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Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie

26.05.2012 | 06:00 Uhr
Dortmunds Brückstraßen-Viertel leidet geschäftlich unter der Ansiedlung der Thier-Galerie.Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Ist die Thier-Galerie am Westenhellweg nun ein Gewinn für Dortmund oder zieht sie zuviel Kaufkraft aus dem übrigen Einzelhandel auf sich? Beim Buhlen um die junge Käuferschaft gerät etwa durch Primark das Brückstraßen-Viertel ins Hintertreffen. Die Händler berichten von Einbußen bis zu 30 Prozent.

Seit der Eröffnung des Thier-Centers am Westenhellweg in Dortmund bemühen sich Insider des Einzelhandels um Deutungshoheit. Ist der Einkaufstempel nun die erwartete Stärkung, oder ist er die befürchtete Schwächung der City?

Mit dem Einzug der besonders bei jungen Käufern beliebten irischen Textilkette Primark jedenfalls hat sich an einer anderen Stelle der Stadt etwas verändert, die seit Jahr und Tag auf die Jugend setzte: der Brückstraße. Meline Ebbinghaus, Sprecherin der Werbegemeinschaft: „Wir haben es negativ zu spüren bekommen. Alles Andere wäre unehrlich.“

Die ersten zwei Monate nach der ECE-Eröffnung seien „fast dramatisch“ gewesen. Inzwischen aber habe sich der Einzelhandel dort wieder erholt. Auch Pia Nehring von „Sidestep“ hat nichts gegen Thier. „Es hat die Stadt aufgewertet“, findet sie. Andererseits hat sie festgestellt, dass fast nur noch Dortmunder ins Geschäft kommen. „Ich hab schon wochenlang keinen Sauerländer Kunden gehabt.“

Thier-Galerie bringt Verkehr

Singh Gurmeet, der mit „Preet“ eins von bundesweit sechs Geschäften in der Brückstraße betreibt, ist kritischer. „Wir haben seit der Eröffnung des Centers mindestens 30 Prozent weniger Kunden.“ Man kämpfe noch. Aber er spricht auch von Aufgabe des Geschäfts.

Die Zeichensuche geht weiter. Hat beispielsweise die Eröffnung des Thier-Parkhauses mit 750 Stellplätzen für eine Veränderung der Käuferströme gesorgt, leiden andere Parkhaus-Betreiber wie SBB darunter? „Kaum“, sagt Galeria-Chef Bernd Düvel. „Wir haben ein bis drei Prozent an Parkvorgängen eingebüßt - je nach Monat.“ Das sieht SBB-Geschäftsführer Manfred Peukmann ähnlich. „Marginal weniger im Parkhaus am Hansaplatz, aber dafür am Westentor und an der Commerzbank erkennbare Zunahmen“, sagt er. Sein Eindruck: „Über Thier kommt mehr Verkehr in die Stadt.

Video
Überwiegend positiv, teilweise aber auch kritisch fiel die erste Resonanz auf die Thier-Galerie aus.

Die Thier Galerie-Ansiedlung ist jahrelang politisch brisant diskutiert worden. Und nicht jeder möchte namentlich Stellung beziehen - so aber doch Stellung nehmen. Jemand, der sich mit dem Einzelhandel in der Stadt gut auskennt, weiß von zwei elektronischen Frequenzzählungen größerer Unternehmen. Ergebnis: „20 Prozent weniger Kunden.“ Ob nun jedes Prozent mit Thier zusammenhängt, oder ob das maue Frühjahrsgeschäft Schuld daran trägt, steht dahin. Aber für ihn ist es nicht überraschend, „dass sich durch Thier die Entwicklung verschärft“.

Fragiles Stadtviertel

Wenn das in der Brückstraße passiere, so Ulf Wollrath, in der IHK zuständig für den Handel, „wäre das natürlich nicht im Sinne der City-Entwicklung“. Zumal die Brückstraße und ihr Umfeld sowieso als fragiles Viertel gilt. Für eine Bestandsaufnahme aber sei es noch zu früh. „Im Juli 2011 hat man an sieben Punkten in der Stadt die Passantenströme gemessen“, meint er , die nächste Untersuchung stünde in drei Jahren an.

Eine lange Zeit für die Brückstraße, die Quartiersmanager Rolf Kuttig nicht ungenutzt verstreichen lassen will. „Wir haben eine Zielgruppe, die Geld nur einmal ausgeben kann.“ Die Jugend eben. Und wenn sie es im Thier-Center tue, dann eben nicht im Quartier. Ganz klar habe Thier „Potenziale abgezogen, und das ist ein Problem für den ein oder anderen“. Dagegenhalten ist seine Devise. Kuttig ist derzeit mit dem Aufbau eines Internet-Auftritts befasst. Es soll „BrücksWeb“ heißen und im Herbst mit Infos über Aktionen und auch Angeboten auf Sendung gehen. „Mit BrücksWeb wollen wir die Jugend auf der Welle erreichen, die sie reitet - dem Internet.“

Thier-Galerie eröffnet

Dirk Berger



Kommentare
27.05.2012
22:35
Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie
von Dortmund4Life | #11

Nun macht Primark also andere Geschäfte kaputt? Saturn hat Berlet kaputt gemacht, Amazon hat Quelle kaputt gemacht, dm hat schlecker kaputt gemacht, wo ist das Problem?? Wenn nun der eine Ramschladen (Primark) mehr bietet als der andere (z.b. Schwarze), dann gewinnt eben der bessere. Dieses ständige Rettenwollen von Geschäften, die nicht mehr funktionieren... aber das ist ein anderes Thema!

27.05.2012
11:25
Gibt es doch schon
von DEWFan | #10

und zwar im Kreuzviertel und in der Kaiserstraße. Im Kreuzviertel allein sind ca. 5 Weinhändler und ein Geigenbauer (!) zu finden. Das ist doch sehr gediegen, oder?

Ist aber nicht gerade die Zielgruppe der Käufer von runterrutschenden 30 € Jeans der Marke "Ghettoking".

Ansonsten war es klug von den Planern der Thiergalerie, keine "neue Mitte" irgendwo in die Pampa zu setzen, sondern das Einkaufszentrum in der Innenstadt zu bauen.

Was das Leben in der Brück angeht, ist es ein auf und ab im Laufe der Jahrzehnte. Sicher gab es früher mehr Diskos und szenige Kneipen. Dafür kann und möchte man heute - auch Dank des Wandels durch das Konzerthaus - schön draußen sitzen. Z.B. in der Gerberstraße im Chill´R oder auch gegenüber. Wär hätte das in den 80ern oder 90ern gedacht?

27.05.2012
09:21
Das Konzerthaus wird im Zweifel der Rettungsanker für das Viertel
von meigustu | #9

denn die Zielgruppe für diese Läden im Brückviertel schwindet doch schon lange. Die einen gehen zwangsweise lieber KIKen die anderen in die gelackten Malls.

Was Dortmund, dem Osten des Reviers und Südwestfalen fehlt ist ein Viertel mit gediegenen Lädchen in der deren Zielgruppe relaxt unter seinesgleichen chillen und kaufen kann.

26.05.2012
22:39
Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie
von bladimeri | #8

Das Konzerthaus ist ein absolute Fehlplanung! Was soll das dort? Es ist ein Fremdkörper. Das Umwelt ist jahrzehnte lang gewachsen, wie kann man da von heute auf morgen einen Wandel zum "Edelviertel" erwarten?

Der Primarkt wird für viele Geschäftsinhaber im Brückviertel das Aus bedeuten.

Also - eine Neubesinnung ist erforderlich. Vielleicht kann sich Herr P. aus M. doch mal dazu durchringen, eine mittelfristige Wandlung zum "Besseren" herbeizuführen.
Doch dazu müsste er sich von seinen "Münchener Mietvorstellungen" ein wenig verabschieden! Die Brückstraße ist nun mal nicht die 1-A-Lage der Bayerischen Landeshauptstadt!!

1 Antwort
Das Konzerthaus mitten ins Brückstraßenviertel zu setzen,
von chain | #8-1

...halte ich immer noch für eine gute und mutige Idee. Der Mix macht es doch erst lebendig! Orchesterzentrum, Dönerbuden und Baguetterien, Klamottenläden, Samen Köddermann, das Spirit, die Hirsch-Q... unmd das alles auf engstem Raum. Mir gefällt es!

26.05.2012
13:51
@Eduard79 | #4
von vaikl2 | #7

Mehr als "Rumkrähen" konnte ich Ihrem Kommentar jetzt aber auch nicht entnehmen...

Seit ein gewisser Gebäudereiniger sich mit dem Konzerthaus seinen "Traum" erfüllen wollte und dabei auch auf die "Reinigungskräfte" von Rockerclubs setzte, die nun immer häufiger auch im rechtsradikalen und kriminellen Umfeld verortet werden, ist das Brückstraßenviertel mit Wohlwollen der Stadt zu einer sterilen Karikatur seiner lebendigen Vergangenheit mutiert.

Mit einer plumpen Website nun zu glauben, "Jugendliche" dort zum Shoppen animieren zu können, ist ähnlich produktiv wie Jugendlichen ihren Bolzplatz zu schließen und anschließend ebendort bunte Plastikbälle zum Kauf anzubieten.

Die Brückstraße war und ist das ungeliebte Zentrums-Blag der Dortmunder Wirtschaftsförderung und halbgare "Rezepte" werden die einstige "wilde" Attraktivität nicht mehr zurück holen.

26.05.2012
12:49
Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie
von osis | #6

Wie überraschend... Das die Plastikeinkaufswelten die Umgegung stören und den kleinen Handel zerstören.

26.05.2012
12:13
Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie
von drAlfahrt | #5

Ach neeh - wer hätte das denn gedacht? Das ist also die "Belebung der Innenstadt durch die zusätzliche Kaufkraft aus dem Umland, die durch die Thier-Galerie nach Dortmund strömen sollte"?

Einerseits hat Dortmund durch die Thier-Galerie durchaus an "Strahlkraft" gewonnen und Einkaufstempel dieser Art und Grösse gehören heute zu jeder Grosstadt aber das negative Auswirkungen auf City-Randlagen eintreten würden, musste doch auch klar sein - oder? Und - das Brückstrassenviertel hat durch das Konzerthaus und das Orchesterzentrum - die da nicht reinpassen - eine Aufwertung erfahren aber die wachsenden Probleme des Brückstrassenviertels sind zunehmend erkennbar.

1 Antwort
@DrStronzo
von chain | #5-1

Schon mal darüber nachgedacht, wegzuziehen? Ja neeh is klar - oder? Ihre immer gleiche Besserwisserei, das substanzlose Genöle und ihr ewig gleicher infantiler Schreibstil nervt.

26.05.2012
11:18
Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie
von Eduard79 | #4

Kommentar 1 und 2 sind wirklich messerscharfe Analysen. Warum werdet ihr keine Politiker, Stadtplaner oder ähnliches? Wahrscheinlich ginge es uns dann allen besser - denn ihr wisst ja, wo die Probleme liegen.

Naja....aber vielleicht habt ihr auch keine Lösungen, sondern kräht nur rum.

Kommentar #3 schlage ich zur Löschung vor. Unterirdisch.

1 Antwort
Dr. Eduard
von Hansiwurstl | #4-1

unser Schlauberger...

26.05.2012
11:13
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.05.2012
10:43
Brückstraßen-Viertel in Dortmund leidet durch Thier-Galerie
von darum | #2

Die Brückstraße ist schon seit Jahren ein Schandfleck mit Billigläden und Dönerbuden so wie einer Kneipe wo man sich Nachts nicht mehr her traut weil dort die Leute die komplette Fußgängerzone für sich beanspruchen und ihre "Partys" feiern und viele Jugendliche im Alkoholrausch meinen Sie sind die Herren dort. Das Image sollte durch Konzerthaus und Orchesterzentrum aufgewertet werden das war aber wohl ein Schuss in den Ofen

1 Antwort
Wenn Sie die Hirsch-Q meinen,
von chain | #2-1

verstehe ich Ihr Gejammer nicht. Was Sie diesbezüglich bemängeln, ist mir noch nicht aufgefallen. Zum Thema Aufwertung - auch ein Kommentar könnte aufgewertet werden, beispielsweise durch die Verwendung des ein oder anderen Kommazeichens.

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