Bewährungsstrafen für drei Neonazis
07.01.2008 | 20:26 Uhr 2008-01-07T20:26:59+0100Drei Dortmunder Neonazis sind vor dem Amtsgericht in Minden wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen, Geldstrafen und Sozialstunden verurteilt worden.
Auf der Rückfahrt von einem Neonaziaufmarsch in Hildesheim am 24. Februar letzten Jahres entdeckte die 20-köpfige Gruppe aus Dortmund im Regionalexpress drei junge Gegendemonstranten im Alter von 16 bis 18 Jahren. Sie nahmen sich "die Zecken" vor, schlugen und traten auf sie ein. Weitere Antifaschisten kamen dem Trio zu Hilfe, die Verletzungen am Kopf und im Gesicht erlitten hatten und im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die alarmierte Bundespolizei holte jedoch nur die Antifaschisten aus dem Zug.
Zuvor sollten die Opfer noch die Täter identifzieren. Da sich diese jedoch mittlerweile vermummt hatten, fiel dies schwer. Lediglich drei Angreifer konnten sie identifizieren. Auf die Bitte, die Beamten sollten die Angreifer dazu auffordern, die Vermummung abzunehmen, sollten diese abgewunken haben: Dafür hätten sie keine Zuständigkeit. Dies schlug Wellen bis nach Berlin und führte zu einer Anfrage der Links-Partei im Bundestag.
Daher konnten nur Björn T., Mario S. und Mathias T. für die Tat haftbar gemacht werden. Die ebenfalls einschlägig bekannten Dortmunder Neonazis Dennis G. und Dietrich S., die Organisatoren der letzten Neonazi-Aufmärsche in Dortmund, kamen deshalb um eine Anklage herum. Verteidigt wurde das Trio ebenfalls von bekannten Verteidigern der rechtsextremen Szene: Der Dortmunder Andre? Picker, Vorstandsmitglied bei "Pro NRW", sowie seine Kollegen Markus Beisicht und Judith Wolter, der Vorsitzende von "Pro Köln" und seine Stellvertreterin. Beide Organisationen werden vom Verfassungsschutz beobachtet.
Die drei angeklagten Dortmunder wurden am zweiten Verhandlungstag in Minden zu acht beziehungsweise sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem bekamen die drei weitere Auflagen: So muss Mario S. 1200 Euro Geldstrafe bezahlen, Mathias T. 600 Euro und Björn T. 120 Sozialstunden ableisten. Keine Rolle spielte im Übrigen - wie so häufig - die politische Motivation der Tat. Verurteilt wurden sie "nur" wegen der gefährlichen Körperverletzung.
18:13
Aber was ist das wieder!
Warum werden die nicht richtig verurteilt, will man behaupten, die Strafe sei Tatangemessen. Da lacht das Faschistenherz.
Erst wer einmal Opfer einer Gewalttat war oder deren Folgen unmittelbar innerhalb der Familie zu spüren bekam, kann ein ehrliches Urteil Fällen, egal ob Nazis beteiligt sind oder nicht. OPFER wollen, dass die Tat angemessen gesühnt wird,
21:39
Rosen auf den Weg gestreut
Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!
Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.
Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen ...
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!
21:36
Glückwunsch, Dortmund!
Da wird doch dein Nazi-Problem tatsächlich zum Export-Schla(e)ger. Nun ja, wenn man es nur lang genug verharmlost und ignoriert...
Es soll ja alles besser werden im neuen Jahr, Gelder werden zur Verfügung gestellt und einige Politiker der Stadt sind persönlich engagiert. Was aber neben einer klar anti-faschistischen Kultur ebenfalls dringend gefördert werden muss, ist die Perspektive der Jugend an sich. Auch eine funktionierende Schulbildung sowie hinreichend Ausbildungsplätze müssen als Teil eines politischen Kampfes gegen faschistische Umtriebe verstanden werden. Und: nicht zuletzt die Jugendhilfe -da wurde in den vergangenen Jahren ja mehr als genug gestrichen! Dieser Fehler gehört zwingend rückgängig gemacht, demokratische Jugendorganisationen tragen schließlich zur Förderung eigenständig denkender Persönlichkeiten bei. Und solche gehen den braunen Rattenfängern nicht so fix auf den alten Leim...