Dioxine nicht auf der Testliste
31.05.2010 | 20:30 Uhr 2010-05-31T20:30:00+0200
Dortmund. Die Folgen des Giftskandals im Hafen sind für die Stadt nicht absehbar. Im Fall des stillgelegten PCB-Entsorgers Envio gehe es ihr wie US-Präsident Obama mit der Ölkatastrophe, sagt Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus.
„Mein Freund Obama und ich haben das gleiche Schicksal”: Beide wissen nicht, wann die Lage unter Kontrolle ist.
Seit gestern laufen die medizinischen Untersuchungen von 356 Mitarbeitern jener Firmen, die als Untermieter auf dem verseuchten Envio-Gelände tätig sind. Ihr Blut wird nur auf PCB analysiert, nicht auf Dioxine und Furane. Begründung: Erstens sei PCB auf dem Firmengelände dominant. Zweitens: Dioxin- und Furanproben sind teurer, langwieriger und aufwändiger. Mit dieser Entscheidung folgt das Gesundheitsamt einer Empfehlung des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit (LiGA) in Düsseldorf.
Elf PCB-Gruppen im Fokus
Mit dem krebserregenden PCB verhält es sich wie mit Asbest, Pestiziden und anderen Gemischen aus der Giftküche: Es gibt nicht nur eine Erscheinungsform, sondern viele. Von einem chemischen Stamm zweigen diverse Äste, so genannte Kongenere, ab. Wer auf dem Envio-Gelände arbeitet, soll auf elf verschiedene PCB-Gruppen untersucht werden, darunter auch auf die dioxin-ähnliche Variante, die als eine der gefährlichsten gilt.
Beim Preis für die Untersuchungen hat die Stadt „noch einmal nachverhandelt”, so Gesundheitsamtleiterin Dr. Annette Düsterhaus. Statt 100 Euro kostet jeder PCB-Bluttest jetzt 83 Euro – Mengenrabatt macht die breit angelegte Aktion günstiger. Neben dem Geldbeutel wird auch der Untersuchte geschont, dem nur 10 Milliliter Blut abgenommen werden. Zum Vergleich: Die Dioxin- und Furanuntersuchung liegt bei 650 Euro und erfordert 60 bis 80 Milliliter. Sollten einzelne Blutproben hohe PCB-Anteile aufweisen, würden automatisch Dioxin- und Furantests bei den Betroffenen folgen.
Sorge um Envio-Mitarbeiter
Düsterhaus geht nicht von erhöhten PCB-Werten bei den Envio-Untermietern aus. „Bei den Mitarbeitern könnte das anders aussehen, bei den hohen Belastungen”, schwant der Amtsleiterin. Anschließend werden Angestellte von Nachbarfirmen untersucht, dann Kleingärtner, Anwohner.
Doch wo anfangen und bei wem aufhören mit den Bluttests? Solche Fragen überfordern auch Düsterhaus. Vor ihr steht ein Fass ohne Boden. Dass Envio giftiges Material an Weiterverwerter geliefert hat, stehe wohl außer Frage. „Die haben offensichtlich Böses als Gutes verteilt”, sagt die Ärztin. Aber wo welche Gifte jetzt liegen, wohin der Wind sie weht und wo sie niedergehen – das wisse wegen der ungeklärten Lieferwege des PCB-Entsorger niemand.
„Eine Riesenschweinerei”, schimpft die Amtsleiterin. „Das einzig Beruhigende”, das sie besorgten Bürgern sicher mitteilen könne: „Dass Envio dicht ist.”
Gesamtauswertung nach den Ferien
„Frühestens in zwei, drei Wochen” seien die ersten Blutergebnisse von Envio-Mitarbeitern zu erwarten, glaubt Düsterhaus. In den Sommerferien sollen die restlichen Befunde vorliegen. Die Gesamtauswertung aller Untersuchungen strecke sich wohl über die Ferien hinaus.
17:29
Die Envio-Leitung wird sich noch wundern. Gestern habe ich gegen Sie bei der Staatsanwaltschaft Dortmund Strafanzeige wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in einem besonders schweren Fall erstattet!
12:03
Ein wirklich schlechter Vergleich. Der Störfall im Golf von Mexiko ereignete sich spontan und traf auf eine schlecht vorbereitet Firma BP und US-Regierung. Die Katastrophe um Envio hat eine jahrelange Vorgeschichte mi Unfähigkeit und Untätigkeit der zuständigen Behörden von Stadt und Land NRW sowie politischem hofieren der Firma durch Umweltpreise.
Der Schaden an Mensch und Umwelt ist nun eingetreten und das PCB und Dioxin in den Körpern kann nicht einfach durch medizinische Behandlung abgebaut werden. Das ist eine unfassbare Erblast für die Betroffenen, vor allen Dingen für die Kinder und Enkelkinder derjenigen, die sich mit dem vermeitlich gesunden Gemüse aus dem eigenen Garten ernährt haben.
Die aufsteigende Wut der Betroffenen auf die Verantwortlichen bei Envio, Land NRW und Stadt Dortmund ist mehr als verständlich.
10:34
#1 von Ballomann
es giebt keine.
05:13
Ich hätte da für unseren relativ neuen und trotzdem hyperfleißigen Kommentator Benno noch ein paar Malbücher übrig, aber das muss er ja mittlerweile selbst einschätzen können - obwohl und trotz ich mehrfach auf seinen unverwechselbaren Schreibstil hinwies.
@ #3
Vielleicht sind die Grünen deshalb hier noch relativ wählbar, weil sie nicht wie in anderen Kommunen dumme und unbequeme Fragen stellen, sondern dem ehemaligen Bergmann die Illusion verkaufen, dass dumme Fragen schon von der Mutter SPD gelöst werden und man selbst nur für grüne Luftballons und dumme Antworten zuständig ist.
03:17
Wenn Kostenersparnis mal wieder grossgeschrieben wird sollten sich alle Betroffenen ernsthafte Gedanken machen ! Nachverhandeln anstelle zu Handeln. Die Gesundheit muss an erster Stelle stehen und nicht irgendwelche Kosten. Jeder evtl. betroffene sollte sich einen Anwalt nehmen und selber die Beweise sichern lassen von einem unabhängigen Labor, kosten muss der Verursacher eh übernehmen.
Und Vergleich Freund Obama, Megapeinlich, Obama hat sofort gehandelt und nicht so eine Verzögerung wie hier. Bei Obama wären solche Leute in den Behörden sofort geflogen die alle Hinweise ignoriert haben.
Normal sollten die politisch Verantwortlichen endlich mal die Konsequenzen für ihre Positionen ziehen, schade das schon Wahl war !!!
02:45
Was ist denn das für ein vergleich? Die belastenden werte im hafengebiet liegen doch schon seit über einem jahr vor! Bloß hat die stadt nicht darauf reagiert! Im gegensatz zu obama, der die volle verantwortung für die lösung der probleme übernimmt, suchen die ämter der stadt dortmund und die grünen nach einem schuldigen. Im hafengebiet oder ins arnsberg. Selbst war man im rathaus wohl zu sehr beschäftigt mit wahlbetrug und klüngelei. Ich habe übrigens eine e-mail an die grünen geschickt, mit der anfrage, was diese partei ( sollte ja eigentlich ein heimspiel sein..) seit bekanntwerden dieser werte, spätestens 1/2009 unternommen hat um das aufzuklären. Antwort: Keine.. Ok! So heißt es ja so schön zum nächsten wahltermin: Jede stimmen zählt!
22:58
Schlechtes Beispiel: Die US-Regierung und BP kriegen den Ölausbruch im Golf von Mexiko nicht unter Kontrolle und die städtischen und Landesbehörden kriegen den Fall Envio, nach eigener Einschätzung, auch nicht geregelt. Na prima.
Da past es dann auch, daß zuerst einmal nicht nach dem hochgefährlichen Ultragift Dioxin gesucht wird sondern die harmloseren PCB-Anteile, was ja auch preiswerter ist, identifiziert werden sollen. Schon das freizügige Nennen des Kostenargumentes sollte die Alarmglocken bei den Beteiligten klingeln lassen.
Bei Envio ging es immer nur um eines: Geld. Zuerst beim Rumsauen um Gewinne zu machen und nun beim Runterspielen um Kosten fürSsanierung und Entschädigung zu sparen.
Zu @1: PCB und Dioxine, die einmal im Körper sind, können nicht behandelt werden. das ist unschön, aber wahr.
22:09
Was ist denn eigentlich, wenn irgendwelche Blutwerte erhöht sind? Wo sind die Grenzen, welche Therapie gibt es dann?
Das wären mal interessante Fragen!