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Studiengebühren

Dortmunder Uni bittet Blitz-Studenten aus Arnsberg und Dortmund zur Kasse

25.06.2012 | 19:19 Uhr
Dortmunder Uni bittet Blitz-Studenten aus Arnsberg und Dortmund zur Kasse
Marcel Pohl hat sein Studium an der Uni Dortmund in Rekordzeit absolviert. Die Hochschule verlangt Studiengebühren zurück. Foto: Nitsche

Arnsberg.   Drei junge Männer haben in Rekordzeit von 20 Monaten ihr Master-Studium abgeschlossen. Ihre Dortmunder Uni aber will weiterhin die Studiengebühren einkassieren. Eigentlich ist das, was diese drei jungen Männer aus Dortmund und Arnsberg geleistet haben, eine vielleicht sogar bundesweit einzigartige Erfolgsgeschichte. Diese Zeilen erzählen aber nicht nur von Erfolg. Weil die Geschichte vor Gericht endet.

Drehen wir die Zeit zurück, an jenen Abend, als Marcel Pohl, Marcel Köpper und Robert Grünwald einen Plan ausheckten, den sicher schon viele in ihren Studentenbuden zwischen Bier und Schnaps aufgestellt haben und im nüchternen Kopf wieder verworfen haben: Studieren, und das so schnell wie möglich. Fünf Jahre dauert dieses Master-Studium an der privaten Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Dortmund. Länger als zwei Jahre wollten sie dafür jedoch nicht benötigen – und als winziger Ballast war da noch die Bank-Ausbildung, die auch noch zeitgleich beendet werden sollte. So ganz nebenbei, versteht sich. „Hirngespinste“, sagten die Dozenten, die es wissen mussten. „Unmöglich“, sagten die, die schon viele haben kommen und gehen sehen an dieser Uni.

Perfekte Organisation war der Schlüssel zum Erfolg

Nach 20 Monaten hatte das Trio den Abschluss in der Tasche. „Wenn wir nicht gearbeitet oder studiert haben, hockten wir unentwegt aufeinander und haben gelernt“, erzählt Marcel Pohl, einer der drei „Blitz-Studenten“ heute. Es sei ein großes Abenteuer gewesen, wie ein Marathon. Und bei dem hört man ja schließlich auch nicht mittendrin auf. Überflieger waren sie nie, Genies sowieso nicht. „Wichtiger als das Lernen war die perfekte Organisation“, sagt der 22-jährige Pohl. Die Drei teilten die Lehrveranstaltungen untereinander auf – und brachten es sich gegenseitig abends und nachts bei. Hier endet sie allerdings, diese Erfolgsgeschichte.

Höhepunkt nächste Woche vor Amtsgericht Arnsberg

Jetzt ist es wieder eine bundesweit vielleicht einzigartige Geschichte. Eine, die nächste Woche Mittwoch vor dem Amtsgericht Arnsberg ihren Höhepunkt erlebt. Eines Tages erhielt das Trio einen Brief der FOM. Dessen Inhalt war nicht etwa eine Gratulation für die überragende Leistung, sondern vielmehr eine saftige Rechnung: für die noch eigentlich anfallenden Semesterbeiträge in Höhe von 3000 Euro. Hinzu kommen noch weitere 7000 Euro, die noch nicht eingefordert wurden. Die drei „Blitz-Studenten“ sollen demnach jene Veranstaltungen zahlen, die sie gar nicht mehr in Anspruch nehmen.

FOM verweigert öffentliche Stellungnahme

Dabei hatten sie die FOM, die sich auf Nachfrage der Westfälischen Rundschau zu dem Fall nicht öffentlich äußern wollte, von ihrem Vorhaben informiert und dafür auch eine schriftliche Genehmigung erhalten. Allerdings war darin nie von den Studiengebühren die Rede. „Das Leistungsprinzip würde damit ausgehebelt und wir würden für eine tolle Sache bestraft werden“, sagt der Arnsberger.

Unbekannter Unternehmer will Kosten übernehmen

Unterstützung erhält der 22-Jährige sogar aus dem Süden: Sein Rechtsanwalt Bernhard Kraas erhielt einen Brief von einem ihm unbekannten Unternehmer aus dem baden-württembergischen Schwetzingen. Dieser schrieb: „Falls Sie, lieber Herr Pohl, den Prozess verlieren sollten, übernehme ich gerne die 3000 Euro. So ein fähiger und tüchtiger Mensch wie Sie muss unterstützt werden.“ Am Ende wird sie es ja vielleicht doch noch, diese mehr als verdiente Erfolgsgeschichte.

Dennis Betzholz



Kommentare
30.06.2012
09:19
Die FOM ist keine Uni
von haltestelle | #42

Die Überschrift "Dortmunder Uni..." ist irreführend.
Die FOM ist keine Universität!
Schickt aber gerne ihre Studenten in die gut geführten Bibliotheken der staatlichen - also aus öffentlichen Geldern bezahlten - Hochschulen. Das Foto zum Artikel mit den gepflegten Klassikern in den Regalen stammt garantiert nicht aus der FOM.
In Düsseldorf flanschen sich die Sparfüchse demnächst direkt an den Neubau der Fachhochschule an.

26.06.2012
17:55
Dortmunder Uni bittet Blitz-Studenten aus Arnsberg und Dortmund zur Kasse
von Loggen | #41

#39, obeate,
"Lediglich das theoretische Wissen wird durch die FOM vermittelt, das praktische Wissen hingegen durch das auszubildende Unternehmen. Eine Diskussion über fehlende Praxisbezüge dürfte sich demnach erübrigen.
Diese Tatsache macht die Leistung der drei jungen Männer noch viel lobenswerter."

Haben die drei ihre Briefe vielleicht Missverstanden und die Hochschule will ihnen für ihre unverzichtbare Ergänzung zum "lediglichen Bereitstellen der Theorie" vielleicht noch Geld anbieten ??
Eine Vorlesung ohne Hörer wäre ja auch sinnlos, da haben sich die drei ja richtig engagiert.

26.06.2012
14:54
schlechtes Marketing
von marianne58 | #40

Durch die Klage schneidet sich die FOM ins eigene Fleisch. Schade, bei einer anderen Strategie hätte man viele Menschen positiv auf sich aufmerksam machen können.

Ein tolles Beispiel für schlechtes Marketing, liebe FOM!

26.06.2012
14:46
Theorie/Praxis
von BeateO | #39

Man sollte bedenken, dass es sich hierbei um ein duales Studium handelt. Lediglich das theoretische Wissen wird durch die FOM vermittelt, das praktische Wissen hingegen durch das auszubildende Unternehmen. Eine Diskussion über fehlende Praxisbezüge dürfte sich demnach erübrigen.
Diese Tatsache macht die Leistung der drei jungen Männer noch viel lobenswerter.
Es ist schade, dass hier einige Menschen versuchen dies unter den Teppich zu kehren.

26.06.2012
11:45
Theorie/Praxis
von Blausiegel | #38

@ wolke3, könnten sie ihre Aussagen bitte noch mal erklären.
Ich interpretiere sie jetzt gerade genau gegensätzlich, vielleicht habe ich ja auch was missverstanden.
Mir geht es um folgende 2 Aussagen ihrerseits:

1: "Also grade Fachwissen ist wichtig, um in einem Unternehmen zu bestehen. Alles weitere kann man auch noch nach dem Studium erlernen."

2: "Aber es gibt nichts wichtigeres als Theorie mit Praxis zu verknüpfen. Ich habe bei mir schon so viele Bewerber gehabt, die hatten ein hervorragendes Diplom, aber konnten sich nicht im Job zurechtfinden."

26.06.2012
11:40
Bachelor/Diplom
von Blausiegel | #37

@ Otto99, "Wie kann es angehen, dass jemand nach 2 statt 5 Jahren Studium ein Diplom erhält?"

Googlen sie mal Bologna-Prozess, ein recht informativer Artikel steht auch in Wikipedia.
Durch die Modularisierung und den Erwerb von Creditpoints durch Bestehen der Klausur am Ende des Moduls ist es, ander als früher in den Diplomstudiengängen, relativ einfach die Zulassung zur Bachelor-Prüfung zu erreichen. Die Schlussprüfungen früherer Jahre, wo man sich nochmal komplett vorbereiten musste, sind im Laufe dieser Reform weggefallen.
Aus eigener Erfahrung: 70-80% der Leute, die sich bei uns mit einem Bachelor bewerben, erreichen m.E. gerade mal Vordiplom-Niveau, jedwede praktische Erfahrungen nur minimal oder garnicht vorhanden.
In diesem speziellen Fall profitierten die drei wohl von den verschiedenen Standorten der Hochschule, wo sie dann die verschiedenen Module belegen konnten, was nur an einem Standort nicht möglich wäre.

26.06.2012
10:00
Dortmunder Hochschule bittet Blitz-Studenten zur Kasse
von Wolke3 | #36

@ Otoo99:

Bei Volkswirtschaftlern würde ich Ihnen recht geben. Aber es gibt nichts wichtigeres als Theorie mit Praxis zu verknüpfen. Ich habe bei mir schon so viele Bewerber gehabt, die hatten ein hervorragendes Diplom, aber konnten sich nicht im Job zurechtfinden.

Beides zu kombinieren, ist glaube ich für BWLler sehr gut und mittlerweile Standard!

26.06.2012
09:54
Dortmunder Hochschule bittet Blitz-Studenten zur Kasse
von Otto99 | #35

zu #34 Wolke3

Zitat: "Also grade Fachwissen ist wichtig, um in einem Unternehmen zu bestehen. Alles weitere kann man auch noch nach dem Studium erlernen."

Ich glaube, da sind sie auf dem Holzweg. Bei Naturwissenschaftlern mag das ja angehen, aber nicht bei Wirtschaftswissenschaftlern.


Ich würde die FOM aus anderen Gründen unter die Lupe nehmen: Wie kann es angehen, dass jemand nach 2 statt 5 Jahren Studium ein Diplom erhält? Das widerspricht doch dem Geist eines Studiums.

26.06.2012
09:45
Dortmunder Hochschule bittet Blitz-Studenten zur Kasse
von Wolke3 | #34

Also grade Fachwissen ist wichtig, um in einem Unternehmen zu bestehen. Alles weitere kann man auch noch nach dem Studium erlernen.

Darüber hinaus glaube, dass so eine intensive Freundschaft, wie es die drei hier beschreiben, sicher nicht so schnell nocheinmal gibt.

Ich bin auch Unternehmer und werde meine Azubis definitiv nicht mehr zur FOM schicken. Es gibt auch noch andere Alternativen in Dortmund und Umgebung dual zu studieren. Einen Mittelständler enttäuscht dieses Vorgehen und Verhalten der FOM sehr!

26.06.2012
09:41
Dortmunder Hochschule bittet Blitz-Studenten zur Kasse
von july61 | #33

Die drei haben doch während der gesamten Zeit auch noch Ihre Ausbildung absolviert! Zwei Bankkaufmänner und ein Groß- und Außenhandelskaufmann...

Wir hatten auch für einen unserer Kinder überlegt, ob er nicht eine Ausbildung mit Studium bei der FOM anfangen soll. Dies werden wir nach diesen Zeilen sicher nicht mehr tun. Es gibt zum Glück noch andere gute Alternativen!

1 Antwort
Dortmunder Hochschule bittet Blitz-Studenten zur Kasse
von Otto99 | #33-1

Warum?

Wegen der Forderung der ausstehenden Studiengebühren, oder wegen Zweifel an der Qualität der Ausbildung?

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