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Fortuna 2011/12

Wie Norbert Meier Fortuna Düsseldorf in die Bundesliga zurückführte

08.06.2012 | 20:02 Uhr

Düsseldorf.  In diesem Sommer ist Norbert Meier viereinhalb Spielzeiten Trainer der Fortuna. Seine Erfolgsstrecke am Rhein ist beispielhaft: In 159 Pflichtspielen gelangen 81 Siege bei „nur“ 40 Niederlagen. In der atemberaubenden Aufstiegssaison mit dem Relegationschaos gegen Hertha verlor sein Team nur vier Spiele.

Nein, Zahlen oder Serien, Statistiken allgemein mag Norbert Meier nicht. Der Fortuna-Cheftrainer weiß ganz genau, dass Rechnereien im Fußball auch stets ein gutes Stück Spielerei bedeuten. Sie helfen auf dem Rasen nicht weiter. Trotzdem kommt auch für Meier einmal der Zeitpunkt, sich mit dem Geleisteten zu befassen. Und darauf ein wenig stolz zu sein. In diesem Sommer ist der gebürtige Reinbeker viereinhalb Saisons als Coach der Rothemden im Amt. Länger hielt es bei Fortuna nur Heinz Lucas aus. Der war von 1970 bis 1975 genau 1755 Tage an der Seitenlinie zu finden. Meier zieht mit dem Altmeister und seinen Sprüchen („In diesem Spiel hätten wir zwei Punkte holen müssen – mindestens!“ Damals gab’s noch keine Drei-Punkte-Regel) am 21. Oktober diesen Jahres gleich.

Näschen für Freistöße

Was für Meiers Fußballer-Laufbahn typisch ist. Werder Bremen hielt der Mittelfeldkicker mit dem Näschen für gut getretene Freistöße einst neun Saisons die Treue. Bei Borussia Mönchengladbach spielte er ab 1990, trainierte dann den Nachwuchs, die Amateure und, in der Saison 1997/98, die Profis. Beim MSV Duisburg wäre er sicher länger als zweieinhalb Jahre geblieben, wäre nicht die Kopfstoßattacke mit dem Kölner Albert Streit im Dezember 2005 dazwischen gekommen.

Meiers Erfolgsstrecke am Rhein ist beispielhaft. In 159 Pflichtspielen (ohne Pokal, aber mit den Relegationsmatches gegen Hertha BSC) gelangen 81 Siege, 38 Punkteteilungen, 281 Punkte und 251:153 Tore bei „nur“ 40 Niederlagen. Meier kommt auf einen Punkteschnitt von 1,77 pro Partie.

Fortuna vs Greuther Fürth

Die gerade abgelaufene, erfolgreichste Fortuna-Saison unter Meiers Ägide mit nur vier Niederlagen wertet die Statistik natürlich auf. Insbesondere eine phänomenale, niederlagenlose Hinrunde mit zwölf Siegen. „Da haben wir oft über dem Limit gespielt“, betonte Meier stets. Und sah sich mit Blick auf die durchwachsene Rückserie bestätigt. Da langte es nur zu vier Siegen. Und es gab schmerzhafte Rückschläge.

Beispielsweise die 1:2-Pleite bei Schlusslicht Hansa Rostock. Sportvorstand Wolf Werner, der tags darauf seinen 70. Geburtstag in Hamburg feierte, zeigte sich nicht als einziger Beobachter wenig amüsiert über das Gebotene.

Hurra-Stil in der Hinrunde, Rückschläge in der Rückrunde

Die Hinserie war geprägt von Tempo, von Offensivfußball, von ein wenig Hurra-Stil, der die Zuschauer begeisterte. Fortuna schien alle Gegner zu beherrschen. Erstmals nach dem 1:1 in Frankfurt musste man anerkennen, dass in dieser Form „nach oben was drin ist“.

Sascha Röslers Fallrückzieher beim 2:0-Auftaktsieg über den später elend hinterher laufenden Aufstiegsfavoriten VfL Bochum bleibt haften. Assani Lukimyas erstes Fortuna-Tor zum späten 3:2 beim 4:2 in Aue. Die 4:2-Wackelnummer gegen neun Cottbuser im Heimspiel. Das 2:0 über Rostock ohne ausgesperrte Hansa-Fans. Auch das 5:2 beim FSV Frankfurt unter Schock, als in der Nacht zuvor die Schwester von Neuzugang Adriano Grimaldi bei einem Autobahnunfall tödlich verunglückt war.

Ranisav Jovanovic beendete mit dem letzten Schuss im Match gegen Dresden zum 2:1 seine 700 Tage andauernde Torflaute. Das 3:1 beim FC St. Pauli zuvor war eine Gala mit HSV-Leihgabe Maximilian Beister im Vordergrund.

Im alten Jahr knickten die sprießenden Blüten jedoch schon. Paderborn beendete die 48 Spiele andauernde Serie der Fortuna ohne Niederlage mit einem 3:2 in der Arena. Gegen Meister Borussia Dortmund war nach einem 0:0 im Elfmeterschießen das Glück nicht hold. Thomas Bröker verschoss entscheidend.

Fortuna unterliegt BVB 4:5

Ohne Erfrierungen kam man bei minus 16,2 Grad Celsius in Ingolstadt Anfang Februar mit einem 1:1 vom Platz. Da wirkten die Scharmützel mit Eintracht Frankfurt und Trainer Armin Veh („Der Rösler ist eine Schande für den Fußball“) deutlich länger nach. Der als „Rotzlöffel“ beleidigte Rösler hatte zu knabbern. Auch wenn er es lange nicht zugeben mochte. Es gab auswärts viele Pfiffe. Und auch die Referees schienen, vor allem wenn Beister im gegnerischen Strafraum angegangen wurde, plötzlich gehemmt. Ließen lieber laufen, anstatt auf Elfmeter zu entscheiden.

Fortunas 5:0 in Karlsruhe war ein trügerischer Befreiungsschlag. Es kamen noch Rostock und Dresden. 1:2-Niederlagen, die selbst Platz drei gefährdeten.

Platzstürme in Fürth, gegen den MSV und Hertha

Und es kamen gleich drei Platzstürme. In Fürth feierten die „Kleeblätter“. Doch Ken Ilsøs Blattschuss zum 1:1 in den rechten Torwinkel hatte Fortuna zumindest Relegationsspielplatz drei wieder aufs Tablett gelegt. Der wurde gegen zehn Meidericher bei einem 2:2 verteidigt. Die Fans fluteten schon da (unsinnigerweise) das Feld.

Die Relegationstreffen mit Hertha sind noch so frisch vor Augen, als wären sie erst gestern Abend gespielt worden. Thomas Brökers Geniestreich zum 1:1 riss die Fortunen im Olympiastadion aus einer gewissen Lethargie. Ramos’ Eigentor zum 2:1-Gästesieg lähmte 68 000 Fans.

Chaosspiel Fortuna gegen Hertha

Im Rückmatch sah die spielerisch gute Hertha besser aus. Das atemberaubende 2:2 dank Beisters Pferdepfund und Jovanovic’ Innenpfostentreffer sicherte Fortuna die ersehnte Bundesliga. Das chaotische Ende mit Hunderten von Fans auf dem Rasen, obwohl das Spiel noch nicht beendet war, verdarb vielen die Aufstiegsfreude. DFB-Sport- und Bundesgericht wurden via Berliner Einspruch zur kleinen Zitterpartie. Handfeste Beweise, die eine Spielwiederholung gerechtfertigt hätten, konnten die Herthaner allerdings nicht vorlegen.

Am 31. Mai 1997 hatte Fortuna letztmalig in der Bundesliga gespielt, am Abend des 16. Mai 2012 durften sich die rot-weißen Fans wieder erstklassig fühlen – 5464 Tage später!

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Michael Ryberg


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