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Wer wirklich Joachim Löws Feind ist

16.08.2012 | 19:15 Uhr
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
Bundestrainer Joachim Löw während des Länderspiels gegen Argentinien.Foto: Torsten Silz / dapd

Frankfurt.  Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn kritisierte nach der 1:3-Niederlage der Nationalelf gegen Argentinien Bundestrainer Joachim Löw. Wer sich an Löws Kopf herantastet, sollte sich die Frage stellen: Haben wir denn überhaupt jemanden, der diesen Kopf ersetzen könnte? Ein Kommentar.

Über die Wiederkehr des ewig Gleichen hat schon Friedrich Nietzsche philosophiert. Was erstaunt. Der Mann kannte die deutsche Nationalmannschaft gar nicht. Der Mann kannte nicht einmal Oliver Kahn, den Ex-Torhütertitanen, der kurz nach seinem Karriere-Aus den Eindruck erweckte, er könne auch über die Latte hinaus denken, der aber dummerweise zwischenzeitlich beim Fernsehen gelandet ist. Beim Fernsehen. Das bedeutet: Kahn muss irgendetwas reden, er muss irgendwie rechtfertigen, dass er jetzt in diesem Kasten auftaucht.

Sport medial
ZDF-Experte Kahn schießt gegen Löw und die Nationalspieler

ZDF-Experte Oliver Kahn hat nach der 1:3-Niederlage der DFB-Elf gegen Argentinien Bundestrainer Joachim Löw und die Einstellung der Nationalspieler kritisiert. "Der Bundestrainer muss sich grundsätzliche Gedanken machen", sagte Kahn.

Beim Argentinien-Spiel ist ihm die Rechtfertigung gelungen. Um das gleich festzuhalten: Nicht, weil Kahn Schlaues formuliert hätte. Er hat einfach nur das ewig Gleiche geplappert, aber in der Wirkung prächtig unterstützt durch so etwas wie Führer-Posing. Angespannte Wangen, die Wörter kämpfen sich heraus aus dem Mund, sie sind schon Gewinner, wenn sie in der Sprechblase ankommen, die sie über Fußballdeutschland hinweg tragen wird.

Vielleicht sollte Kahn auf Brutalo-Kapitalist umschulen

Was drin ist in der Sprechblase? Kahn hat bei der 1:3-Niederlage in einer kurios gegen die Deutschen gelaufenen Partie unter anderem ausgemacht, dass der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw „zehn Prozent Wille“ zum Erfolg gefehlt habe. Zehn Prozent! Vielleicht sollte der TV-Kritiker auf Brutalo-Kapitalist umschulen. Mit seinem Willensmessgerät könnte er Belegschaften toll drangsalieren. Sie da hinten, Sie sind wieder nur zu 78 Prozent vom Willen erfüllt...

Video
Frankfurt am Main, 16.08.12: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich am Mittwoch hinter Joachim Löw gestellt und die umfassende Abrechnung des Bundestrainers mit den Kritikern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ausdrücklich unterstützt.

Und es ist nicht nur dieses Offensichtliche stussig, wenn man nachhört. Ja, Herr Kahn, über eine stabile Defensive werden Titel gewonnen. Andererseits, nach vorne gehen sollte es auch! Dass sich Löw angenervt fühlt von der Wiederholung der Wiederholung der teutonischen Willen-Leitwolf-Seifenoper, das ist schon verständlich. Der Bundestrainer hat allerdings nach dem Aus bei der EM den bedeutendsten Fehler in seiner Ära begangen. Er hat seine tatsächliche Rolle in der Öffentlichkeit verwechselt mit der Rolle, die ihm angetragen wurde. Mit der Außenseiterrolle. Mit der Rolle dessen, der seine weicheirigen Ansichten gegen eine breite deutsche Masse verteidigen muss, die sich hinter Kahn und Gesinnungskonsorten versammelt haben.

Argentinien schlägt DFB-Elf

Kann jemand Löw ersetzen?

Stimmt natürlich nicht. Die meisten Menschen hierzulande können ja über die Latte hinaus denken. Hat der Bundestrainer nur falsch gesehen und deshalb das Bild hingestrichelt, das ihn einsam, also angeschlagen, also verwundet zeigt. In der freien Profi-Wildbahn ist das überaus gefährlich. Wer sich an Löws Kopf herantastet, der sollte sich allerdings vielleicht mit einem kleinen Anflug von Verantwortungsgefühl gegenüber dem deutschen Fußball die Frage stellen: Haben wir denn überhaupt jemanden, der diesen Kopf ersetzen könnte?

Frank Lamers

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Kommentare
17.08.2012
11:06
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von gudelia | #32

Wenn das nur ein pillepalle Freizeitkick war frage ich mich: Warum wird für sowas überhaupt noch Eintritt verlangt und warum wird der Schmarrn überhaupt übertragen?

17.08.2012
10:54
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von Rhoenblau | #31

Immer noch Sommerloch? Oliver Kahn ist und bleibt ein aufgeplusteter Haudegen von Gestern oder Vorgestern. So hat er sich immer benommen, als Torhüter und jetzt als ‚Experte‘. Man kann Herrn Löw sicherlich eine Menge vorwerfen, zum Beispiel die extrem ängstliche Aufstellung gegen Italien und deren Folgen. Aber das Argentinienspiel? Viel zu viel Lärm um Nichts. Zwei Drittel der Partie mit 10 Mann, ein unglückliches Eigentor, zwei klasse Tore, die auch hätten daneben gehen können und eine Deutsche Elf, die sich nicht damit abfinden wollte. Basta. Dann stellt sich so ein Titan hin und schwadroniert tatsächlich Stammtisch und Gemeinplätze, nicht ohne genüssliche Seitenhiebe auf seinen vermaledeiten Ex-Coach. Wer das überhört, mag den Löw möglicherweise auch nicht. Ich bin nicht dessen Freund. Aber der Kahn kann mich mal. Und zwar kreuzweise.

17.08.2012
10:49
Alternative?
von ricinus | #30

Ich denke nicht, dass die meisten hier schon soweit gehen möchten, den Trainer auszutauschen. Alternativen wären sowieso dann eher Leute wie der Löw-Zögling Adrion oder Robin Dutt... Es geht um die Kritikfähigkeit des Bundestrainers, was eigene Fehler betrifft, den Umgang mit in seinen Augen "ungebequemenen" Spielern und den sogenannten "roten Faden" den er weiter fortführen möchte. Ich sehe im Moment leider keine großartige Verbesserung der Leistung unserer Nationalmannschaft. Bei Spielen wie gegen Frankreich, Italien und jetzt gegen Argentinien wurden unsere Schwächen eiskalt offenbart. Teils durch Fehler der Mannschaft bzw. durch fehlende taktische Einstellung durch den Trainerstab bzw. personelle Fehlbesetzungen wie gegen Italien Dazu möchte ich mal was von Löw hören und nicht ein peinliches Nachtreten bzw. eine Generalabrechnung mit der medialen Berichterstattung nach der EM.

3 Antworten
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von Heiko04 | #30-1


Da hat er einmal gegen die Italiener im Halbfinale kein gutes Händchen gehabt und wir haben verloren, und dafür soll er jetzt zu Kreuze kriechen oder was?

Über seine Art in den Medien und auch sonst zu streiten können die Gelangweilten ja gerne machen, aber mich interessiert das nur am Rande, denn wichtig ist immernoch auf dem Platz.

Und da muss man sagen, haben wir seit 2006 immer mindestens im Halbfinale gestanden. Ab dann kommt es auch auf Tagesform und Nuancen an, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Das ist Jammern auf ganz Hohem Niveau und mich stört es einfach.

Heiko04
von ricinus | #30-2

"Mal kein gutes Händchen gehabt", ist aber sehr nett ausgedrückt. Ich sehe es so: Er glaubte, er könne aufstellen wie er wolle, allein sein taktisches (Selbst?)verständnis würde ausreichen, die Italiener wegzuputzen. Überschätzt sich da vielleicht mittlerweile einer völlig?

Er wollte daraufhin analysieren und sich zur gegeben Zeit der Öffentlichkeit stellen. Was ist daraus geworden? Nichts als eine Generalabrechnung mit seinen Kritikern. Selbst ein Markus Babbel blieb auf der PK nicht verschont. Das versteht Löw also unter Selbstreflexion?

Wichtig ist auf dem Platz? Da hast du natürlich Recht. Natürlich zählen auf dem absoluten Top-Niveau Nuancen oder Tagesform. 2006 lass ich mal unberücksichtigt. 2008 war die Truppe noch zu jung. Jedoch 2010 und 2012 war sie das nicht mehr, jedoch waren die Unterschiede zum Gegner weit entfernt von Nuancen, sondern wurden 2010 durch Ängstlichkeit und 2012 durch gravierende taktische Fehler des Trainers geprägt. DAS ist Jogis Job!

ricinus
von Burkinho09 | #30-3

Sehr richtig beobachtet und auf den Punkt gebracht. Sowohl die EM 2008 als auch die letzte EM waren eher ein Rückschritt, was das spielerische Niveau der deutschen Mannschaft betraf. Von daher erwarte ich von einem Trainer, dass er die richtigen Schlüsse daraus zieht und an den Schwächen und der taktischen Ausrichtung der Mannschaft etwas ändert. Wenn man zuletzt seinen Auftritt gesehen hat, mag man daran zweifeln, ob Löw selbstkritisch genug ist, um über eigene Fehler nachzudenken.

17.08.2012
10:24
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von Heiko04 | #29


Ich glaube es vergessen viele, inkl. Kahn, dass dieses Spiel ein Freundschaftsspiel in der Saisonvorbereitung gewesen ist.

Und dafür finde ich, hat unsere Truppe doch gar nicht schlecht gespielt. Zu den Toren Argentiniens zählte ein dummes Eigentor und ein Sonntagsschuss. Ein recht ansehnliches Spiel gegen einen straken Gegner Argentinien, man stelle sich vor, die können auch Fußball spielen...

Und beide Teams haben den Weg nach vorne gesucht, dazu die vielen Wechsel, ein Test halt.

Diese Grundsatzdiskussion ist doch lächerlich, Kahn pustet da irgendetwas aus dem Mund und ganz Fußball Deutschland atmet ein...völlig überzogene Diskussion.

Bin auch nicht gerade ein Löw Fan, aber dann nennt doch mal eine Alternative zu ihm, wer soll den Job denn machen?

3 Antworten
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von Black123 | #29-1

es geht doch auch nicht explizit nur um das jetzige spiel

Achso
von Heiko04 | #29-2

Ja natürlich, das peinliche 5:2 vor der EM gegen die Schweiz ist ja auch ganz wichtig gewesen.

Und wenn man natürlich das Spiel gegen Italien betrachtet, da war die Mannschaft nicht da, völlig richtig, aber so ist halt der Sport, du gewinnst und du verlierst, so ist das nun einmal. Italien an dem Tag einfach besser, bissiger und zielstrebiger. Die sind ja auch keine Kirmestruppe, genauso wenig wie die Argentinier...

...es ist einfach so im Weltfussball zur Zeit, da gibt es Spanien, dann erst einmal nichts und dann kommen wir auf Augenhöhe mit Italien, Argentinien, auch Holland die wieder kommen werden usw...


Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von Black123 | #29-3

auch die vorrundenspiele der em waren alles andere als glanzlichter. klar haben sie alle gewonnen. aber spielerisch war die em ein schritt zurück!

17.08.2012
09:55
Kritik ist Majestätsbeleidigung
von meigustu | #28

und die ist immer und in jedem Fall verboten. In den Vorstandsetagen der wenigen verbliebenen Zeitungsverlage scheint das seit einigen Monaten die Devise zu sein.

17.08.2012
08:44
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von deranderemuensteraner | #27

ich finde inhaltlich hat kahn in einigen teilen schon Recht(z,B. Defensiverhalten der NM), mit der Einstellung dass halte ich auch für Quatsch, und ebenso, dass die vor der Kamera keinen lauten machen und deshalb alles gut sei. Wichtig ist was nachher in der Kabine abgeht, und zwar konstruktiv, es aber auch in der Kabine bleibt, und nicht plötzlich der kapitän ein Buch darüber schreibt.

Ansonsten Hatt herr sammer es ähnlich formuliert in seinem letzten Interview, wofür steht der deutsche Fussball fragt er.

bekanntermassen wurde Herr kahn auch von herrn Löw(mit Klinsmann) zum Reservetorwart degradiert und auch Herr Sammer stand immer in Konkurenz zu herrn Löw/Klinsmann.

da stellt sich mir die Frage, ob da nicht auch alte Rechnungen beglichen werden sollen, auf dem Rücken der NM und deren Spieler?

17.08.2012
08:37
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von Black123 | #26

mit dieser mannschaft hätten auch andere trainer den gleichen "erfolg" gehabt. nur hätte man dann u.u. sympathischere trainer gehabt

17.08.2012
08:14
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von gudelia | #25

Ich meinte natürlich "Stänkerei".

17.08.2012
08:12
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von gudelia | #24

Löw spaltet die Nation gewaltig. Entweder pro oder kontra, dazwischen soll es nichts geben. Kritik, und sei sie noch so berechtigt, wird als Stängerei abgetan, interessanterweise auch von den ach so hochstehenden Fachjournalisten. Ist der Journalismus schon zu einem Fall für das Kartellamt geworden?

17.08.2012
07:30
Wer wirklich Joachim Löws Feind ist
von ricinus | #23

Wenn ich mir die ersten drei Sätze dieses Kommentares anschaue, könnte ich daraus schlussfolgern, dass Kritik schon deshalb nicht angebracht ist, weil es keine Alternative zum Trainer Löw gäbe...

Das kann nicht wirklich Ihr Ernst sein...

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