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24. Tritahlon Buschhütten

Kienle und Sämmler das neue "Königspaar"

10.05.2010 | 00:09 Uhr
24. Triathlon in Buschhütten
24. Triathlon in Buschhütten

Kreuztal-Buschhütten. „Only the sky is the limit” - nur der Himmel setzt die Grenzen. Sebastian Kienle gelang die Punktlandung: Freudestrahlend überquerte er die Ziellinie unter dem tosenden Applaus der Zuschauer – Sekunden später öffnete der Himmel seine Schleusen.

Und dann ergoss sich ein heftiger Platzregen über den Siegern im Ziel auf dem Sportplatz in Buschhütten.

Das hatte wirklich gepasst. Bis zur Ankunft der Top-Athleten am gestrigen Sonntagnachmittag gab es keinen Tropfen Nass von oben und als sich der Himmel schwarz verdunkelte beruhigte Organisator Rainer Jung die Zuschauer: „Schaut nicht nach oben, schaut ins Ziel, da kommt jetzt der Sieger. Ein paar Tropfen machen doch einem SIEGER-Länder nichts aus, oder...?!”

Zwei Mal hatte Sebastian Kienle, einer der Toptriathleten des Tri-Teams Heuchelheim, in Buschhütten bereits gewonnen. Jetzt gelang ihm der Hattrick und darüber freute er sich im Ziel königlich: „Das war der schönste Sieg. Meine 30 Medienberater haben mir gesagt, dass ich vor laufenden Kameras keine Fäkalsprache benutzen soll. Aber ich glaube, das hier geht: Es war einfach geil heute! Danke Buschhütten!”

Buschhütten, das ist wie jedes Jahr die bundesweite Saisoneröffnung über die Olympische Distanz von 1 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Kienle: „Das weiß noch niemand, was er drauf hat.” Aber der alte und neue „König” hatte eine ganze Menge drauf. Auf der Radstrecke über die HTS - wo schon können sich die Triathleten über eine vollkommen abgesperrte Strecke freuen – fuhr er die internationale Konkurrenz in Grund und Boden.

Aus Russland über

Nacht nach Buschhütten

Nach dem Schwimmen im Warmwasserfreibad lag noch Ivan Vasiliev in Führung - der Mann, der für die „Krone” gehandelt wurde. Der Starter fürs EJOT-Team Buschhütten war erst in der Nacht aus Russland angereist - vielleicht hatte auch diese Übermüdung ein paar „Körner” gekostet. Vasiliev kletterte als Erster aus dem Becken und stürmte dann mit dem Rad an die Spitze. Doch es dauerte nicht lange, da wurde er von der „fleischgewordenen Rennmaschine” (O-Ton Rainer Jung) in Grund und Boden gefahren. Und Kienle gab die Führung auch beim Laufen dann nicht mehr her.

Auf Platz zwei landete Andi Böcherer, ehemaliges EJOT-Teammitglied, ebenfalls nach einer starken Vorstellung auf dem Rad. „Ich wollte Timo Bracht mal zeigen, wo der Hammer hängt”, sagt`s und tat`s dann auch. Im Ziel fiel er „Sebie” überglücklich in die Arme. Dritter wurde eigentlich EJOT-Athlet Simon de Cuyper, doch nach einer Zwei-Minuten-Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens wurde Böcherer von Platz drei auf Rang acht „durchgereicht”.

Die Triathleten des EJOT-Teams gaben wieder eine Gala-Vorstellung. Fünf Athleten unter den Top-Ten, das lässt für die Saison hoffen. Stärkster heimischer Ausdauerdreikämpfer war der Alsdorfer Simon Jung (EJOT-Team). Der hatte in der Vergangenheit nicht so richtig seinen Frieden mit dem Wettkampf in der Stadt Kreuztal gefunden. Vor zwei Jahren schwer gestürzt hatte er seiner Mutter zum Muttertag vor allem eines versprechen müssen: „Ja ich komme heil an, ohne Verletzung”. Das tat er dann auch, kam als Zwölfter ins Ziel, aber auch er wurde durch eine Zeitstrafe nach hinten gesetzt. Windschattenfahren in der Bundesliga erlaubt – in Buschhütten steht darauf „Höchststrafe”.

Der Held des Tages war aber eigentlich nicht „König Kienle” - das war aus heimischer Sicht Michael Rohleder.

Im März 2009 erlag der Dreis-Tiefenbacher nach einem schweren Unfall (ein Autofahrer hatte ihn von hinten auf dem Rad umgefahren) um Haaresbreite seinen Verletzungen - er würde wohl nie wieder laufen, geschweige denn einen Triathlon überstehen können. Doch mit eisernem Willen kämpfte sich der gebürtige Dreis-Tiefenbacher zurück insWettkampfgeschehen. Er wurde zum Helden des Tages, denn nach einer starken Radleistung und gutem Laufen kam er in strömendem Regen auf Platz 18 ins Ziel.

Einer war bereits vor dem Start total frustriert. Michael Raelert, einer der heißen Kandidaten auf den Sieg musste passen. „Mist, ich habe mich erkältet. Das tut weh, nur zuschauen zu müssen.”

Sie wollte den sechsten Sieg feiern, doch daraus wurde wieder nichts. Im Vorjahr schnappte Anne Haug Ina Reinders den Titel der „Königin” weg – diesmal war es Daniela Sämmler aus Darmstadt, die sich den RUNDSCHAU-Pokal für den Sieg schnappte. Lange hatte die fünffache „König” Ina Reinders, die in Buschhütten bereits zum neunten Mal am Start war, das Feld angeführt. Mit fast einer Minute Vorsprung wechselte sie vom Rad auf die Laufstrecke, doch dieses Polster sollte ihr nicht reichen. „Ich habe total mit Allergie zu tun und hatte zum Schluss Luftprobleme”, so Ina Reinders.

Und so schmolz ihr Vorsprung dahin und nach etwa fünf Kilometern sammelte die starke Läuferin Daniela Sämmler sie auch tatsächlich ein und lief jubelnd ins Ziel. „Damit hatte ich nicht gerechnet”, freute sich die Pokalgewinnerin, die in Buschhütten in den Jahren zuvor bereits Platz drei und vier verbuchen konnte. Diesmal reichte es zur „Krone”. „Ich komme vom Schwimmen, aber ich bin jedesmal froh, wenn ich aus dem Wasser bin”, so die Siegerin, die am kommenden Mittwoch nach Florida fliegt, um dort beim Ironman 70.3 zu starten.

Sämmler lobte die Organisation: „Das ist wirklich top hier, die geben sich unheimlich viel Mühe. Super”.

Ina Reinders und Daniela Sämmler profitierten auch von der krankheitsbedingten Absage der großen Favoritin, der Vorjahressiegerin Anne Haug vom TV Erlangen.

Frank Steinseifer

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