Diakonie will Dortmunds "Saufraum" nicht tragen
10.02.2010 | 16:52 Uhr 2010-02-10T16:52:00+0100
Dortmund. Das Diakonische Werk scheidet als Träger des „Saufraums” in der Dortmunder Nordstadt aus. Warum? Die Antwort ist einfach: Weil es den Trinkertreff für Alkoholabhängige ablehnt. Das betonte Dortmunds Diakonie-Geschäftsführerin Anne Rabenschlag.
Anne Rabenschlag sei als Dortmunds Diakonie-Geschäftsführerin „erschrocken” über die "Saufraum"-Diskussion, sagte sie nun im Sozialausschuss in Anwesenheit von Dezernent Wilhelm Steitz, der die Diakonie als möglichen Träger eines zweijährigen Testlaufs ins Gespräch gebracht hatte (wir berichteten). Darüber habe sie sich „gewundert”, so Rabenschlag.
Das Konzept – Betreuung nebst Alkohol – sei „der völlig falsche Weg”. Besser arbeite der Brückentreff. Dort bekämen Besucher eine Tagesstruktur und Hilfe. „Aber eine Schuldnerberatung mit der Bierflasche in der Hand geht gar nicht.”
"Ziele nicht verwischen"
Dr. Annette Düsterhaus, Leiterin des Gesundheitsamtes, riet dazu, „die Ziele nicht zu verwischen”. Der Saufraum verfolge keinen Suchthilfe-Ansatz, solle vielmehr das Stadtbild verändern. Düsterhaus sprach Klartext: Der Ausdruck „Alkoholkonsumraum” treffe nicht die Sache. „So einen habe ich auch. Der liegt um die Ecke und heißt Kneipe – und da möchte ich nicht von einem Sozialarbeiter angesprochen werden”. Hier gehe es darum, „dass Anwohner das nicht mehr sehen wollen”, bestätigte Steitz.
„Eine öffentlich alimentierte Ersatzkneipe” sei das, kritisierte AWO-Chef Andreas Gora und sprach von einem „Einsperren der Problemgruppen”. Für jede eine Einzellösung suchen, „erst für Alkoholiker, dann für Prostituierte, dann für Drogensüchtige“ – das könne es nicht sein.
Trotz der Bedenken: Die Ausschussmehrheit winkte den Saufraum durch in den Rat.
08:57
Muss man eigentlich Ahnung von Irgendwas haben, um Ausschussmitglied zu werden? Frau Rabenschlag ist zuzustimmen.