223 von 254 Mitarbeitern wollen in den Betriebsrat
22.01.2010 | 18:51 Uhr 2010-01-22T18:51:00+0100
Dortmund. Ein Gefecht auf allerhöchstem Niveau kämpfen die Westspiel-Geschäftsführung und der Betriebsrat aus. Es geht um 46 von 254 Stellen, die in Dortmunds Casino abgebaut werden sollen. Taktischer Höhepunkt: 223 der 254 Mitarbeiter kandidieren für eine Mitgliedschaft im 9-köpfigen Betriebsrat.
„Weil man als Kandidat Kündigungsschutz genießt”, so Manfred Mahlmann, Direktor für Kommunikation und Recht.
Mahlmann und auch Westspiel-Sprecherin Katrin Koch weisen beide darauf hin, dass die wirtschaftliche Lage im Unternehmen keine Taktikspiele mehr trägt. Man habe den Betriebsrat für Anfang Februar zu einem Gespräch eingeladen. „Wir können uns nicht mehr länger mit Formalismus bekämpfen”, so Mahlmann. Der Arbeitsplatzabbau sei vonnöten.
Zu niedrige Angebote
Westspiel hatte bereits im November versucht, über ein „Freiwilligenprogramm” (Abfindungen) im Casino Hohensyburg die Mitarbeiterzahl zu reduzieren. 20 Kollegen hätten sich gemeldet. Der Betriebsrat hatte dagegen eine Einstweilige Verfügung erwirkt, weil so etwas über Sozialplan und Interessenausgleich geregelt werden müsse. Außerdem seien die Angebote zu gering gewesen. Mahlmann hält dagegen: Unter Umständen würden die Mitarbeiter höhere Zuwendungen über Abfindungen kassieren als über einen Sozialplan.
„Die Angebote waren viel zu niedrig”, so der Gesamtbe-triebsratsvorsitzende Albrecht Harmsen. Man müsse bedenken: „Kein Casino in Deutschland sucht Croupiers, und die Kenntnisse braucht auch kein anderer Bereich.” Ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr reiche nicht, wenn man 48 Jahre alt sei.
Taktische Bewerbung
Das Arbeitsgericht hatte in der Folge die Einrichtung einer Einigungsstelle verfügt. Durch einen Formfehler würde sich nun eine Verschiebung um Monate ergeben. Zeit, die man nicht mehr habe, weil sich die Wirtschaftssituation weiter verschlechtere und immer weniger Geld für den Sozialplan bliebe. „Wir sind jetzt angewiesen, etwas zu tun.”
Sagt Sascha Tiefenbach, Betriebsratschef von Hohensyburg auch. Es sei aber keineswegs so, dass die Bewerber für den Betriebsrat alle ihr Heil in der Mitarbeitervertretung suchen würden. Vielmehr sei es so, dass sie eine Gruppe von Bewerbern, die quasi von oben verordnet den Betriebsrat unterwandern sollen, mit ihren Bewerbungen blockten. „Ich seh' das als Unterstützung für uns”, sagt er. Und was die wirtschaftliche Gesamtlage angeht: „Westspiel ist alles, nur nicht wirtschaftlich marode.”
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