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180 Menschen evakuiert

250-Kilo-Fliegerbombe in Arnsberg entschärft

15.05.2009 | 18:05 Uhr
250-Kilo-Fliegerbombe in Arnsberg entschärft

Arnsberg. Kurz vor 13 Uhr ist es geschafft: „Die Bombe ist entschärft, der Zünder ist raus”, erfährt Ordnungsamtsleiter Ulrich Betkerowitz per Handy. 250 Kilogramm Sprengstoff ruhten 64 Jahre lang in der Tiergartenstraße.

Am Freitagmittag wurde die Fliegerbombe, die die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg abgeworfen hatten, entschärft. 250 Meter im Umkreis um die Baugrube in der Tiergartenstraße werden ab 10.30 Uhr alle Häuser evakuiert. Die Feuerwehrleute und müssen manches Mal Überzeugungsarbeit leisten, um vor allem ältere Menschen dazu zu bewegen, ihre Häuser zu verlassen, sagt Ulrich Betkerowitz. 180 Personen müssen raus. Eine Frau und ein Mann mussten mit ärztlicher Hilfe liegend in Sicherheit gebracht werden. Drei Menschen benötigten Betreuung. Für alle anderen Anwohner war ein Sammelplatz im Jägerhaus eingerichtet - dort lud Bürgermeister Hans-Josef Vogel sie auf Kosten der Stadt zum Kaffee ein.

Margarethe Gläser ist noch ganz aufgeregt: „Ich habe gerade gefrühstückt. Hab nur das Nötigste mitgenommen und bin dann raus”, erzählt sie. Nur einen Schuh hat sie in der Eile angezogen: „Ich erleb das zum ersten Mal. Das ist Wahnsinn”, lacht sie. Vera Kaiser sitzt neben Margarethe Gläsers Rollstuhl auf einer Bank an der Straße. „Ich kam erst aus der Stadt, da klingelte es”, sagt die 79-Jährige. Ihre Einkäufe hat sie in der Aufregung sogar mitgenommen.

Für Ursula Beck kam die Evakuierung auch etwas plötzlich: „Ich hab noch die Graupensuppe auf dem Herd”, lacht sie.

Die 72-jährige Renate Siedhoff sieht es gelassen: „Für uns geht es noch, weil wir noch selbst gehen können”, sagt sie mit Blick in die Seniorenrunde am Tisch im Jägerhaus, „aber für die Bettlägerigen ist es nicht so einfach.” Als die Feuerwehrleute bei ihr klingelten, erinnerte sie sich gleich an 1983, als sie schon einmal wegen einer Bombenentschärfung das Haus verlassen musste: „Ich habe das ja schon mal erlebt. Darum wusste ich, dass ich die wichtigsten Sachen in der Handtasche mitnehmen muss.” Die Seniorin neben ihr ist so, wie sie war, ohne Jacke gleich mitgegangen, nur die Haustür hat sie rasch abgeschlossen.

Auf Arnsbergs Straßen wird es derweil eng. Neben der Tiergartenstraße hat die Polizei auch die Straße Unterm Römberge gesperrt - das sorgt für manche Diskussionen. Seit 10 Uhr läuft der Einsatz, 13 Feuerwehrleute, neun Malteser, vier Polizeibeamte, zwei Mitarbeiter der städtischen Ordnungsbehörde und die Feuerwehrärztin Marion Wiegelmann sorgen dafür, dass alle Anwohner in Sicherheit sind, bevor die Bombe entschärft wird.

Karl-Friedrich Schröder von der Kampfmittelbeseitigung beim Regierungspräsidenten Arnsberg und sein Kollege bekommen um 12.39 Uhr das Okay für ihre Arbeit. Peter Glaremin als Einsatzleiter schaut um 12.55 Uhr auf die Uhr: „Das dauert doch länger”, sagt er. Problemlose Fälle sind nach zehn Minuten erledigt. Doch diesmal sei es schwieriger, weil die Bombe schräg im Erdreich liege, heißt es.

Doch um kurz vor 13 Uhr kommt die Entwarnung: Es hat geklappt. Ulrich Betkerowitz lässt die Straße Unterm Römberge wieder freigeben, die Anwohner müssen sich noch ein wenig gedulden.

Ein bisschen erleichtert ist Thorsten Haß schon. Der 41-jährige Baggerführer hatte die Spitze der Bombe am Donnerstag entdeckt. „Das merkt man an der Baggerschaufel, dass da was anderes liegt”, sagt der Mitarbeiter der Baufirma Sauer &Sommer aus Meschede-Wennemen.

Für ihn war der brisante Fund eine neue Erfahrung: „In der Größe habe ich das noch nicht gehabt.” Am Haken des Baggers hebt er schließlich die entschärfte Bombe aus der Baugrube.

Das 64 Jahre alte Relikt des Zweiten Weltkriegs kommt jetzt erst einmal in den Bunker der Kampfmittelbeseitigung in Hagen, erklärt Karl-Friedrich Schröder. Danach geht's damit in den Zerlegebetrieb in Ringelstein bei Büren. Die 250-Kilo-Bombe wird aufgedreht, der Sprengstoff entfernt und beseitigt, danach wird auch die Hülle vernichtet.

Während die Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren, klettert Thorsten Haß aus seinem Bagger, greift in die Tasche und zündet sich erleichtert ein Zigarillo an. Die Hand an der entschärften Bombe steht er da - ganz entspannt...

Angelika Beuter

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Kommentare
18.05.2009
10:51
250-Kilo-Fliegerbombe in Arnsberg entschärft
von asas | #1

Hallo das ist aber toll

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