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„Wir müssen uns vor keinem Gegner in die Hose machen”

11.03.2010 | 22:21 Uhr

Siegen. Held des Tages – oder Sündenbock. Bei keinem anderen Fußballer liegen oft „Feuer und Wasser” so dicht beisammen wie beim Torhüter. Wenn der einen Fehler macht, dann hat das fast immer fatale Folgen.

„99 Prozent der Torwartfehler führen zu einem Tor”, erinnert Sportfreunde-Trainer Rob Delahaije an die Statistik der Spieler zwischen den Pfosten.

Dass Pero Miletic sich am vergangenen Freitagabend im denkwürdigen Schneeroulette gegen Fortuna Köln einen richtigen Bock geleistet und so dem Holländer Sekunden vor dem Abpfiff doch noch den ersten Sieg vermasselt hatte, das musste der Trainer dem Torwart nicht mehr explizit vorhalten. „Er war sehr enttäuscht. Er hat sofort gesagt, dass es sein Fehler war”, so Delahaije im Rückblick auf den 3:3-Ausgleich, der die Siegener binnen Sekunden aus dem Himmel voller Geigen auf den eiskalten Boden der Realität herunterkrachen ließ.

Doch der Sportfreunde-Cheftrainer nahm die Sache sportlich: „Fehler passieren nun mal, da machst du nichts dran.” Auch der Fehlgriff von Miletic, der im Herauslaufen eine Flanke unterschätzt hatte, wird in der Schublade „passiert und abhaken” abgelegt. „Es darf doch nicht sein, dass ein Spieler einen Fehler macht und er dann denkt, jetzt bin ich weg vom Fenster. Wir Trainer stehen weiter hinter ihm”, versichert Rob Delahaije.

„Was gut ist, muss

man auch gut lassen”

Und so wird der „Chef” aus Maastricht am Sonntag gegen den SV Schermbeck zum dritten Mal in Folge auf die selbe Startformation vertrauen - vorausgesetzt, es gibt beim zweitägigen Kurzttrainingslager in Goch am Niederrhein, nur 60 Kilometer vom Spielort am Sonntag entfernt, keine Blessuren zu beklagen: „Wir sind nicht die Trainer, die ständig umstellen und verändern. Die Mannschaft kann sich so auch besser einstellen. Was gut ist, muss man auch gut lassen!”

Angesprochen auf die Stimmung in der Mannschaft redet Delahaije von Stärke, Selbstbewusstsein und einem richtigen Weg: „So wie wir jetzt drauf sind, müssen wir uns vor keinem Gegner in die Hose machen. Wenn wir unsere Leistung abrufen, sind wir ein schwer zu besiegendes Team.”

Beim Blick auf die bevorstehenden Gegner wird da auch ein Schuh draus: In den kommenden sechs Spielen treffen die Sportfreunde fünf Mal auf Gegner, die in der aktuellen Tabelle hinter Siegen zurückliegen. „Erntezeit” zum Frühjahrsstart also, stellt sich jedoch die Frage, ob die Siegener endlich in einen Spielrhythmus finden, denn nach dem Schneeballett am Freitagabend und den weiterhin schlechten Platzverhältnissen in der näheren Umgebung, müssen die Sportfreunde, wie schon in den langen Winterwochen zuvor, im Training improvisieren. Als Dauergast in der Soccerhalle in Buchen geht den Spielern auf dem Platz derzeit das Gefühl für die „langen Bälle” in die Spitze verloren - dabei könnte in passgenauen Strafraumflanken der Schlüssel zum Erfolg gegen Schermbeck liegen.

Warum? Scheinbar einfach! Weil der SV Schermbeck mit Christoph Müller, der in der Winterpause die Sportfreunde verließ, einen Torhüter mit vielen Qualitäten, aber eben auch mit einer mehrfach offenbarten Schwäche in der Strafraumbeherrschung hat. Auf der Linie und in Eins-zu-Eins-Situationen war Müller in Siegen meist „eine Bank” – aber in Sachen Strafraumbeherrschung hielten die Siegener Anhänger bei den „Ausflügen” des Keepers in Höhe des Elfmeterpunktes mehr als ein Mal die Luft an.

Gab es da eigentlich Misstöne zwischen Müller und dem neuen Siegener Trainergespann, die den Weggang des Torhüters begünstigt hätten? Dazu Rob Delahaije: „Nein, ganz und gar nicht. Aber Christoph hatte eine unheimliche Belastung. Er ist jeden Tag 200 Kilometer zum Training gefahren. Das sind 400 Kilometer am Tag und 2 000 (!) in der Woche. Das hat ihm schon zu schaffen gemacht.”

FAKTEN

  • Hinspiel: Vor der NRW-Liga-Rekordkulisse von 2 441 Zuschauern im Leimbachstadion unterlag SF Siegen gegen den damals Tabellenletzten SV Schermbeck (bis dahin noch ohne Sieg in der NRW-Liga) mit 2:3. Dabei mussten die Gäste nach einer gelb-roten Karte 40 Minuten lang mit zehn Spielern auskommen.
  • Wiedersehen: Der Sportfreunde treffen am Sonntag auf ihren Ex-Torhüter Christoph Müller. Der 34-Jährige war zu Saisonbeginn vom FC Kleve zu den Sportfreunden nach Siegen – und in der Winterpause von Siegen zum SV Schermbeck gewechselt.
  • Erfolgsserie: Der SV Schermbeck strotzt nach drei Siegen in Serie vor Selbstbewusstsein: 2:1-Heimsieg gegen den MSV Duisburg II, 2:1-Auswärtserfolg bei der TSG Sprockhövel und zuletzt am 28. Februar ein 3:0-Heimsieg gegen Bergisch Gladbach.
  • „Schießbude” der Liga: Trotz der Erfolgsbilanz in den vergangenen drei Partien führt der SV Schermbeck in der Negativbilanz bei den Gegentoren: 47 Gegentreffer, so viele wie keine andere Mannschaft in der NRW-Liga, kassierte der SV Schmerbeck in 21 Meisterschaftsspielen. Tordifferenz: Minus 22!

Frank Steinseifer

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