Auch Seniorenheime spüren Kostendruck
01.07.2009 | 18:14 Uhr 2009-07-01T18:14:00+0200Die Städtische Seniorenheim gGmbH droht in schweres Fahrwasser zu geraten: "Wir müssen das Ruder herumwerfen", sagt Geschäftsführer Martin Kaiser.
Sinkende Einnahmen auf der einen Seite, steigende Ausgaben für Personal, Energie und Dienstleistungen auf der anderen. Und immer mehr Senioren, die auch im hohen Alter lieber in ihrer Wohnung leben als im Heim: Martin Kaiser, Chef der Städtischen Seniorenheime Dortmund gGmbH, hat seine Belegschaft auf neue Zeiten eingeschworen. Seine Botschaften gestern: Betriebsbedingte Kündigungen sind kein Thema. Aber neues, zusätzliches Personal eben auch nicht. Und: „Ein Weiter-So wird es nicht geben.”
Bislang gilt die Seniorenheim GmbH als kerngesundes Unternehmen. Daran ändert auch der Verlust von 922 000 Euro nichts, den die gemeinnützige Stadt-Tochter 2008 erwirtschaftet hat. Acht Häuser, 986 Pflegeplätze. Eine satte Eigenkapitalquote von 52 Prozent. Und genug Geld in der Hinterhand, um millionenschwere Um- und Neubauten mit 50 Prozent Eigenanteil hochzuziehen - davon können andere nur träumen. Doch langsam beginnt das Fundament zu bröckeln: Diverse Eingriffe des Gesetzgebers haben zur Folge, dass sich die Gewichte verschieben. Ausgerechnet die Einnahmen aus dem Kerngeschäft, der stationären Pflege im Heim, geraten ins Trudeln. Zunehmend gefragt (und langfristig mehr Ertrag versprechend) sind Alternativen wie Service-Wohnen: Ältere Menschen bleiben länger in ihren bekannten vier Wänden - oder sie ziehen in eine seniorengerechte Wohnung und bestellen sich Pflegepersonal, Mahlzeiten-Service oder Putzhilfen ins Haus.
Folge: Die Betten in den Häusern der Seniorenheime stehen länger leer. Die Auslastungsquote in der Langzeitpflege sank innerhalb der vergangenen vier Jahre von 99,74 auf 99,04 Prozent. Noch 2005 bekam die Stadt-Tochter im Schnitt 849,8 Betten voll, 2008 waren es 835,1. Die Konsequenz liegt für Geschäftsführer Kaiser auf der Hand: ein sprübarer Kurswechsel. „Wir werden keine stationären Plätze mehr bauen.” Stattdessen werde man die Zahl der Service-Wohnungen mittelfristig deutlich erhöhen, von derzeit knapp 50 auf mehr als 200.
Der Richtungsschwenk entbindet aber nicht von der Notwendigkeit, Arbeitsabläufe neue zu organisieren und die Kostenbremse zu treten. „Es muss uns gelingen, das Ruder herumwerfen”, sagt Kaiser. Schützenhilfe bekommt er dabei von Grünen-Fraktionschef und OB-Kandidat Mario Krüger. Der plädierte in einer der jüngsten OB-Runden erneut dafür, den Seniorenheimen (wie auch dem Klinikum) die Freiheit zu geben, Dienste wie Gebäudereinigung, Essensversorgung und Wäscherei bei prviaten Anbietern auf dem freien Markt einkaufen zu dürfen, nch eigenem Gutdünken. Denn genau das dürfen beide Stadt-Töchter nicht mehr. Sie sind gezwungen, ihre Bestellungen bei der „ServiceDo GmbH” einzureichen, einer weiteren kommunalen Gesellschaft, die allein für Klinikum und die Seniorenheime ins Leben gerufen worden ist. „Die Gesellschaft war gegründet worden, um Synergien zu schöpfen und die Einkäufe für Seniorenheime und Klinikum billiger zu machen”, erinnert Krüger. Nur ging der Schuss glatt nach hinten los, sagen Insider. ServiceDo sei im Schnitt „10 bis 15 Prozent” teurer als vergleichbare Anbieter. Ernüchtert stellt Krüger fest: „Von den erhofften Spareffekten ist nichts eingetreten.” Die Konstruktion habe sich nicht bewährt und müsse weg. „Seniorenheime und Klinikum müssen wieder selbstständig agieren können.” Damit dürfte Krüger, ein Intimus in Sachen Klinikum, bei Seniorenheim-Chef Kaiser offene Türen einrennen. Der erwartet von seinen Beschäftigten zusätzliche Vorschläge, an welchen Ecken Kosten gedämpft werden könnten. Kaiser: „Ende 2010 muss unser Konzept stehen.”
05:00
Ich vermute mal so ins Blaue, Dass andere Anbieter nur deshalb billiger anbieten, weil deren Personalkosten hart am Wind, bzw. von ARGE-Leistungen bezuschusst sind.
Somit sehe ich nur zwei sinnvolle Möglichkeiten:
1. ServiceDo steht zu ihren Personalkosten, weil z.B. die Mitarbeiter nicht entwürdigend niedrig bezahlt werden sollen, bzw. es erfolgt eine magische Einsicht dass eine Umlage auf Transferleistungen zwar die eigene Bilanz schönt, aber mangels Wertschöpfung die Allgemeinheit die Zeche zahlt.
2. Die Mitarbeiterschaft der ServiceDo GmbH wird mit den selben Mitteln, die einem privaten Anbieter zur Verfügung stehen, im Lohn gesenkt. Die Mehrkosten des Profits eines privaten Anbieters entfallen allerdings.
Vermutlich wird aber ServiveDo geschasst, damit irgendein anderer das total viel billiger anbieten kann. Hey, hat man Geld gespart. Geht doch. Und wenn dieser Bösewicht dann ins Gerede kommt, dann macht man halt ne Ausschreibung. Auf gar keinen Fall selber machen. Gibt nur Tarifstress.