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Rot-Weiß Lüdenscheid halbiert die Schulden

23.12.2009 | 17:26 Uhr

Lüdenscheid. Mit zweieinhalb Stunden dauerte die Jahreshauptversammlung von Rot-Weiß Lüdenscheid ungewöhnlich lange, am Ende stand aber fest, mit welcher Vorstandsmannschaft der 490 Mitglieder starke Fußballverein in die nächsten zwei Jahre geht.

Michael Dregger und Martin Buchheister wurden wiedergewählt, Stefan Grappendorf löste am Dienstagabend in der Gaststätte Streppel den auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen Heiko Kölz ab.

Jahreshauptversammlung Rot-Weiß Lüdenscheid 2009: Der gewählte dreiköpfige Vorstand (v.l.) Michael Dregger, Martin Buchheister und Stefan Grappendorf. WR-Foto: Thomas Dietrich

„Ich danke für das Vertrauen und denke, dass wir mit diesem Team viel bewegen können für unseren RWL”, schloss der alte und neue Vorstandssprecher Michael Dregger die Sitzung nach 150 Minuten.

Mit Verhandlungsgeschick und teilweise an der langen Leine führte Dregger die 30 Mitglieder durch die Versammlung. „Wir vom Vorstand wollen bewusst die Diskussion mit unseren Mitgliedern führen”, richtete Dregger an die Anwesenden und ließ – was eher unüblich ist – auch Zwischenfragen während seines Berichtes zu.

Die wichtigste und positivste Botschaft, die Dregger für die Mitglieder quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk im Gepäck hatte: „Wir haben im vergangenen Jahr unsere Zahlungsverpflichtungen von 125 000 Euro auf 62 000 Euro verringert.” Vor allem der Verkauf des Jugendheims Wehberg an die Stadt schlug dabei positive zu Buche. Über den Berg sei der Verein damit aber noch nicht. „Wenn wir nicht alle an einem Strang ziehen, kann der Verein nicht überleben. Wir sind für jede Kritik offen, wenn sie sachlich ist. Die verbalen Kritiker dürfen eine gewisse Grenze aber nicht überschreiten. Wir haben und werden auch in Zukunft alle Entscheidungen zum Wohle des Vereins treffen.”

Revisor Ansgar Forkel berichtete von einer „sauberen Kassenführung” und beantragte die Entlastung des alten Vorstandes für die Geschäftsjahre 2007/2008. Diese wurde auch erteilt.

Vor dem Hintergrund der weiterhin angespannten Finanzlage schlug der Vorstand eine Änderung der Beitragsordnung vor. Der Vorstand sollte die Möglichkeit bekommen, einen Notgroschen in Form einer Einmalzahlung von jedem Mitglied erheben zu können. „Als Notfallquelle, wenn wir einen Liquididätsengpass haben”, begründete Michael Dregger. Der Antrag fand allerdings keine Mehrheit. Dafür wurde einstimmig beschlossen, dass bei Neu-Mitgliedern für den ersten Beitrag künftig der Eintrittsmonat entscheidend ist (ein Zwölftel pro Monat ab Eintrittsdatum).

Die sportliche Bilanz fiel in Dreggers Bericht durchwachsen aus. „Ich hoffe, dass wir im Sommer mit dem Abstieg der ersten Mannschaft in die Bezirksliga unseren sportlichen Tiefpunkt erreicht haben. Das hat mich schon einige Nächte gekostet”, gab der Vorstandssprecher zu.

„Schlimmer als eine Katastrophe”, bezeichnete Dregger die Situation der von großen personellen Problemen geplagten A-Jugend. „Wir arbeiten daran und wollen alles Mögliche versuchen, dass wir die Mannschaft nicht abmelden müssen.” Davon abgesehen sieht Dregger die Jugend „gut aufgestellt. Wir sind auf einem sehr guten Weg.”

Buchheister hängt noch zwei Jahre dran

Der Blockwahl des neuen RWL-Vorstandes ging eine teilweise hitzige Diskussion voraus. Einige Mitglieder hatten eine Einzel- bzw. geheime Wahl beantragt. Beides sieht die RWL-Satzung nicht vor. „Ich führe gerne jede Diskussion, aber nicht, wenn sie sinnlos ist. Wenn wir über unsere Satzung reden sollen, dann bitte ich, dass sich alle auch mit der Satzung vertraut machen und sie lesen”, nahm Michael Dregger den Kritikern den Wind aus den Segeln.

Jahreshauptversammlung Rot-Weiß Lüdenscheid 2009: Friedhelm Schulte, Mitglied des RWL-Beirates. WR-Foto: Thomas Dietrich

Martin Buchheister, dessen langjährige Vorstands-Ära bei RWL eigentlich am Dienstag enden sollte, ging in die Offensive und begründete sein Weitermachen: „Die vorgeschlagene personelle Konstellation ist für viele sicherlich überraschend. Ich gebe auch zu, dass ich eigentlich nicht weitermachen wollte im Vorstand. Früher habe ich kein RWL-Spiel verpasst. Seit einigen Jahren hat sich meine persönlichen Lebensplanung aber verändert”, gab Buchheister zu. „Ich bleibe auch auf Bitte meiner Vorstandskollegen und deshalb bitte ich alle Mitglieder, mich so zu nehmen, wie ich bin. Ich denke, dass ich dem Verein immer noch helfen kann und will.”

In den kommenden zwei Jahren will Martin Buchheister sehr eng mit Friedhelm Schulte, der vom Vorstand in den neu eingerichteten Beirat berufen wurde, zusammenarbeiten. Ziel ist es, dass Schulte Buchheister im Vorstand „schleichend” ablösen soll.

HINTERGRUND

- Zu Revisoren für das Geschäftsjahr 2009 wählten die Mitglieder Ansgar Forkel (wie bisher) und Willibald Kuhbier (neu).

- Als neues Ehrenmitglied wurde Steuerberaterin Heidemarie Pickard aufgenommen. „Ohne ihr Fachwissen und ohne ihre Tatkraft, würde es den Verein schon lange nicht mehr geben”, begründete Michael Dregger den Antrag des Vorstandes.

- Seit 25 Jahren im Verein sind Kurt Otters und Martin Lutz. Die Ehrung der Jubilare wird künftig jeweils am 1. Mai eines Jahres „in gemütlicher Runde” vorgenommen.

- Am 17. Oktober eines jeden Jahres soll künftig ein zwangloses, gemütliches Treffen der Ehrenmitglieder stattfinden. Beide Daten sind die Gründungstage der RWL-Gründervereine RSV Höh und Sportfreunde 08.

Thomas Dietrich

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