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Phoenix Hagen

Phoenix Hagen feiert Klassenerhalt

29.04.2012 | 16:57 Uhr
Auf dem „Heuboden“ stimmte Bernd Kruel nach dem Phoenix-Sieg die „Humba“ mit den Fans an. Foto: Michael KLEINRENSING

Hagen.   „Für diese Momente lohnt sich das alles“, sagte Phoenix-Coach Ingo Freyer und bedankte sich für die Unterstützung der Fans beim 85:72-Erfolg gegen die LTi Gießen 46ers. Phoenix Hagen bleibt ein weiteres Jahr in der Basketball-Bundesliga.

Abgestiegen ist Bernd Kruel in 19 Profi-Jahren nie. Aber selten war das so sehr auch das Verdienst des 35-Jährigen wie am letzten Spieltag der Saison 2011/12. „Kruel, Kruel, Kruel“, schallte es im Stakkato aus 3000 Kehlen durch die Enervie Arena, als Phoenix Hagen mit dem 85:72 (45:33)-Sieg gegen die LTi Gießen 46ers den Klassenerhalt in der Basketball-Bundesliga perfekt gemacht hatte. Und die Teamkollegen des Routiniers stimmten - mitten unter den Fans auf dem „Heuboden“ - ein.

Es war die perfekte Arbeitsteilung der Center: Bernd Kruel hatte auf dem Parkett den Großteil des Jobs unter den Körben gegen den gleichaltrigen Elvir Ovcina mit Sternchen erledigt, so besaßen seine Kollegen Adam Constantine und Edward Seward nach der Schlusssirene noch Reserven. Im Sprinttempo schossen die beiden extrovertierten US-Akteure also in die Kabine, um den Sekt zu holen, während Bettina Kruel als Erste auf dem Feld war und ihrem Gatten um den Hals fiel. Und als wenig später Constantine und Seward Sekt spritzend die enthemmte Feier von Spielern und Fans einleiteten, ließ sich Bernd Kruel erschöpft auf die Spielerbank fallen. „Ich muss mich erstmal setzen“, stieß der 35-Jährige hervor, bevor er sich zum Live-Interview mit Sport1-Moderator Stephan Baeck wieder aufrappelte.

Spieler und Anhang hatten sich ausgelassene Spontan-Fete verdient

Es war nicht die letzte Herausforderung für den Hagener Routinier, ungeduldig und lautstark verlangten die Fans nach Kruel auf dem „Heuboden“. Und erst als der „Storch“ hoch zu den Mannschafts-Kollegen in die Stehplatz-Ränge gestiegen war, sich unerschrocken eine gelb-rote Perücke übergestülpt und zum Megafon gegriffen hatte, konnte mit der von ihm angestimmten „Humba“ die Party richtig beginnen. „Die Jungs haben ein richtig tolles Spiel gemacht und bis zum Ende gefightet“, lobte am Spielfeldrand Geschäftsführer Oliver Herkelmann, „sie dürfen jetzt auch richtig feiern.“

Die ausgelassene Spontan-Fete hatten sich Spieler wie Anhang an einem denkwürdigen Abend gleichermaßen verdient. Schon eine Stunde vor dem Hochball sangen sich die Fans auf dem gelb leuchtenden „Heuboden“ warm, von ihnen ließen sich auch die Besucher auf den Sitzplatz-Rängen - ohnehin meistens stehend - zu lautstarker Unterstützung inspirieren. Den Gießenern, immerhin von 400 Fans begleitet, schlug ein infernalischer Lärm entgegen, jeder Angriff wurde von einem Pfeifkonzert begleitet. Im Abstiegskampf war kein Platz für Freundlichkeiten.

Eine brodelnde, knisternde Atmosphäre, die die Phoenix-Spieler mächtig puschte. Vor allem Kapitän Zygimantas Jonusas war ganz in seinem Element. Nach dem Hochball erkämpfte er sich die Kugel, 16 Sekunden später saß sein erster Dreier. Zwei weitere folgten, nach dem Dreipunktspiel von Davin White hieß es 12:0 (4. Minute) - und 46ers-Coach Björn Harmsen bat entsetzt zur Auszeit. Doch Phoenix blieb vorn, weil die Gäste sich gegen die aggressive und aufopferungsvolle Hagener Defensive kaum freie Würfe erarbeiten konnten. Nur ihre Überlegenheit beim Rebound und das Spiel über Ovcina und Koko Archibong ans Brett hielt sie im Spiel. White und dessen Zug und Anspiele zum Korb hatten die Gießener lange gut im Griff, aber von außen traf Phoenix weiter hochprozentig.

Jonusas’ fünfter Dreier - der Litauer war immer noch ohne Fehlwurf - bedeutete das 37:24 (12.), ehe die Gäste zum 39:33 (16.) aufschließen konnten. Die Auszeit von Phoenix-Coach Ingo Freyer kam zur rechten Zeit, Kruel - nun gegen Ovcina ganz stark - und der defensiv bissige und vorn treffsichere Tristan Blackwood stellten den alten Abstand bis zur Pause wieder her (45:33). Beide setzten auch nach dem Wechsel die Akzente, bei Blackwoods Dreier zum 52:36 (23.) rückte der Ligaerhalt immer näher. Kapitulieren wollten die Gießener aber noch nicht, auch wenn Spielmacher Radenko Pilcevic nach einem Zusammenprall mit Jonusas stark humpelnd das Parkett verlassen musste (29.).

Näher als auf sieben Zähler arbeiteten sich die Gäste um Wayne Bernard aber nicht heran, auch weil irgend ein Phoenix-Spieler stets die richtige Antwort fand. In den letzten drei Minuten war dies Spielmacher White, der den Gießenern ganz frech drei finale Dreier ins Gesicht warf. „Ich habe auf die Uhr gesehen und gedacht, dass es Zeit für einige ,Big Shots’ sei“, konstatierte der US-Spielmacher, mit dessen Verpflichtung der Umschwung kam, später selbstbewusst: „Die habe ich gemacht.“ Sein zweiter Volltreffer zum 82:72 knapp 100 Sekunden vor der Schlusssirene bedeutete die endgültige Entscheidung, wenig später gab es bei enthemmten Spielern und Fans kein Halten mehr.

Mitten drin Ingo Freyer, der bei den vielen Niederlagen zuvor nicht selten im Fokus der Kritik gestanden hatte. „Für diese Momente lohnt sich das alles“, sagte der Phoenix-Coach - am Spielfeldrand über 40 Minuten emotional wie selten - und bedankte sich für die Unterstützung der Fans: „Diese Stimmung hat uns getragen.“ Und nicht nur Freyer war sich sicher: „An diesen Abend werden wir noch lange denken!“

Phoenix Hagen - LTi Gießen 46ers 85:72 (45:33)

Phoenix Hagen: Jonusas (23, 6/7 Dreier, 6 Rebounds), Blackwood (11, 3/5 Dreier, 5 Assists), Spohr, Carter (4, 4 Assists), Kruel (20, 89% Wurfquote), Hasquet (4), Constantine, Seward (4), White (20, 4/8 Dreier, 6 Assists, 5 Ballverluste). LTi Gießen 40ers: Stewart (11, 1/6 Dreier), Ovcina (14, 7 Rebounds, 5 Assists), Zazai (4), Prewitt (7), Oehme (2), Pilcevic (5), Archibong (10, 11 Rebounds, 5 Ballverluste), Bernard (19, 4/7 Dreier).

Spielviertel: 30:20, 15:13, 17:16, 23:23.

Teamstatistik: 55:40% Wurfquote, 13/22:8/24 Dreier, 16/24:18/23 Freiwürfe, 22:39 Rebounds, 19:17 Assists, 11:19 Ballverluste, 7:2 Ballgewinne. Zuschauer: 3145.

Phoenix bleibt erstklassig

 

Axel Gaiser


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