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"Telefonabzocke wird immer dreister"

17.04.2010 | 04:00 Uhr

Arnsberg/Neheim. Der Anrufer klang seriös: „Sie wollen doch bestimmt dafür sorgen, dass Sie keine unerwünschten Werbeanrufe mehr bekommen”, verkündete er. Die Verbraucherzentrale biete den Eintrag in eine solche Liste an - gegen eine einmalige Zahlung von 59 Euro.

„Dreiste Telefonabzocke” nennt Marlies Albus das. Die Leiterin der Verbraucherzentrale NRW in Arnsberg hatte in den letzten drei Wochen zahlreiche Beschwerden von Verbrauchern: „Sie haben uns doch angerufen”, hieß es da. Doch hinter diesen Anrufen steckte in Wahrheit eine dubiose Firma. Denn: Der Eintrag in die echte Robinsonliste, die unerwünschte Werbung vermeiden soll, ist kostenlos. „Hier wird mit unserem Anliegen unlauterer Wettbewerb betrieben”, ärgert sich Marlies Albus.

Solche Fälle häufen sich. Lotterie-Abos, Gewinnspiele oder Reisen werden am Telefon angeboten und sorgen für ein böses Erwachen beim Blick auf den Kontostand. „Wir haben täglich bestimmt zehn Beschwerden in dieser Richtung”, berichtet die Verbraucherschützerin. Mehrere Fälle betrafen Senioren, deren Kinder sich über die vielen Abbuchungen vom Konto wunderten: „Einer hatte 19 Abbuchungen von Gewinnspielbenachrichtigungen - das ging über 1 000 Euro im Monat.”

Ärger gibt es auch wegen eines Mescheder Unternehmens, das am Telefon wertlose Einträge in Werbestopp-Listen für 49,90 Euro verkauft. Eidesstattliche Versicherungen von Verbrauchern liegen dazu vor. Die Verbraucherzentrale NRW recherchiert und prüft derzeit den Fall.

Ein anderes Beispiel: Um Ostern herum meldete sich Erich Falkenberger bei vielen Sauerländern. Per Bandansage versprach der Mann einen Mercedes oder 45 000 Euro in bar. Um den Gewinn zu erhalten, sollten sie sofort eine teure 0900-Nummer anrufen.

Allein rund 25 Nachfragen dazu hatte die Verbraucherzentrale aus der Region. In diesem Fall machte sie schnell Nägel mit Köpfen: Die kostenpflichtigen Rufnummern 0900/5 12 46 30 und 069/66 10 22 77 ließ sie abschalten. Rückwirkend ab 29. März 2010 wurden Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote erlassen. Somit kann der Telefonanbieter die angewählten Nummern nicht mehr abrechnen. Wer den Anruf dennoch in der monatlichen Telefonrechnung wiederfindet, sollte Widerspruch einlegen. Hilfe dabei bietet die Verbraucherzentrale Arnsberg ( 02932/27 0 00).

Marlies Albus rät: „Bei dubiosen Anrufen einfach auflegen.” Und: „Keine Kontodaten preisgeben.” Oft hätten Anrufer diese Daten schon und verlangten eine Bestätigung - auch darauf solle man nicht eingehen. Die Kontoauszüge sollten sorgfältig kontrolliert werden, mahnt die Verbraucherschützerin. Denn: „Diese Abzocke wird immer dreister.”

Sie fordert alle Opfer auf, sich bei der Verbraucherzentrale zu melden: „Je mehr Beschwerden vorliegen, umso mehr können wir darauf drängen, dass das Gesetz geändert wird.” Denn das seit August 2009 geltende Gesetz zur Bekämpfung unlauterer Telefonwerbung reiche nicht aus: „Es hat sich so gut wie nichts geändert”, kritisiert Marlies Albus. Sie fordert, dass der Gesetzgeber die Gültigkeit telefonisch geschlossener Verträge immer an eine schriftliche Bestätigung des Verbrauchers koppelt: „Erst dann wird die unseriöse Geschäftemacherei per Telefon aufhören.”

Angelika Beuter

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Kommentare
18.04.2010
14:32
Telefonabzocke wird immer dreister
von Lumpenfeind | #1

Es ist ein Skandal, dass die Politik die Verbraucher, hier zumeist ältere Bürger, im Regen stehen läßt. Es bleibt bei Lippenbekenntnissen und fadenscheinigen Argumenten und die Abzocker triumphieren. Viele Geswchädigte werden von den Neppern massiv eingeschüchert: Man droht mit Inkassobüros, Rechtsanwälten, sogar Strafanzeigen was natürlich dummes Zeug ist, aber es wirkt. So eingeschüchert, zahlen verunsicherte Opfer und die Gesetzgeber schauen tatenlos zu. Und die überforderte Justiz scheint ebenfalls machtlos zu sein und wenn mal was gemacht wird, kommen lächerliche Strafen heraus.
Vielleicht ändert sich ja mal was, wenn unsere Politiker selber mal Opfer von diesen kriminellen Machenschaften werden. Aber bis dahin werden noch vile Opfer das Nachsehen haben.
Gut, dass es Verbraucherzentralen und andere Institutionen gibt, die da helfen. Nur leider sind sie personell hoffnungslos unterbesetzt und die telefonische Erreichbarkeit müsste erheblich verbessert werden.

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