Die vielen Gesichter eines Gabenbringers
23.12.2007 | 19:24 Uhr 2007-12-23T19:24:43+0100Glockengeläut. Es knistert, es raschelt, es wispert, ein "Hohoho" - und plötzlich, wums, ist er durch den Kamin gerutscht: der Gabenbringer. Soweit der Kindheitstraum. ...
... Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte aber ist der gute Herr von vielen Seiten kennen zu lernen - vom Nikolaus bis zum Weihnachtsmann.Der Sittliche: Rund 200 Exponate aus drei Jahrhunderten, Ikonen, Grafiken, Backformen, Bücher, Plakate, Kuriositäten. Zu Weihnachten haben wir uns einige Details herausgepickt, die den werten Festtagsherren in all seinen Facetten präsentieren:
Der doppelte Heilige "Nikolaus ist ein guter Mann..." heißt es so schön in einem Weihnachtslied. Dabei stimmt das so gar nicht - denn der heilige Nikolaus geht eigentlich auf zwei historische Persönlichkeiten zurück: Da war zum einen der Bischof von Myra aus dem kleinasiatischen Lykien (Türkei), der wahrscheinlich im vierten Jahrhundert lebte. Und Abt Nikolaus von Sion, der 564 in Lykien starb. Beide verschmolzen zu jenem Helfer in der Not, der sowohl in der katholischen wie in der orthodoxen Kirche verehrt wird. So soll Nikolaus etwa die Einwohner von Myra vor dem Hungertod gerettet haben, indem er drei Schiffe voller Getreide in den Hafen lenkte. In Russland wird der Nikolaus als Nationalheiliger verehrt und rangiert gleich nach Maria und noch vor den Aposteln. Übrigens ist der Hauptunterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann, dass der eine Heiliger und historisch geerdet ist, während der andere eine Fantasiefigur darstellt.
Der Nickelige:
"Etwas auf dem Kerbholz haben" ist eine berühmte Redewendung. Früher nutzten Händler und Käufer tatsächlich Kerbhölzer als Zahlungsmittel: Für jeden Vorgang wurde eine Kerbe in das Holz geschnitzt, beide Parteien besaßen eine Holzhälfte - und am Zahltag wurde verglichen. Genau das machten sich die Eltern zunutze: Wenn die Kinder Weihnachtsgedichte oder -lieder auswendig kannten, bekamen sie eine Kerbe. Kam der Nikolaus, konnte er nachrechnen, wie brav das Kind war. Ohnehin musste der gute Herr oft als Erziehungsmittel herhalten...In der Schau ist ein Kerbholz von 1780 zu sehen.
Martialische Legende mit gutem Ende
Der Ent-Pökelnde:
Eine Legende, die sich um den Nikolaus rankt, ist ziemlich martialisch: Demnach baten drei Scholare auf Wanderschaft einen habgierigen Wirt um Nahrung. Der böse Mann aber ermorderte die Drei und pökelte sie ein. Nikolaus bekam Wind davon - und erweckte die Jungen wieder zum Leben. Passend dazu wird der Heilige auf russischen Ikonen häufig mit einer Bibel abgebildet, die auf eine Stelle im Lukas-Evangelium verweist, in der Jesus Kranke heilt.
Das Brauchtum um den Nikolaus entwickelte sich im deutsprachigen Raum seit dem 11. Jahrhundert. Schon vor 500 Jahren stellten Kinder am Abend vor dem 6. Dezember was sie hatten (Stiefel oder Teller) vor die Tür und warteten sehnsüchtig auf Geschenke. Die Legende dazu dreht sich um einen verarmten Adeligen mit drei Töchtern. Vor Not wollte er sie auf die Straße schicken - in die Prostitution. Der Nikolaus rettete sie, indem er drei Goldkugeln durchs Fenster warf.
Der Begleitete:
Ab derm 17. Jahrhundert machte der Nikolaus Hausbesuche - und hatte meist finstere Gesellen dabei. Knecht Ruprecht ist hierzulande bekannt. Die Krampusse derweil trieben sich in Österreich herum - böse Teufel mit Fellen und Hörnern, die gleich in einer ganzen Horde mit rasselnden Ketten auftraten. Um 1900 setzte in Wien eine regelrechte Krampusmode ein: In der Ausstellung sind die Wesen eindeutig zweideutig auf Postkarten abgebildet, wie sie jungen Frauen nachjagen.
Feiern in der Familie im 19. Jahrhundert
Der Spätzünder:
Weihnachten entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert zum Familienfest. Um die Zeit kam auch der Weihnachtsmann auf, dessen Vorläufer vermutlich Figuren wie Herr Winter waren. 1835 verfasste Heinrich Hoffmann von Fallersleben das berühmte "Morgen kommt der Weihnachtsmann" - allerdings mit fast militärischem Text. Laut Kuratorin Dr Manuela Borkenstein Neuhaus geht man davon aus, dass Einwanderer den Weihnachtsmann nach Amerika importierten: Aus deutschen Traditionen und dem niederländischen Sinter Klass schuf der aus Bayern stammende Illustrator Thomas Nast für die US-Zeitschrift "Harpers Weekly" einen Weihnachtsmann, wie wir ihn uns heute vorstellen: dickbauchig, langbartig, freundlich lachend. Er wurde also nicht von einer berühmten Limonadenfirma erfunden - einzig das rote Kleid setzte die Firma durch ihre Werbung gegen grüne, gelbe, blaue Mäntel durch.
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