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"Dem Rathaus die Seele zurückgeben"

26.09.2008 | 23:02 Uhr

Am Montag war er einfach nur Dezernent für Kultur, Freizeit und Sport - nicht der allerschlechteste Job. Am Dienstag war er plötzlich SPD-interner Herausforderer von OB Gerhard Langemeyer. ...

Am Ende einer turbulenten Woche zeigt sich Jörg Stüdemann nachdenklich - aber auch kämpferisch. Der Blick ist nach vorne gerichtet. (Foto: Knut Vahlensieck)

... Am Mittwoch war er noch plötzlicher nur noch einer von zwei Herausforderern. Am Freitag ließ Jörg Stüdemann im Gespräch mit der WR eine turbulente Woche Revue passieren.Herr Stüdemann, Sie haben sich am Donnerstag vor der SPD beim Oberbürgermeister für Ihre Gegenkandidatur entschuldigt. War das nötig? Jörg Stüdemann: Menschlich war das aus meiner Sicht nötig, ja. Es geht in solchen Situationen immer auch daran, dass man mit sich selber im Reinen sein muss. Vor einiger Zeit hatte ich Gerhard Langemeyer erklärt, dass ich nicht kandidieren würde. Und dass ich es ihn wissen lasse, wenn sich an dieser Einstellung etwas ändern sollte.

Was genau hat Ihre Einstellung letztlich geändert?

Die feste Überzeugung, dass wir als Dortmunder SPD raus müssen aus der immer vertrackteren Situation der vergangenen Wochen und Monate. Dieser permanente Rechtfertigungsdruck: Das geht so nicht weiter. Sie kennen die aktuellen Umfragewerte in Bund und Land. Es geht jetzt um die politische Macht in Dortmund - allerdings nicht nur darum.

Sondern warum noch?

In der Verwaltung sind in letzter Zeit schwere personellen Fehlentscheidungen gefällt worden, die dem "Sozial" in SPD zuwiderlaufen. Da müssen wir eine deutliche Veränderung herbeiführen, wieder soziale Verantwortung zeigen und das Vertrauen der Beschäftigten zurückgewinnen. Das mag pathetisch klingen, aber wir müssen dem Rathaus ein Stück Seele zurückgeben. Darum - und nur darum - bin ich am Dienstag nach vorne geprescht. Mit allen Risiken . . .

"Die Situation ist sehr anstrengend und persönlich belastend"

. . . und die sind erheblich bei einer offenen Kampfansage an den eigenen Chef.

Natürlich ist das alles kein Spaß. Die Situation ist sehr anstrengend und auch persönlich belastend. Ich habe mir das wahrlich nicht leicht gemacht. Die Entscheidung ist letztlich erst am Dienstagmorgen gefallen.

Wenige Stunden später waren sie als Herausforderer der erklärte Wunschkandidat von Partei- und Fraktionschef. Wieder 24 Stunden später schuf Landesvorsitzende Hannelore Kraft völlig neue Fakten. Fühlen Sie sich düpiert?

Überhaupt nicht. Gewiss hatten auch Franz-Josef Drabig und Ernst Prüsse einen anderen Ausgang im Hinterkopf. Aber glauben Sie mir: Ich persönlich hatte alle denkbaren Varianten auf meiner Rechnung. Ich betreibe das politische Geschäft ja nun auch schon seit über 15 Jahren und weiß, dass sich manche Entwicklungen einfach nicht planen lassen.

Wenn Sie geahnt hätten, welche Wendung die Sache nimmt: Wären sie dann auch in die Bütt gegangen?

Nur anders herum wird ein Schuh draus. Hätte ich mich am Dienstag nicht in die Bütt getraut, wäre gar nichts passiert. Ullrich Sierau hat deutlich gesagt, dass er nicht gegen den OB antreten wird. Langemeyer wäre auf dem Nominierungsparteitag der einzige Kandidat gewesen.

Nun tritt Sierau doch an.

Nun haben wir ja auch eine völlig andere Situation. Frau Kraft hat die Karten neu gemischt.

Im Rathaus beginnt jetzt der Wahlkampf. Langemeyer gegen Sierau gegen Stüdemann. Wer macht in den nächsten Wochen eigentlich die Arbeit?

Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Das Tagesgeschäft wird nicht leiden. Wichtig ist, dass man endlich mal wieder zur Kenntnis nimmt, dass in Dortmund in den letzten Jahren unter Rot-Grün und mit Langemeyer, Sierau und Stüdemann eine sehr ordentliche Politik gemacht wurde. Die SPD und der Verwaltungsvorstand sind eine Erfolgs- und keine Skandaltruppe. Was den internen Wahlkampf angeht: Bis zur ersten Mitgliederversammlung haben wir noch etwas Zeit, um zu überlegen, wie wir miteinander und mit der Situation umgehen. Fest steht: Wir werden einen fairen Weg finden, denn alles andere würde der SPD und Dortmund schaden.

"Es sei denn, es ergibt sich eine neue Konstellation . . ."

Der OB hat den Amtsvorteil, Sierau gilt als top-vernetzt. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein? Wer wird das Rennen machen?

Das hängt wesentlich von den Anstrengungen und dem Mut ab, den man hat. Ich werde um die Nominierung kämpfen. Es sei denn, es ergibt sich noch einmal eine neue Konstellation, die für die SPD und die Stadt erfolgversprechender erscheint.

Sie sprechen in Rätseln. Was könnte das sein?

Das überlasse ich Ihrer Phantasie. Eine schöne Denksportaufgabe fürs Wochenende.

Von Frank Fligge



Kommentare
28.09.2008
13:59
Dem Rathaus die Seele zurückgeben
von wawi | #2

Ein Interview mit Tiefgang, mit klaren Aussagen, mit klaren Ansagen zu den politischen Dingen.
Prima finde ich die Aussage: Wir - die SPD - müssen wieder politische Verantwortung tragen.
Diese Aussage bedeutet gegen den Personal-Chef der Stadt Herrn Schieck - SPD-Mitglied- müsste die Partei ein Ausschlussverfahren eröffnen. Der Amtsleiter Personal hat das soziale in der Sache mit Füßen getreten.
Was noch auffällt in der Sache, dass die Arbeitsgemeinschaft plus60, die sich immer gerne als schweigende Mehrheit präsentiet, mit ihrem Vorsitzenden G.Kompe, noch nicht geäußert hat !
Wo bleibt bei dieser AG das politische Kreuz?
Farbe bekennen ist angesagt !

28.09.2008
10:28
Dem Rathaus die Seele zurückgeben
von Pit | #1

Und solche Worte von einem echten Seelchen.... Da kommen einem ja echt die Tränen.

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