Armes Dortmund
18.05.2009 | 18:29 Uhr 2009-05-18T18:29:00+0200Armes Deutschland. Hier mehr, dort weniger. – Mit dem ersten „Armutsatlas” hat der Paritätische gestern Armut eine Adresse gegeben. Für Dortmund (mit Unna und Hamm) geht die Studie von einer Armutsquote von 18 Prozent aus.
„Der Mensch lebt in der Region. Nicht im Durchschnitt.” Zu lange, sagte gestern Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, habe man sich an bundesweiten Quoten orientiert. Die regionale Aufschlüsselung der Einkommen zeige die tiefen Klüfte zwischen einzelnen Regionen: 7,4 % im Schwarzwald, 27 % in Vorpommern. Dazwischen dümpelt die Region Dortmund als Schlusslicht in NRW (14,6 %). Hier wird immerhin jeder Siebte als arm eingestuft.
Was bedeutet das: arm sein? Wieder Durchschnittswerte: wer weniger als 740 Euro im Monat hat, gilt als arm. Bei Ehepaaren wird die Grenze bei 1 324 € gezogen. Kinder dagegen zählen deutlich weniger: Bei Alleinerziehenden kommen selbst drei Köpfe nicht an das Mindesteinkommen zweier Erwachsener heran (1177 €).
„Dass Armut zunimmt, sehen wir ja selbst”, betont Marianne Schobert, Geschäftsführerin des Paritätischen in Dortmund: Zum Beispiel bei der Wohnungsloseninitiative „Das Gasthaus” mit mehr als 200 Menschen täglich, in Kindertagesstätten, im Offenen Ganztag, an den monatelangen Wartelisten der Schuldnerberatung.
Dagegen hält Dortmund mit dem „Aktionsplan Soziale Stadt”. Hier werde vor allem das Thema öffentlich diskutiert und aus der Scham-Ecke heraus geholt. Allerdings, sagt Norbert Zimmering, Vorsitzender des Paritätischen, könne der Ruf nach mehr Bildung nicht alleiniges Mittel gegen Armut sein. Und können die Städte „nicht ständig das ausbaden, was Bund und Land auf anderer Ebene nicht geregelt bekommen”, fordern auch die Grünen einen nationalen Aktionstag.
16:18
Wer schlau ist und sichs leisten kann, geht aus Dortmund weg. Was übrig bleibt, konnte man ja am 01. Mai erleben.
08:24
Die Schlussfolgerungen für Dortmund sind offensichtlich. Die vielen gering oder gar nicht qualifizierten Langzeitarbeitslosen brauchen einfache Jobs, damit sie jemals wieder in Arbeit kommen. Natürlich werden die nicht gut bezahlt. Darüber hinaus muss die Stadt muss das wenige Geld, das sie hat, in Bildung und Qualifizierung stecken (nicht in Prestigeobjekte), damit vor allem junge Menschen zumindest eine Chance auf bessere Jobs bekommen. Andere Städte wie z.B. Stuttgart, das in den 1960er-Jahren ein Provinzkaff war, haben gezeigt, dass man mit der richtigen Politik und einem langen Atem viel erreichen kann. Leider gibt es in Dortmund zu viele Verweigerer, Bedenkenträger, grüne Spinner (die meisten davon verbeamtet) und Sozialromantiker. Unternehmen gehen dorthin, wo sie die attraktivsten Rahmenbedingungen haben. Und das ist beileibe nicht nur das liebe Geld. So liegt z.B. die Zahl der Hochqualifizierten in Dortmund weit unter dem Durchschnitt der zehn größten deutschen Städte.
01:00
Armes Dortmund - ja wahrlich. Was aber war nach dem Massensterben der industriellen Arbeitsplätze denn anderes zu erwarten? Die wenigen Hitech-Arbeitsplätze und die kuriosen Niedriglohn-Jobs sind eben kein adäquater Ersatz.
Mit ihrer Analyse haben die *********** des DPWV recht. Doch was sind die politischen Schlussfolgerungen aus dem Dilemma?