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Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren

23.05.2012 | 12:01 Uhr
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
Mit ihren Plänen könnte die Gema der Partylandschaft auch in Dortmund ihren Stempel aufdrücken. Montage: Vahlensieck

Dortmund.   Die Gema plant eine neue Tarifordnung ab 2013: Disco- und Party-Veranstalter wie das FZW und die Nightrooms in Dortmund befürchten, dass achtfache Kosten auf sie zukommen. Die höheren Preislisten für Live-Musik und Tanzabende werden wohl zu Einsparungen führen.

Die Bühnen-, Disco- und Partylandschaft steht möglicherweise vor harten finanziellen Einschnitten und Sparprogrammen – die Kunden vor höheren Eintrittsgeldern. Grund: Die Pläne der Musikrechte-Verwertungsgesellschaft Gema. Der Verein aus München hat vor, Anfang 2013 seine Tarife zu ändern. Vor allem die Preislisten für Live-Musik und Tanzabende treiben Dortmunder Veranstaltern wie Holger Schmidt (Nightrooms) oder Till Hoppe (FZW) langsam den Schweiß auf die Stirn.

Die Tarife etwa für Musik aus der Konserve sollen so deutlich steigen, dass der Bundesverband des Gastgewerbes, die Dehoga, schimpft, mit den neuen Tarifen komme es zu „existenzgefährdenden“ Erhöhungen von bis zu 1400 Prozent.

Ein Problem: Viele Veranstalter buchen junge und unbekannte Bands, die wenig einspielen – manchmal zahlen die Veranstalter sogar noch drauf. Das Prinzip: Disco- und Konzertveranstalter lassen eine noch unbekannte Band bei sich auftreten. Die Kosten, die das Konzert verursacht, fangen diese Einrichtungen mit anderen Veranstaltungen auf, zum Beispiel mit Disco-Abenden oder Partys. Doch auch dabei hält die Gema die Hand auf, schließlich soll von der Musik, die per CD oder Laptop gespielt wird, auch etwas bei den Komponisten, Textern, Produzenten ankommen. Doch die neuen Tarife für die Disco-Abende verteuern sich offenbar dramatisch. Und das bedeutet, dass den Veranstaltern die Luft wegbleibt, um weniger ertragreiche Konzerte mit jüngeren Bands zu buchen. Auch die Tarife für Live-Konzerte sollen steigen.

Realistische Erhöhung wäre okay

Gegen eine realistische Erhöhung hat Holger Schmidt vom Nightrooms nichts. Gleichzeitig hofft er, dass die neue Tarifordnung der Gema nicht durchkommt. Denn dann: „Muss ich die Kosten vielleicht an die Kunden weitergeben“ - über Eintrittspreise und Getränke. Warum? „Wir zahlen derzeit rund 18 000 Euro an die Gema pro Jahr“, sagt Schmidt. Stimmen seine Berechnungen wären es ab 2013 115 500 Euro - „das ist brutal“, findet er.

Info
Eintritt und Fläche zählen

Die neuen Tarife der Gema sind ein kompliziertes Werk, das einen Preis ausrechnet anhand des Eintrittsgeldes und der Quadratmeterzahl.

So kostet ab 2013 dann eine Veranstaltung, die auf bis zu 500 Quadratmetern stattfindet mit einem Eintrittsgeld von bis zu drei Euro genau 150 Euro. Dauert der Tanzabend länger
als fünf Stunden, kommt ein Aufschlag von 50 Prozent dazu.

Im Jahr 2010 bekam die Gema 863 Millionen Euro an
Erträgen, davon gingen knapp 736 Millionen an die Künstler, 127 Millionen behielt die Gema für sich – Gehälter und Sachkosten.

Till Hoppe, Chef vom FZW, hat sich schon mal einen Termin von der Gema geben lassen, um genauer zu verstehen, was da auf ihn zukommt. Aktuell geht er davon aus, dass sich seine Zahlungen an die Gema (für Ruby, FZW und View) vervier-, wenn nicht verachtfachen könnten. Heißt, so Hoppe: „30 000 bis 40 000 Euro mehr im Jahr“. Das sei ziemlich genau der Gewinn, der damit wieder verpuffe, so Hoppe. „Finstere Aussichten“ bei 250 Öffnungstagen im Jahr.

Einsparungen als Konsequenz

„Wir wissen noch nicht, wie wir der Sache Herr werden sollen, wir werden wohl einsparen müssen.“ Am Programm zu sparen, sei allerdings nicht so einfach im wettbewerbsintensiven und „schwierigen Nightlife-Business“.

Die Gema verteidigt sich und weist darauf hin, dass die Tarife vereinfacht werden sollten – was sogar stimmt. Aber der Verein räumt auch ein: „Discotheken und Clubs trifft es tatsächlich negativ“, so Gema-Sprecher Franco Walther, „aber das liegt daran, dass der alte Tarif so günstig war.“ Nun regt sich Widerstand. Eine Petition, die auch Till Hoppe unterschrieben hat, geht an den Bundestag. Die Dehoga prüft eine Klage. Die Hoffnung: Die Tarife sind noch keine beschlossene Sache, sie liegen noch bei der Schiedsstelle, beim Patent- und Markenamt in München.

Von Peter Ring und Tim Müßle


Kommentare
24.05.2012
10:16
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von GEMAdialog | #6

Hallo Herr Ring, hallo Herr Müßle,

eine Existenzgefährdung von Clubs durch die neue Tarifstruktur, wie es die zitierten Veranstalter ansprechen, ist nicht zu befürchten. Generell spielt Musik eine existentielle Bedeutung in Clubs: sie ist die Geschäftsgrundlage und das Geschäftsmodell. Mit der so genannten Härtefallnachlassregel ist gewährleistet, dass eine Veranstaltung, bei der nachweislich ein gravierendes Missverhältnis zwischen Einnahmen bei den Eintrittsgeldern und der Vergütung für die Musiknutzung besteht, eine angepasste Vergütung berechnet wird.

Aufgrund der Veränderungen der Tarife, sowie der Härtefallnachlassregel, werden Gewinne von Veranstaltern also nicht „verpuffen“.

Durch das eigens initiierte Schiedsverfahren ist die GEMA bemüht eine angemessene Lösung zu finden.

Weitere Informationen dazu gibt es unter http://bit.ly/LnzCoZ.


Mit freundlichem Gruß,
Franco Walther, GEMA

23.05.2012
20:03
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von Applebeach4Ever | #5

Gema..Ihr habt noch eine Spaßberieselungs-Einnahmequelle vergessen wo ihr richtig abkassieren könnt: Sämtliche Kirchen mit ihrem komischen geheule...ähh..ich meine Choräle oder wie das Orgelgetöse auch heissen mag. Da kassiert ihr doch bestimmt nicht ab weil die Kirchen ja bekanntlich noch größere Raubritter sind als ihr...

1 Antwort
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von schmitzi | #5-1

Schau mal auf gema.de nach. Du wirst sehen, sogar dort wird schon abgesahnt.

23.05.2012
19:11
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von GeorgDelfmann | #4

Ich organisiere seit über 20 Jahren Disco-Veranstaltungen und mir wurde der Tarif immer nur noch Raumgröße und Eintrittshöhe berechnet. Später wurden dann noch Extrakosten für den Einsatz von CD-Kopien und für Veranstaltungen die länger als 5 Stunden dauern fällig. Und jetzt kommt der große Schluck aus der Pulle.
Niemals aber hat mich die GEMA gefragt, welche Musik eigentlich gespielt wurde. Also egal ob HipHop oder Schlager - das Geld kommt in einen Topf. Welche Urheberrechte werden da eigentlich geschützt, wenn keinen interessiert, wer der Urheber ist? Und das ist bis heute eines der größten Geheimnisse dieser klandestinen Organisation. Es ist zu vermuten, dass Lady Gaga und Co auch hier die große Kohle machen, während die Kleinen davon keinen Cent sehen.

23.05.2012
13:35
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von rudizehner | #3

Das ist staatlich geduldetes Raubrittertum.
Bei den Menschen, die von den Gebühren profitieren sollen, kommt nachweislich kaum etwas an. Und auch der Schlüssel, nach dem verteilt wird, ist aus gutem Grunde -geheim-...
Den Löwenanteil behält die GEMA für sich und ihre Funktionäre.

23.05.2012
12:59
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von drMayer | #2

Das dürfte dann wohl das Ende der bekannten Volksbespassungs-Einrichtungen werden. Die Lösung ist aber einfach - vermehrt rein "private" Einladungen zu geschlossenen Feiern. Wenn kein kommerzieller Hintergrung nachgewiesen werden kann, bleiben Behörden und vor allen Dingen auch die GEMA aussen vor.

23.05.2012
12:47
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von Frank1481 | #1

"schließlich soll von der Musik, die per CD oder Laptop gespielt wird, auch etwas bei den Komponisten, Textern, Produzenten ankommen."

Mich würde mal interessieren, wieviel von den eingenommenen Milliarden wirklich an die genannten drei geht. Es geht doch haupütsächlich darum, die GEMA-Bonzen zu alimentieren. Die Gier greift immer weiter um sich.

3 Antworten
Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von msdong71 | #1-1

mich würde interessieren auf welcher basis du deine vermutungen stellst.
nicht das ich die gema verteidigen will, aber einfach mal so sagen "das ist für die dicken bonzen da" bringt einem in der sache nicht weiter.

Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von msdong71 | #1-2

"Mich würde mal interessieren, wieviel von den eingenommenen Milliarden wirklich an die genannten drei geht."

https://www.gema.de/presse/publikationen/geschaeftsbericht.html

2 min recherche.

Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren
von Pase_Lacki | #1-3

"Mich würde mal interessieren, wieviel von den eingenommenen Milliarden wirklich an die genannten drei geht."

Steht doch oben ganz groß neben dem Artikel unter dem Begriff INFO:

"Im Jahr 2010 bekam die Gema 863 Millionen Euro an
Erträgen, davon gingen knapp 736 Millionen an die Künstler, 127 Millionen behielt die Gema für sich – Gehälter und Sachkosten."

Unglaublich, da wird kurz was überflogen und dann noch das eigene Unvermögen im Kommentar bewiesen, hauptsache um was kritisieren zu können.

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