Bei Nervenärzten liegen Nerven blank
19.03.2009 | 20:30 Uhr 2009-03-19T20:30:00+0100
Dortmund. Bei den Nervenärzten liegen die Nerven blank. Sie zählen sich zu den Verlierern der Honorarreform für medizinische Leistungen. Mit einer Aktionswoche protestieren die Mediziner gegen ihrer Meinung ruinöse Bezahlung ihrer Leistungen, die auf Kosten der Patienten gehe.
37 bis 42 Euro für einen Patienten im Quartal - „dafür kann man einen Patienten nicht adäquat behandeln”, sagt Ina Retkowitz, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung. Zu den Nervenärzten und Psychologen kämen überwiegend chronisch Kranke, erläutert die Sprecherin. Depressive und andere Kranke mit tiefgreifenden Problemen. Und diese könne der Arzt einerseits nicht in Minutenschnelle abfertigen. Außerdem seien wiederholte Arztbesuche binnen dreier Monate wahrscheinlich. Damit sei das Minusgeschäft vorgezeichnet.
Perspektivlosigkeit
Noch bis Freitag läuft die deshalb die Aktionswoche der Dortmunder Nervenärzte, Neurologen und Psychiater aus 18 Praxen, um auf die Perspektivlosigkeit bei der Behandlung vor allem der chronisch kranken Menschen aufmerksam zu machen.
Dr. Martin Bauersachs: „Insbesondere Menschen mit kostenintensiven Erkrankungen wie Depressionen, Parkinson oder Demenz müssen immer stärker unter dem Sparzwang der Gesundheitspolitik leiden.”
Der Spagat zwischen den ökonomischen Anforderungen an niedergelassene Nervenärzte und den Bedürfnissen der Patienten werde immer größer. Das Qualitätsnetz rechnet vor: Wenn ein Patient mit anhaltendem Kopfschmerz in die Praxis kommt, können rund 26 Euro für die Befragung, neurologisch-psychiatrische Untersuchung, Beratung und Behandlung bei einer Dauer bis 19 Minuten berechnet werden.
»1000 Patienten im Quartal durch die Praxis schieben.«
Dauern die Untersuchung und das Gespräch 20 bis 29 Minuten, gibt es noch einmal 13 Euro.
Macht der Arzt dann noch ein EEG, kommen weitere rund 25 Euro hinzu – zusammen also etwa 64 Euro. „Damit ist die Pauschale aber schon beim ersten Besuch des Patienten im Quartal überschritten”, so Bauersachs. „Es gibt höchstens 42 Euro, alle weiteren Leistungen im ganzen Quartal erbringt der Arzt unentgeltlich.”
Der Trend gehe immer mehr hin zur Apparatemedizin; die sprechende Medizin hingegen sei zeitaufwändig, erfordere viel persönlichen Einsatz und gerate immer mehr ins Hintertreffen. Retkowitz bekräftigt: „Rund 1000 Patienten muss ein Nervenarzt heute im Quartal im Rahmen einer 60-Stunden-Woche durch die Praxis schieben , um existenzfähig zu bleiben.”
Dabei handelt es sich oft um Maßnahmen, die stationäre - teure - Untersuchungen ersetzen können. Würden die niedergelassenen Ärzte ihre Patienten in Kliniken einweisen, wäre dies bei weitem teurer und würde das Gesundheitssystem zum Kollaps bringen.
10:06
Im JOHO auf der Krebsstation warten nun schon bereits seit Tagen Patienten mit Schmerzzuständen auf neurologische Untersuchungen. Bei allem Respekt vor dem Streik - dies ist so nicht hinnehmbar. M.E. ist hier schon die Grenze zu einer Straftat überschritten.
Es kann nicht angehen, dass Ärzte, den Profit über das Wohlergehen der Patienten stellen. Ein solcher Arzt ist fehl am Platze und gehört ausgeschlossen. Vielleicht sollte hier die Kassenärztliche Vereinigung informiert werden. Ein Notdienst scheint kaum zu funktionieren. Alles in allem wird der Streik auf dem Rücken der Patienten ausgetragen.
12:30
Die deutsche Ärzteschaft sollte mehrheitlich ihre Kassenzulassungen zurückgeben und auf einer vernünftigen, nachvollziehbaren Honorarbasis abrechnen. Das wäre dann zwar das Ende der Kassenärztlichen Vereinigungen und etlicher Krankenkassen aber es würde dem Wohl der Patienten und der Gerechtigkeit dienen.
Das deutsche Gesundheitssystem ist mittlerweile derart marode und von Bekloppten zusammengeschustert, daß es mit normalem Verstand nicht mehr zu fassen ist. BRD-endzeitgemäß eben ....
09:00
Die nächste Sonntagskollekte sollte unseren notleidenden Ärzten zugute kommen.
06:12
hat die PKV nicht die Honorare, Tantiemen oder Gagen ausgehandelt ihr lieben Ärzte?
21:42
diese lüge mit den 37 bis 42 euro stimmt so auch net, hinzo kommen die honarationen und folgekosten. dass dies von den ärzten so gut wie nie erwähnt wird ist wirklich ertsaunlich...wahrscheinlich können sie so besser mitleid erhaschen.
20:35
In einem Punkt hat es der Sprecherin offenbar die Sprache verschlagen: Die angeblichen 37 bis 42 Euro können nicht der angeblich völlig unfähigen Gesundheitsministerin angelastet werden. Das sind die Beträge, die genau diese Standesorganisation ihren Mitgliedern zugesteht. Solange sich die Ärzte ducken und sich von ihren eigenen Funktionären verscheissern (und prächtig schröpfen) lassen, sollten sie den Ball lieber ganz flach halten.