"Der Krieg befreit von gar nichts"
02.09.2007 | 11:51 Uhr 2007-09-02T11:51:02+0200Die von vielen befürchteten Krawalle am Rande der erneuten Neonazi-Demo am Antikriegstag blieben aus. Gewaltsame Ausschreitungen wie noch am 1. Mai gab es am Samstag nicht.
Vom Antikriegstag berichten Andreas Winkelsträter, Alex Völkel und Frank Fligge
Die Polizei begleitete sowohl die Neonazis als auch die Demonstration des linken "Bündnisses 28.03." mit einem Großaufgebot. Diesmal nicht unter der Maxime, es könnte zu Ausschreitungen kommen, sondern unter der Überschrift "Es hat am 1. Mai gewalttätige Ausschreitungen" gegeben. Die Polizei war vorgewarnt. Und so verlief das ganze Demogeschehen zwischen 10 und 19.30 Uhr - von kleineren Scharmützeln abgesehen - friedlich.
Kurzfristig hatte DGB-Chef Eberhard Weber am Samstagmorgen überlegt, eine der zentralen Veranstaltungen am Antikriegstag an der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache abzusagen. Denn es goss aus Kübeln, und als Weber kurz nach 11 Uhr selbst ans Rednerpunlt trat, übertönte zudem das Knattern des Polizeihubschrauber in der Luft über der Steinwache jedes Wort.
Für Ernst Söder vom Förderverein Gedenkstätte Steinwache e.V. war "der Aufzug der Neonazis unerträglich". Er forderte die Juristen auf, "einmal politisch zu entscheiden" und rechtsradikale Aufmärsche grundsätzlich zu verbieten. Peter Sowa von der Auslandsgesellschaft NRW unterstrich: "Es ist gut, dass wir hier sind und dass wir weitermachen."
Als dann der katholische Theologe Dr. Eugen Drewermann redete, klarte der Himmel auf. "Der Krieg selbst befreit von gar nichts", betonte Drewermann in seiner bemerkenswerten Rede zum Antikriegstag. Die westliche Welt habe 1989 die Chance vertan, Gorbatschows Angebot zur Abrüstung anzunehmen.
Schuld daran sind in seinen Augen vor allen Dingen die USA. Aber auch Deutschland, Ex-Kanzler Kohl und die Regierung unter Kanzler Schröder und Außenminister Fischer schonte Drewermann nicht. Heute locke man die Bundeswehr zu einem Auslandseinsatz nach dem anderen, aber "am Hindukush verteidigen wir gar nichts. Wir haben in Afghanistan nichts verloren".
Rund 150 Bürger nahmen an der Veranstaltung an der Steinwache teil; bis zu 1000 kamen zum Theatervorplatz, wo das Bündnis Dortmund gegen Rechts und das Friedensforum ebenfalls namhafte Redner zu Gast hatten. Darunter Esther Bejarano, die Vorsitzende des Internationalen Auschwitz-Komitees.
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