu reden.
Den Strategen, die hier im Netz meinen aufsatteln zu müssen, sei gesagt:
Heutige deutsche Generationen leiden immer noch unter den Folgen, des Unheils, was Nazidiktatur dem deutschen Volk und anderen Völkern angetan hat. Die Vorurteile über Deutsche in der Welt wurden in der Nazizeit geboren.
Denkt mal länger darüber nach.
20:54
>Dortmunder Siedlung nach Hitler-Helfer benannt<
Wenn Hitlerhelfer verfolgt werden, warum nicht dann z.b. die Herren Flick, Krupp, Porsche oder die Firmen Mercedes, BMW, VW usw...
Oder gar Politiker aus der obersten Ebene???
Ach so, ich vergaß, das sind ja ganz andere Fälle...
20:45
Es bewahrheitet sich wieder, der DEUTSCHE kann einfach nicht mit seiner Geschichte umgehen. Alles, aber auch alles muss hinter fragt werden.
Kümmert EUCH, ihr ach so liebe Politiker, endlich um die Sachen die wichtig sind.
Glück Auf.
20:27
außerdem kann man nicht ALLES und ALLE PERSONEN aus der geschichte tilgen.
massenmördern wird auch zugestanden, dass es menschen mit grundrechten sind.
menschen die sich in der nazizeit irgendwie verhalten haben, waren auch menschen.
man muss nicht alles aus der geschichte löschen.
aber dann hätten so manche in der öffentlichkeit nichts mehr anzuprangern ;-)
20:26
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19:32
#1 sehr richtig.
Ich wohne nämlich dort und das ist mir so was von sch . . . egal wer das war und was der Typ vor rd. 70, 80 J. irgendwann mal gemacht hat. Die Mieten sind billig, die Siedlung ist ruhig und sauber. Alles ist OK. Und genau das ist mir wichtig. Punkt!!!!
19:09
Emil Kirdorf war einer der erfolgreichsten Manager, der das Ruhrgebiet geprägt hat. Denke, dies sagt alles. Die Bewohner der Siedlung haben garantiert andere Sorgen und sog. Politik sollte sich um die wichtigen Dindge in der heutigen Zeit kümmern.