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Rückblick 2011

Das Dortmunder „U“, eine Tragikomödie

31.12.2011 | 20:00 Uhr
Das Dortmunder U geriet 2011 nicht nur wegen höherer Kosten in die Kritik.

Dortmund.   2011 war kein gutes Jahr für den U-Turm: Steigende Kosten, immer noch kein Regelbetrieb und ein Gründungsdirektor, der sich vorzeitig verabschiedete – das Kreativzentrum kam aus den Schlagzeilen nicht raus.

2011 war kein gutes Jahr für den U-Turm: Steigende Kosten, immer noch kein Regelbetrieb und ein Gründungsdirektor, der sich vorzeitig verabschiedete – das Kreativzentrum kam aus den Schlagzeilen nicht raus.

Selbst im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler landete der U-Turm mit dem Vermerk, er liege „wie ein schwarzer Schatten auf dem städtischen Haushalt“. Tatsächlich waren die letzten zwölf Monate keine Erfolgsgeschichte: Als die Kulturbetriebe bei ihrem Abschluss für 2010 1,7 Millionen Euro Defizit durch höhere Ausgaben für Sicherheit, Brandschutz und Reinigung im U vermelden, lässt das Böses ahnen. Die nächste Ohrfeige bietet das Ergebnis der Sonderprüfung des Rechnungsprüfungsamts: Satte Steigerung der Kosten für Umbau und Sanierung des U-Turms um 52 Prozent von 54,8 Millionen auf 83,3 Millionen Euro – und der Rat wurde teilweise im Unklaren darüber gelassen. Der Zeitdruck, das U noch während des Kulturhauptstadtjahres zu eröffnen um entsprechende Fördergelder zu bekommen, habe eine valide Planung unmöglich gemacht – und Kostenexplosionen umso wahrscheinlicher.

Jährliche Kosten verschieben sich immer weiter nach hinten

Auch die Kalkulation der jährlichen Kosten für das U verschiebt die Verwaltung immer wieder nach hinten. Die Bombe platzt Ende November: In letzter Minute reicht die Stadtverwaltung die Vorlage ein – aus der klar wird, das ab 2013 pro Jahr über 10 Millionen Euro für Betrieb, Miete und Instandhaltung fällig werden. Eine drastische Steigerung zu den noch 2006 angenommenen 3,8 Millionen Euro. Stüdemann verteidigt die Entwicklung u.a. damit, dass das U nicht wie ursprünglich geplant ein nur teils ausgebautes Museum geworden ist, sondern ein vollgepacktes Kreativzentrum. Geschicktes Flächenmanagement soll die Kosten wieder reinholen.

Der U-Turm

Doch auch jenseits der Kosten gibt es Wirbel: Im August verkündet Gründungsdirektor Dr. Andreas Broeckmann, dass er Dortmund zum Oktober verlässt und an die Universität Lüneburg wechselt. Die Stadt macht das wenig glücklich; Jörg Stüdemann und Kurt Eichler, Leiter der Kulturbetriebe übernehmen erst einmal die Leitung. Und das kann auch noch ein wenig so bleiben, denn die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig: Niemand will sich auf den Posten einlassen, solange die Hierarchie nicht geklärt sind. Dass sich die „Führungssituation überlagert“, stört auch Stüdemann – zu viele Leute können beim U mitreden. Deswegen arbeitet er seit Frühjahr daran, mit einer Stiftung für Klarheit zu sorgen. Doch die Bezirksregierung lehnt die Gründung im November ab: Dass die Stadt die Stiftung mit 8 Millionen Euro jährlich langfristig unterstützen müsste, ist Arnsberg angesichts der Haushaltssituation zu heikel. Jetzt soll eine gGmbH Ruhe in den Turm bringen.

Gute Nachrichten gibt es dennoch

Und Zuschauer locken: 200 000 bis 300 000 pro Jahr hat Stüdemann als Ziel ausgegeben. Die teure Sonderschau „Bild für Bild“ des Museum Ostwall ist jedoch ein Flop – der Hartware MedienKunstVerein hingegen kann mit dem Japan Media Arts Festival toppen. Und auch Adolf Winkelmanns Bilder leuchten über der Stadt – auch wenn der Regisseur enttäuscht ist, das er für die Bespielung keinen Cent bekommt. Aus dem von ihm erlebten Crash von Kreativität und Bürokratie macht er sogar ein Theaterstück: „Winkelmanns Reise ins U“.

Ein paar gute Nachrichten gibt es aber doch: ecce, das Europäische Zentrum für Kreativwirtschaft, zieht zum U, das RWE Kino ist fertig, die Etage für Kulturelle Bildung startet durch und zum Ende des Jahres können Neugierige auch endlich die Dachterrasse betreten und den großartigen Blick über die Stadt genießen.

100 Wünsche für NRW im Jahr 2012

Nadine Albach



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