Das aktuelle Wetter Bochum 6°C
Brandserie

Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße

31.05.2012 | 18:46 Uhr
Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße
Tatort Reichsstraße 4 : Bettina Paulmann mag hier nicht mehr wohnen, Nachbar Wolfgang Fischer spekuliert wie so viele über den Brandstifter.

Bochum.   Ein Mehrfamilienhaus im Bochumer Stadtteil Hamme brennt sechsmal innerhalb von nur drei Wochen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, ermittelt - bislang ohne Ergebnis. Die Bewohner haben Angst vor dem unheimlichen Brandstifter und finden kaum noch in den Schlaf.

Aus dem Keller dringt immer noch der beißende Geruch von Verbranntem, von Rauch. Und auch oben, in der zweiten Etage, wo sie wohnt, riecht es so, als ob das Feuer eben erst gelöscht worden sei. 76 Jahre alt ist die Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ein Alptraum, was sie zur Zeit durchmacht. Sechsmal in nur drei Wochen hat es in ihrem Haus im Bochumer Stadtteil Hamme gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, sucht verzweifelt den Täter. Die alte Dame schläft währenddessen, wie sie sagt, nur noch mit offenen Augen.

Es beginnt, relativ harmlos, mit einem Kellerbrand. Am 11. Mai um 19.24 Uhr rückt die Bochumer Feuerwehr erstmals in Richtung Reichsstraße 4 aus. Noch ahnen die Einsatzkräfte nicht, dass sie schon bald jeden einzelnen Bewohner dieses 50er-Jahre-Mietshauses kennen werden. Und wer die Internet-Seite der Feuerwehr besucht, kann nachvollziehen, wie das Geschehen auch in deren Kreisen an Dramatik gewinnt: „Erneut Kellerbrand in Hamme“, heißt es am 14. Mai, „Viertes Feuer im selben Haus“ (20. Mai) und „Schon wieder Kellerbrand ... sechstes Feuer im selben Haus“ (29. Mai). Zweimal erleiden Bewohner sogar Rauchvergiftungen, müssen sie im Krankenhaus behandelt werden.

Feuerwehr und Kripo stehen vor einem Rätsel

„Wir rechnen in der Leitstelle jeden Moment damit, dass es wieder heißt: ‘Reichsstraße 4’“, sagt Wehr-Sprecher Simon Heißen und: „Das nehmen wir sehr ernst, schließlich ist noch niemand festgenommen worden. Und wir gehen davon aus, dass Menschenleben in Gefahr sind.“

Vor einem Rätsel steht auch die Bochumer Kriminalpolizei, die wegen Brandstiftung ermittelt. Nach dem vierten Brand dort, dieses Mal im zweiten Stock, nimmt sie einen Tatverdächtigen fest. Dennis, 26 Jahre, arbeitslos und Bewohner jener Wohnung, in der am 20. Mai kurz vor zwei Uhr nachts, plötzlich ein Stuhl Feuer gefangen haben soll. Dennis wird allerdings bald wieder freigelassen, obwohl die Polizei noch gestern in diesem Zusammenhang von „einigen merkwürdigen Dingen“ spricht. Seine Mutter Bettina Paulmann beschwört, ihr Sohn sei „es wirklich nicht gewesen!“

Die Spuren der sechs Brände haben das Haus gezeichnet.

Sie selbst habe „richtig Angst“, jedes Geräusch mache sie nervös. „Ich suche mir eine neue Wohnung, ich halte es hier nicht aus“, sagt die 46-Jährige, die selbst im Hochparterre wohnt. Wie die Polizei geht auch sie davon aus, dass der Täter aus dem Umfeld des Hauses stammt. „Das muss jemand sein, der einen Schlüssel hat. Unser Keller ist schließlich immer abgeschlossen“, sagt Bettina Paulmann.

Kein Vorzeige-Quartier

Die Bochumer Reichsstraße ist trotz manch frisch getünchter Fassade alles andere als ein Vorzeige-Quartier. Viele Ausländer leben hier, wenige Deutsche. Ärmere Menschen vor allem, arbeitslose. Ärger im Haus, unter den Mietern, habe es jedoch nicht gegeben, betonen alle. Man lebt offenbar eher nebeneinander her. Mit dem Vermieter, einem Bochumer Makler, der das Haus vor 14 Jahren erwarb, verstehe man sich gut.

Es ist etwa 22.40 Uhr am Dienstag letzter Woche, als Christian Roßbach von seiner Arbeit im Supermarkt nach Hause kommt. Roßbach wohnt direkt gegenüber und parkt gerade seinen Wagen ein, als er Rauch aus dem Dach aufsteigen sieht. Wieder brennt jede Menge Müll, diesmal im Dach. „Ich bin raus aus dem Auto, habe an Frau Paulmanns Fenster geklopft und sie rausgeholt“, erzählt er. Da hatten allerdings die Rauchmelder, die der Vermieter nach den ersten Bränden installiert hatte, längst angeschlagen. „Ich habe keine Erklärung für das, was hier passiert“, sagt auch Roßbach.

Bewohner haben Angst

Die Menschen in der Bochumer Reichsstraße verstehen es nicht, sie haben Angst. Sechsmal in drei Wochen brannte es, sechsmal kam die Feuerwehr in großer Besetzung. Zum Schluss mit 25 Leuten, mit Löschzug, Notarzt, Rettungswagen und Gerätewagen inklusive Atemschutz.

Doch auch darüber wird in der Reichsstraße geredet: Die Nummer 4 werde bald verkauft, sei es vielleicht schon. Ein Telefonat mit dem Besitzer bestätigt das tatsächlich. Er führe seit einiger Zeit Verkaufsverhandlungen, lange vor dem ersten Feuer. Der Verkauf und die Brände hätten jedoch nichts miteinander zu tun. „Ich werde bald siebzig. Deshalb will ich verkaufen“, sagt er. Ob die Bochumer Polizei darüber schon informiert war, ließ sich am Donnerstag nicht klären. Während der laufenden Ermittlungen äußere man sich nicht dazu.

Hayke Lanwert



Kommentare
10.06.2012
17:14
Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße
von Bonnymama | #4

Wie gut die Frau Paulmann lügen konnte.......

warum um Himmels willen zündet man dem eigenen Sohn die Hütte an?

01.06.2012
08:04
Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße
von Robert_Meier | #3

Das Haus soll verkauft werden und spontan brennt es. Hm ich würde mal im Umfeld des potenziellen Käufers suchen, evtl versucht der den Kaufpreis zu drücken

01.06.2012
07:54
Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße
von Malakostraka | #2

Oder auch:
Frau (unausgeschlafen) wird von unheimlichem Nachbarn mit einem Schlüsselbund bedroht - der WIZ strahlt live und in Farbe.

01.06.2012
07:37
Der unheimliche Brandstifter von der Bochumer Reichsstraße
von Elfentraum | #1

Ein tolles Titelbild ... die Überschrift könnte auch lauten: "Unheimlicher Nachbar bedroht Frau mit Schlüsselbund" ...

Aus dem Ressort
Zahl der Lehrlinge in Bochum sinkt
Ausbildung
Viele Betriebe freuen sich über di e„hohe Lernbereitschaft und Teamfähigkeit“ ihrer neuen Lehrlinge.Immer öfter fällt Unternehmen aber auch auf, dass Bewerbern es an Grundfertigkeiten etwa in Deutsch und Mathematik. Um Azubis zu gewinnen, werben Firmen längst auf vielen Kanälen.
Johanna Honischs Kunst wohnt ein Geheimnis inne
Kultur
Zu interessanten Entdeckungen lädt die neue Ausstellung „Sonnenanbeter“ in der Galerie Januar in Langendreer ein. Zu sehen sind Arbeiten von Johanna Honisch (*1984). Sie bewegen sich zwischen grafischer und Objektkunst und sind nicht auf Anhieb zugänglich.
Das Leid Sterbender lindern
Hospizkultur
Hospizmitarbeiter, Pflegende und Ehrenamtliche trafen sich im Bochumer Ruhrcongress, um gemeinsam für eine bessere pflegerische Versorgung Schwerstkranker und Sterbender einzutreten. Eine gemeinsame Initiative mit dem Gesundheitsministerium will die Pflegeumstände am Lebensende verbessern.
Prozess um Kuttenverbot - Bandidos fürchten um Identität
Rocker
Die Kutte mit Vereinsemblem ist für die Bandidos von herausragender Bedeutung. Das wurde am Dienstag zum Auftakt des Prozesses gegen zwei Bandidos in Bochum deutlich. Sie sind angeklagt, weil sie ihre Kutte mit Vereinsemblem gezeigt hatten. Der Ausgang des Verfahrens ist für die Bandidos von großer...
Ärger statt Einkaufsgutschein
Leserbrief
WAZ-Leser Oliver Stock fand auf seinem Kassenzettel das Versprechen für einen Einkaufsgutschein im Wert von 10 Euro. Nicht auf dem Kassenzettel abgedruckt waren die Bedingungen, zu denen der Supermarkt in Bochum-Langendreer die Gutscheine ausgab. Denn Einkauf ist nicht gleich Einkauf.
Fotos und Videos
Mitgliederversammlung beim VfL
Bildgalerie
VfL Bochum
Messe Handmade
Video
Video