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Startnummer 1805

05.07.2012 | 18:32 Uhr
Startnummer 1805
Christian Behlau startet am Sonntag bei der Challenge Roth, der Triathlon-Europameisterschaft über die Langdistanz. Foto: Thomas Schmidtke

Heßler.   Christian Behlau startet nach 1998 zum zweiten Mal bei der Challenge Roth über die Langdistanz. „Die Geschichte wird dort zelebriert“, sagt der 41-jähriger Heßleraner. „Das ist es, worauf ich mich total freue.“

Bloß nicht das! Bloß nicht die Flasche auf der 180 Kilometer langen Radstrecke verlieren, die Trinkflasche mit dem verdünnten Power-Bar-Gel, mit den so wichtigen Kohlenhydraten. „Das wäre das Einzige, für das ich absteigen würde“, sagt Christian Behlau. Knapp 10 000 Kalorien wird der Heßleraner zu sich nehmen, wenn er am Sonntag zum zweiten Mal bei der Challenge Roth an den Start gehen wird, die bei seinem ersten Start dort vor 14 Jahren noch Ironman Europe hieß.

Es ist Dienstagabend, der Tag vor der Abfahrt ins deutsche Triathlon-Mekka der Langdistanz. Sozusagen Triathlon auf einer Dachterrasse an der Holtgrawenstraße. Christian Behlau geht die letzten Details durch, während sich sein fast sechsjähriger Sohn Jann ein Leberwurst-Brötchen schmecken lässt. Es kribbelt. Seit März hat der 41-Jährige 4800 Kilometer auf dem Rad gesessen, ist 120 Kilometer geschwommen und 950 Kilometer gelaufen. „Das ist ein erheblicher Trainingsaufwand“, sagt er. Manch­mal mehr als 20 Stunden in der Woche. Inzwischen aber sei die Zeit gekommen, dass er bei fast jeder Bewegung, bei fast jedem Schritt nachdenke. Oder besser: dass er an seinen Roth-Start denkt.

Die Nummer 1805 wird Christian Behlau am Sonntag tragen, wenn er um 7.15 Uhr ins Wasser springen wird. Gegen 3 Uhr will er aufstehen, „um schön noch einen Kaffee zu trinken und was zu essen“, sagt er. Geschlafen haben wird er nicht viel. „Ich werde am Samstagabend um 21.30 Uhr ins Bett gehen“, sagt er und lächelt. „Und um 1.30 Uhr das letzte Mal auf die Uhr schauen. Aber man käme auch ohne Schlaf durch. Der Körper ist so voll mit Adrenalin.“

Längst hat Christian Behlau den Punkt erreicht, „an dem man das Trainieren leid ist“, sagt er. Es soll endlich losgehen. Er will dieses Gefühl, das er in den vergangenen Jahren nach seinem Start 1998 regelmäßig als Zuschauer erlebt hat, wieder als Triathlet spüren. „Die Atmosphäre, die Stimmung drumherum, das nimmt einen so dermaßen mit“, sagt der ehemalige Fußballer des SV Hessler 06 und der STV Horst-Emscher. Und es gibt auch keine Top-Athleten, die mit Star-Allüren durch die Gegend schlendern. „Die sind alle total locker, und mit denen kann man sich auch ganz normal unterhalten“, erzählt Christian Behlau, der von zwei Zielen für seinen Ironman-Sonntag spricht. „Primär ankommen“, sagt er. „Sekundär, unter 10:30 Stunden zu bleiben. Wenn ich Top-Bedingungen haben werde, ist das machbar.“ 1998, bei seinem ersten Start in Roth, hatte er 11:06,41 Stunden gebraucht.

Damals hätte oder hatte er sogar geschworen, diesen extremen Dreikampf so nicht noch einmal zu machen. „Aber ich habe mich dann vernatzen lassen: einmal ist keinmal“, sagt er und schmunzelt. Er meldete sich also wieder an, als 40-Jähriger. Doch wegen einer Sprunggelenkverletzung musste er 2011 passen. Jetzt spürt er zwar auch noch die Folgen eines Muskelfaserrisses, so dass „ich ein bisschen aus dem Tritt bin beim Laufen“, sagt er. „Ich bin aber recht ehrgeizig und will die Ziele, die ich im Kopf habe, auch umsetzen. Ganz auf locker? Das kann ich nicht.“

Und wenn es dann am Sonntagabend vorbei sein wird, hängen Christian Behlau und seine Frau Anja mit ihrem Sohn Jann noch zwei Tage Urlaub an der fränkischen Seenplatte dran. „Urlaub? Das ist kein Urlaub“, sagt er. Sondern? „Wunden lecken!“

Zuvor aber heißt es vor allem, dieses herausragende Ereignis, bei dem am Sonntag auch die Europameister auf der Triathlon-Langdistanz gekürt werden, zu genießen. „Die Geschichte wird dort zelebriert“, sagt Christian Behlau. „Das ist es, worauf ich mich total freue. Faszinierend. Als ich 1996 zum ersten Mal in Roth war, habe ich gedacht: Was ist denn hier los?“

Was wohl 2012 los sein wird?

Andree Hagel



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