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Ruhr 2010 Cup in Lünen

Abtasten statt Angriffsfußball

24.05.2010 | 19:22 Uhr

Lünen. Bestes Fußballwetter, klangvolle Vereinsnamen, die Nationalsspieler von morgen - und 820 zahlende Zuschauer. So stellte sich der Ruhr 2010 Cup am Pfingstsamstag in Lünen dar.

Fußball: Ruhr.2010-Cup der U-19 im Stadion Schwansbell.

Im Stadion Schwansbell hatte der letzte Vorrundenspieltag der Gruppe sogar noch den Charme, dass alle Mannschaften punktgleich in der Tabelle standen - es war alles drin für alle vier Teams.

Nur 820 zahlende

Zuschauer kamen

Wer vor diesem Hintergrund nun forschen Angriffsfußball erwartet hatte, der wurde von den Jungsprofis des FC Schalke 04 und von Bayern München sehr enttäuscht.

Experten wie Laien bewunderten zurecht die Ballsicherheit der Spieler und ihr Tempo, aber angesichts mangelnder Torchancen wurde diese Partie leider nicht zum erhofften Höhepunkt des Nachmittags. Folgerichtig stand es am Ende des 60-minütigen Abtastens 0:0.

Dem Kenner fiel die enorm gute taktische Schulung auf, die Fitness der Jungprofis. Gute Unterhaltung hätte freilich anders ausgesehen.

Fußball: Ruhr.2010-Cup der U-19 im Stadion Schwansbell. Fotos: Bodo Kürbs

Die kam dafür über das Stadionmikrofon. Da gab es - wie lange hat man das eigentlich nicht mehr gehört? - bei einem Großereignis gesprochende Werbung: „Scheibe kaputt? - Mach keinen Stunk! Glasklar: Glas Jung!”

Für die folgende Partie zwischen am AC Mailand und dem FC Liverpool hatte sich das Sonnenbrillenputzen im Vergleich zum ersten Spiel schon eher gelohnt, denn hier ging es deutlich engagierter zur Sache.

Die Engländer führten mit 1:0, ehe „Milan” in der Nachspielzeit doch noch der Ausgleich gelang. In der Tabelle lagen nun alle Mannschaften nach Punkten weiterhin gleichauf, der AC Mailand zog ins Finale ein, weil er die meisten Tore geschossen hatte.

BVB schlug Milan

im Finale mit 6:0

Das Endspiel verloren die Italiener am Pfingstmontag haushoch mit 0:6 gegen den Turniersieger Borussia Dortmund und wie man hörte, strengten sich die Azzuri dabei nicht über die Maßen an. Die Schalker wurden am Endspieltag immerhin noch Dritter vor der südafrikanischen Mannschaft der Kaizer Chiefs.

In Lünen hatten sich eine Menge Leute Arbeit mit der Veranstaltung gemacht, es hätten gut und gern einige hundert Zuschauer mehr kommen können. Platz war genug da, die Verpflegungsstände hätten es auch vertragen können.

So aber beschlich einen auf dem Nachhauseweg die bange Frage, wann in Schwansbell in absehbarer Zeit wieder einmal so viele Zuschauer zum Fußball kommen werden. 820 waren für das Ereignis zu wenige, für Lünen aber eine Menge.

DIE STIMMEN

Dankwart Ruthenbeck, sportlicher Leiter des BV Brambauer: Von den Spielern aus den Mannschaften von Schalke und Bayern würde ich schon gern zehn haben. Von jeder Mannschaft am liebsten fünf...

Siegfried Rummel, Co-Trainer BV Brambauer: Die Resonanz auf diese namhaften Mannschaften ist enttäuschend. Was will man denn noch anbieten? Das Spiel zwischen Schalke und Bayern hatte zwar kaum Torchancen zu bieten, aber ich fand es trotzdem interessant. Da laufen schon eine Menge super Fußballer herum.

Philipp Rosenkranz, Spieler BV Brambauer: Man sieht, dass die Spieler taktisch sehr gut ausgebildet sind. Ich finde den Rahmen übrigens ganz in Ordnung. Beim ersten Turnier dieser Art darf man nicht zuviel erwarten.

DIE DURCHSAGE

Stadionsprecher Uli Behle, Borussia Dortmund II:

„Zum letzten Mal bitten wir den Fahrer mit dem Hagener Kennzeichen, sein Auto aus dem Parkverbot zu entfernen. Sonst wird gleich kostenpflichtig abgeschleppt. Das Geld kann heutzutage doch jeder besser selbst gebrauchen, als es in irgendwelche staatlichen Kanäle zu stecken.”

DER KOMMENTAR

Von Carsten Rüßel

Angesichts des unterirdisch schlecht verlaufenen Fußballjahres in Lünen hätte man eigentlich meinen können, dass sich die heimische Szene am Samstag gern mal etwas abgeschaut hätte von denen, die ihren Sport beherrschen. Aber Fehlanzeige.

Beim Rundgang durch Schwansbell fielen einem nur wenige bekannte Gesichter der Szene auf - einigermaßen vertreten waren noch der BV Brambauer und der Lüner SV, der ja in Schwansbell zu Hause ist. Der Rest fehlte und außer dem fast zeitgleich spielenden VfB 08 hatte keiner eine Entschuldigung.

Es steht wohl außer Frage, dass so ein Ereignis vor 10 oder 20 Jahren deutlich mehr Besucher angezogen hätte. Aber der Fußball ist mittlerweile zum Fernsehsport verkümmert. Die ständig sinkenden Zuschauerzahlen beim Amateurfußball passen da genau ins Bild.

Carsten Rüßel



Kommentare
24.05.2010
20:41
Abtasten statt Angriffsfußball
von Ruhr2010-Beobachter | #2

Wiedenbrück : 2100 Zuschauer
Lünen : 820 Zuschauer
Zeigt dass Lünen leider nur noch tiefste Fussballprovinz ist , was will man auch erwarten wenn die örtlichen Medien fast kein Wort über dieses Riesenereignis im Vorfeld verlieren.
Am Spieltag ein Zweizeiler , eine Woche vorher mal ein kleiner Bericht, erbärmlich!
Stattdessen Berichte über Thekensport.
Da darf man sich nicht wundern...

24.05.2010
19:48
Abtasten statt Angriffsfußball
von The Wall | #1

@carstenruessel
man sollte seine wortwahl schon ein wenig beachten! entäuschende Zuschauerzahlen oder keine Entschuldigung (bezogen auf die Vereine) halte ich hier für weniger angebracht! Immerhin hatten wir ein Pfingstwochende mit seid langem mal wieder schönen wetter, da fährt man mit seiner Familie mal gerne woanders hin als auf einen Sportplatz, denn dort ist man die letzten monate häufiger vertreten gewesen! p.s.: ich hoffe die 820 zahlenden Zuschauer haben genug Umsatz gemacht damit der LSV seinen Anteil am Kunstrasenplatz beitragen kann ;-) ball hoi

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