Wilke hat Weisweiler schon überholt
14.01.2010 | 18:41 Uhr 2010-01-14T18:41:00+0100
Den legendären Hennes Weisweiler, der elf Jahre die Gladbacher Fohlen trainierte (1964 bis '75), hat er längst überholt. Otto Rehhagel (14 Jahre Werder Bremen) ist ihm noch ein bisschen voraus. Doch auch dieser Rekord wackelt.
Gestern teilte Borussia Dortmund mit, dass der Vertrag mit Trainer Gustl Wilke um ein Jahr verlängert worden ist, bis Juni 2011. Dann hat der Mann, der den Frauenhandball beim BVB Ende der 80-er Jahre in Gemeinschaftsarbeit mit Heinz Reitemeyer aus dem Dornröschenschlaf küsste, zwölfeinhalb Jahre BVB hinter sich, mit den Höhepunkten deutscher Pokalsieg (1997), deutsche Vizemeisterschaft (1999) und dem Erreichen des EHF-Pokal-Finals (1997).
„Für mich war der Sieg gegen Celle der Knackpunkt”, sagte Wilke, „da habe ich gemerkt, dass nach Anlaufschwierigkeiten alle ihre neue Rolle verstanden und akzeptiert haben. Dagmara Kowalska war völlig unaustrainiert zu uns gestoßen, Karina Schäfer und Julia Kunze sind teilweise umgeschult worden. Jetzt steht die Mannschaft.” Und außerdem, habe er sich gesagt, dass „ich meine Karriere im Falle eines Abstiegs so nicht beenden möchte.”
„Diese Vertragsverlängerung ist sehr erfreulich”, sagte Abteilungsvize Walter Maahs, „weil sie für Kontinuität steht, die es übrigens auch im Vorstand und in den Finanzen gibt, so dass wir nun ohne Druck planen können.”
Das Konzept erläuterte Vorsitzender Andreas Heiermann: „Wir werden in der kommenden Saison eine gute Mischung aus jungen und routinierten Spielerinnen haben. Dagmara Kowalska, Zuzana Porvaznikova, die hoffentlich von weiteren Verletzungen verschont bleibt, Julia Kunze, die unter Gustl Wilke große Fortschritte gemacht hat, und Steffi Glathe, die sich sehr mit dem BVB identifiziert, werden unsere Korsettstangen bilden.” Drumherum „junge Hüpfer” mit viel Talent. Darum will er Stella Kramer und Annika Busch („auf rechts sind wir doppelt gut besetzt”) sowie Karina Schäfer mit Zweijahresverträgen ausstatten. Ergänzt werden soll das Team mit einer weiteren gestandenen Spielerin, „möglichst Linkshänderin, die auch decken kann” (Wilke) und Talenten wie Anna-Lena Tomlik aus der eigenen Jugend.
Junioren-Nationaltorhüterin Isabell Roch gehört ab sofort das Vertrauen: sie soll in den nächsten Wochen die Chance bekommen, zu zeigen, dass sie die unangefochtene Nummer Eins sein kann. Nach der Partie gegen Trier (20. Februar) werden sich dann beide Seiten zusammensetzen und die Zukunft besprechen. Heiermann: „Solch eine Chance bekommt sie mit ihren jungen Jahren bei keinem anderen Erstligisten.”
Zum Konzept „Zukunft” gehört auch, dass der ehemalige Oberligaspieler und B-Lizenz-Inhaber Jörg Frähmel (Haspe, Riemke) das Torwartraining übernemen wird, vielleicht ergänzt durch die beruflich stark belastete Tanja Missner.
Zu einem solch frühen Zeitpunkt hatte der BVB die Weichen selten gestellt. Maahs: „Sportlich glaube ich an die Mannschaft und an den Handball beim BVB. Es ist alles im ruhigen Fahrwasser.”
Ruhig ist ja ganz schön - schöner wäre es, wenn es jetzt im Tabellenkeller auch noch richtig spannend würde.
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