Sportfreunde Siegen sind schuldenfrei
04.02.2009 | 22:17 Uhr 2009-02-04T22:17:00+0100
Siegen. Die Zukunft des Traditionsvereins Sportfreunde Siegen ist gesichert: Die Gläubiger haben gestern nach nur einstündiger Verhandlung vor dem Siegener Amtsgericht den Insolvenzplan zur Entschuldung einstimmig angenommen.
Jetzt fehlt nur noch eine Formalie: Am kommenden Mittwoch wird das Insolvenzverfahren vor Gericht juristisch für beendet erklärt. „Dann bin auch ich aus dem Spielgeschehen raus und der Verein ist in allen Bereichen wieder allein handlungsfähig”, erklärte der scheidende Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering (Köln), nach der Verhandlung im Gespräch mit der WR.
Niering: „Das hohe Interesse der Beteiligten und deren einhellige Zustimmung zum Insolvenzplan sind ein sehr positives Signal für die Sportfreunde und unterstreichen den hohen Stellenwert des Vereins in der Region.”
Andreas Helmrath soll 35 Prozent
von 1,173 Millionen zahlen
Zu den Fakten: Nach der Prüfung der Ansprüche von zunächst knapp 90 Gläubigern und einer Summe von ursprünglich 2,7 Millionen Euro sind jetzt noch „feststellungsfähige Forderungen” in Höhe von 1 287 000 Euro übrig geblieben. Mit dieser Summe stehen die Sportfreunde in der „Kreide”. Zu den Gläubigern gehörten vor allem das Finanzamt Siegen, die AOK, sowie ehemalige Spieler, Vorstandsmitglieder usw. Mangels Masse können die aber nicht bezahlt werden. Die festgelegte Quote beträgt vier Prozent - das bedeutet, der Verein kann nur Schulden von 51 500 Euro begleichen.
Nach Informationen der WR hatte Ehrenpräsident Manfred Utsch bereits im Vorfeld auf eine Forderung von 579 000 Euro verzichtet. Zudem soll Utsch durch eine Vorabzahlung von rund 1,5 Millionen Euro an den Fiskus eine Einigung mit dem Finanzamt erst möglich gemacht haben.
Dr. Niering: „An der einstimmigen Annahme des Insolvenzplans durch die Gläubiger kann man erkennen, dass wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt haben. Der Verein existiert weiter und wurde eben nicht zerschlagen und die Gläubiger bekommen jetzt zumindest einen Teil ihres Geldes ausgezahlt.”
Damit ist das Entschuldungsverfahren des 110-jährigen Vereins bis auf die offizielle Feststellung in der kommenden Woche abgeschlossen.
Doch noch ist eine Angelegenheit zu klären, die all jenen, bei denen die Sportfreunde im Soll stehen/standen, noch Geld ins Portmonee spülen könnte: So bestehen von Seiten der Gläubiger gegenüber dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Helmrath Forderungen in einer Gesamthöhe von 1 173 000 Euro. Helmrath, der sich gestern vor Gericht vertreten ließ, war in der Regionalliga-Saison 2007/08 bereit gewesen sein, das Loch in der Vereinskasse zu begleichen. Helmrath hatte den Sportfreunden eine Art „Blanko-Scheck” ausgestellt. In einem der WR bekannten Schreiben gab Helmrath am 31. März 2008 eine Erklärung ab, nach der er den Verein „finanziell so ausstatten” wollte, dass „eine Überschuldung nicht eintreten kann”. Der Insolvenzverwalter hatte im Verfahren festgestellt, dass zu diesem Zeitpunkt eine Überschuldung von jenen 1,173 Millionen Euro vorlag.
Über diese Summe wird nun gestritten, eine Einigung konnte bisher nicht erzielt werden. Andreas Helmrath klagt nun auf „Irrtum”, er sei vielmehr zum damaligen Zeitpunkt über den wahren Finanzstand der Sportfreunde „getäuscht” worden. Eine außergerichtliche Einigung soll dennoch zustandekommen. So wird Helmrath, Geschäftsführer der Rostfrei-Stahl GmbH in Geisweid, der STABO GmbH in Siegen sowie der Firma Karl Flender Behälter-, Apparate- und Rohrleitungsbau GmbH & Co. KG, nun folgendes Einigungsangebot unterbreitet: Er soll 35 Prozent dieser 1,173 Millionen Euro an die Gläubiger zahlen, sprich 410 550 Euro. Das Gericht legte dazu als Frist den 15. Juni fest. Wird keine Einigung erzielt, ist der Verein SF Siegen aufgefordert, den Klageweg zu beschreiten. Und hier kommt dann doch noch mal der Insolvenzverwalter Dr. Niering ins Spiel. Er muss den aufgestellten Plan und dann auch die Klagepflicht des Vereins überwachen.
Kommt es zu keiner gütlichen Einigung, so würden auf dem Rechtsweg erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre vergehen. Daran dürfte keinem gelegen sein: Die Gläubiger würden lange Zeit in die Röhre schauen und Andreas Helmrath würde ein Vergleich mit etwa 600 000 Euro teurer zu stehen kommen.
Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder, die namentlich nicht genannt werden wollten, erklärten: „Das ist doch ein gutes Angebot, das könnte und sollte er annehmen.”
Fakten:
Beginn des Insolvenzverfahrens: Am 27. Juni 2008 wurde um 9 Uhr das Insolvenzverfahren über das Restvermögen der Sportfreunde Siegen eröffnet.
Ende des Insolvenzverfahrens: Am Mittwoch, 11. Februar 2009, wird am Amtsgericht Siegen juristisch der Schlussstrich unter das Verfahren gezogen.
Schulden: Von ursprünglich rund 2,7 Millionen Euro sind letztlich Forderungen der Gläubiger gegenüber SF Siegen von 1,287 Mio. Euro übrig geblieben.
Quote 4 Prozent: Den Gläubigern werden etwas mehr als 4 Prozent ihrer Forderungen ausbezahlt. Beispiel: Schuldete der Verein 10 000 Euro, so gibt es jetzt 400 Euro.
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