Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Heimhof-Theater

199 Klappsessel auf Hochglanz poliert

17.02.2010 | 18:57 Uhr
199 Klappsessel auf Hochglanz poliert

Burbach-Würgendorf. Theodor Petera hat seinen Platz gefunden.

Im Parkett des Heimhof-Theaters gehört dem Burbacher einer jener 200 Stühle, auf denen die Besucher Platz nehmen, wenn im April die Musen dort wieder Einzug halten.

„Der Besitz hat allerdings nur einen symbolischen Wert”, betont Petera. Wie 40 andere Kunstmäzene aus dem Dreiländereck hat der Vorsitzende des Fördervereins für das Heimhof-Theater fünfhundert Euro auf den Tisch geblättert, um einen der ochsenblutroten Klappsessel zu kaufen.

220 000 Euro Förderung von der NRW-Stiftung

So kamen rund 20 000 Euro für die Wiedereröffnung der kleinen Spielstätte auf der Wasserscheide zusammen – zweieinhalb Prozent der Summe, die seit 2008 investiert wurden. Nach dem Ende des Kulturkreises um die Wasserscheide vor fünf Jahren war es ein Herzensanliegen vieler Freude der darstellenden Kunst, dass der Heimhof auch in der Zukunft für Theater und Musik erhalten bleibt.

Schon früh wurde die NRW-Stiftung auf das Theater aufmerksam und sagte eine Förderung von 220 000 Euro zu. Der Rest der für die Sanierung veranschlagten halben Million Euro sollte durch Spenden und Eigenleistungen zusammenkommen. 160 Mitglieder hat der Förderverein inzwischen. Wilhelm Schönhof und Klaus Dresseler sind zwei der Helfer: Wenn es um den Einbau der 199 Klappsessel in Parkett und Loge geht, ist ihr Einsatz gefragt. Während Schönhof die Holz- und Kunstlederelemente der Sessel auf Hochglanz poliert, sortiert Dressler die Teile.

Einzigartig: Pinkelrinne unter Denkmalschutz

5 000 Stunden haben die Vereinsmitglieder schon geleistet. Und einige hundert sollen laut Theo Petera noch dazu kommen, ehe das Heimhof-Theater sich am 11. April im neuen alten Gewand der Öffentlichkeit präsentieren wird.

Wer den Heimhof betritt, spürt den Atem der 50er Jahre. Die für die unmittelbare Nachkriegszeit typischen Linoleum-Fußböden haben ein besonderes Aroma – auch sie stehen unter Denkmalschutz. Das gilt ebenso für die Tapeten mit Motiven der antiken Komödie, die die Wände des Theatersaales kleiden. Selbst die Garderobenhaken sind noch im Original erhalten. Besonders stolz sind die Theaterbetreiber von der Wasserscheide über eine Spezies, die bundesweit wohl einzigartig auf der Liste der zu schützenden Bauobjekte steht: Die alte, mit Bruchsteinen verkleidete, „Pinkelrinne” des Abortes musste erhalten bleiben – ansehen erlaubt, benutzen verboten.

Nach der offiziellen Einweihung des neuen Heimhof-Theaters am 16. und 17. April steht die kleine Bühne vor allem Kabarettisten, Autoren und Musikensembles zur Verfügung. Theodor Petera und seine Mitstreiter haben für die Programmgestaltung eine Kölner Agentur verpflichtet. Schon jetzt dürfe sich das Publikum auf bekannte Künstler freuen, verspricht der Vorsitzende. „Wir werden darauf achten, dass das Programm Niveau hat.” Aber auch die Vereine und Schulen des Dreiländereckes können ihre Theaterproduktionen präsentieren.

Nicht alles werde bei der Eröffnung schon fix und fertig sein, betont Petera. Noch immer fehle ein Spender für einen neuen Vorhang. Er würde der Wiedergeburt der Musen auf der Wasserscheide noch den allerletzten Schliff geben.

Ehemaliger Pferdestall

Das Heimhof-Theater im Burbacher Ortsteil Würgendorf wurde 1951 im ehemaligen Pferdestall der Dynamit-Fabrik eröffnet. Initiatoren waren der Nobel-Ingenieur Robert Auchter und der Haigerer Bürgermeister Erich Panzer.

Die Kultur im Pferdestall machte schon vor dem ersten Vorhang bundesweit Schlagzeilen. Viele zum Teil international bekannte Schauspieler und Musiker gastierten bis 2003 regelmäßig auf der Wasserscheide. Der Schriftsteller Eugen Roth widmete dem Heimhof-Theater sogar eine Kurzgeschichte.

Im November 2001 feierte der länderübergreifende Kulturkreis um die Wasserscheide sein 50-jähriges Bestehen. Kurz danach wurde das Haus wegen mangelhafter Bühnentechnik und Sicherheit geschlossen.

Seit fast fünf Jahren engagiert sich der Förderverein für die Renovierung und die Wiedereröffnung. Beim Tag der offenen Tür am 11. April unterhält der Pianist Jonas Winkel die Besucher, am 16. April folgt die feierliche Eröffnung und einen Tag später beginnt das neue Programm mit einem Gastspiel der Schauspielers Fritz Eckenga.

Uli Geis

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2605163/create

Aktuelle Fotos und Videos
Altpapiertour
Bildgalerie
WAZ Serie
Sternwallfahrt
Bildgalerie
Fotostrecke
Zeltparty mit Gentleman
Bildgalerie
KulturPur 2012
Aus dem Ressort
Von der Kneipe zur Kita - Allbau AG wandelt Immobilien um
Kinderbetreuung
In Dellwig verwandelte die Allbau AG eine Kirche in eine Kita, in Altendorf wurde gar eine Kneipe umgewidmet: Bis 2008 hatte die Wohnungsgesellschaft gut 300 Kita-Plätze geschaffen, seither sind mehr als doppelt so viele hinzugekommen. Derzeit sind vier Einrichtungen in Planung oder im Bau.
Die Ruine wird zum Lernhaus
Kinderschutzbund
Viele WAZ-Leser haben für das Lernhaus in Altenessen gespendet: Nun läuft der Umbau, im Sommer will der Kinderschutzbund das neue Gebäude eröffnen.