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Chefdramaturg Thomas Laue geht

01.07.2012 | 17:02 Uhr
Chefdramaturg Thomas Laue geht
Chefdramaturg des Schauspielhauses Bochum Thomas Laue , Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool

Bochum. Wie die WAZ erfuhrt, verlässt Thomas Laue (41), Chefdramaturg des Schauspielhauses, das Bochumer Theater nach der kommenden Spielzeit. Familiäre Gründe gaben den Ausschlag für seinen Abschied aus dem Ruhrgebiet.

Das bestätigte der 2. Mann des Schauspielhauses auf WAZ-Anfrage. Die Trennung erfolgt auf den ersten Blick nicht mit Theaterdonner, Knall und Türenschlagen. „Mein familiäres Umfeld liegt seit Jahren in Köln, dem möchte ich zukünftig verstärkt Rechnung tragen“, so Laue. Er betont, dass es ausschließlich diese familiären Gründe seien, weshalb er sein Engagement in Bochum mit Ende der Spielzeit 2012/13 beende.

„Es hat hier keinen Knatsch gegeben, und ich scheide nicht im Streit. Meine Pläne habe ich langfristig mit Anselm Weber abgesprochen“, so Laue. Für die im September anlaufende 3. Saison Weber werde er voll zur Verfügung stehen, u.a. wird Laue die Premieren von „König Richard III.“(Regie: Roger Vontobel) und „Der Prozess“ (Regie: Fadhel Jaibi) dramaturgisch betreuen. Gleichwohl steht mit dem annoncierten Abschied nun das Ende einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit mit Anselm Weber bevor.

Laue kam 2005 als Chefdramaturg mit Anselm Weber an das etwas eingeschlafene Grillo-Theater Essen. Laue war maßgeblich daran beteiligt, dass das Haus in der Nachbarstadt abseits des bürgerlichen Mainstreams Furore machte. Stadtteilprojekte unter Berücksichtigung des demografischen Wandels waren vor Bochum bereits in Essen ein zentrales Thema, insbesondere die „Homestories“ zusammen mit Nuran David Calis mit Jugendlichen aus Katernberg wurden zu großen Kritiker- und Publikumserfolgen.

Das seinerzeit erarbeitete Konzept sollte dann zur ästhetischen Blaupause werden, als Weber und Laue 2010 an die Königsallee wechselten. Stichworte: „Next Generation“ und „Boropa“ - vor allem das internationale Konzept hat der Chefdramaturg unermüdlich kommuniziert. Umgesetzt wurde es u.a. mit Regisseuren wie dem holländischen Star Paul Koek („Drei Schwestern“), dem Tunesier Fadhel Jahibi („Medea“) oder dem Türken Mahir Günsiray („Faust“).

Neben Weber ist Laue das Sprachrohr des Schauspielhauses, wenn es um konzeptionelle und ästhetisch-künstlerische Fragen geht. Unter anderem hat der Chefdramaturg, der auch die beliebte Gesprächsreihe „Das ist ...“ moderiert, federführend die Installierung der Zukunftsakademie NRW vorangetrieben, die demnächst im Haus der katholischen Jugend ihrer Arbeit aufnehmen wird.

So gesehen, wird Thomas Laue eine kommunikative und künstlerisch-kreative Lücke hinterlassen, die nur schwer zu füllen sein dürfte.

Über seine berufliche Zukunft wollte sich Laue gegenüber der WAZ nicht äußern. Sollte diese aber - wie verlautbart - in Köln verortet sein, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass Laue in den Plänen des neuen Kölner Intendanten Stefan Bachmann eine Rolle spielen könnte.

Tom Thelen/Jürgen Boebers-Süßmann



Kommentare
02.07.2012
13:41
Chefdramaturg Thomas Laue geht
von Notschrei | #2

Der "Chefdramaturg" verlässt das sinkende Kulturschiff

01.07.2012
18:16
Was für ein Verlust ...
von radfahrer.ruhr | #1

... wo die Bochumer Bürger demnächst mit einem Kulturtempel (zwangs?)beglückt werden, da verlässt jetzt ein Vertreter dieser subventionierten Hochkultur diese Stadt hier.

Das Schauspielhaus Bochum bleibt damit seiner Tradition als Durchlauferhitzer für Karrieren treu.

Der mögliche Bau des Kulturtempels an der Viktoriastr konnte seine Familie nicht in die Stadt locken. Sollte diese Stadt vielleicht doch ein paar größere Makel haben, die auch durch den Neubau einer Tonhalle nicht kaschiert werden können?

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