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Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung

01.06.2012 | 15:21 Uhr
Fans von Eintracht Frankfurt stürmen nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln den Platz.Foto: imago

Berlin.  NRW-Innenminister Jäger setzt die Bundesliga-Vereine unter Druck. Wenn DFB und DFL kein konkretes Konzept zur Eindämmung der Gewalt und den Missbrauch von Pyrotechnik vorlegen, werde eine Beteiligung der Vereine an den Kosten der Sicherheitsmaßnahmen geprüft.

Die Politik fordert Fußballvereine auf, konsequenter gegen Gewalt, den Missbrauch von Pyrotechnik und Platzstürme in Stadien vorzugehen. "Ich erwarte, dass die Vereine deutlich mehr für die Sicherheit tun", erklärte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger in einer Pressemitteilung am Freitag. Die Konzepte lägen auf dem Tisch, bei deren Umsetzung gäbe es aber noch erhebliche Defizite.

Noch vor Beginn der nächsten Saison soll es ein Spitzengespräch mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) geben. Jäger: "Dort erwarten wir konkrete Antworten, wie DFB und DFL die Vollzugsdefizite beheben wollen. Andernfalls werden wir eine Beteiligung der Vereine an den Kosten der Sicherheitsmaßnahmen prüfen."

Vor allem müssten die Fußballvereine das Einschmuggeln und Abbrennen von Pyrotechnik besser verhindern. "Dafür müssen sie sorgfältiger bei ihren Kontrollen vorgehen", erklärte Jäger. Der Wegfall von Stehplätzen ist nach Jägers Ansicht nicht die Lösung. Diese seien nicht das Problem. Aber: "Bengalische Feuer, Rauchbomben und Böller haben im Fußballstadion aber nichts verloren. So entstehen beim Abbrennen von Bengalos Temperaturen von über 1.000 Grad. Das ist lebensgefährlich für alle Fans."

Friedrich will harten Kurs fahren

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hält in der Debatte um Gewalt in Fußball-Stadien an seinem harten Kurs fest und schließt selbst den Einsatz von Fußfesseln nicht mehr aus. 'Ich bin immer dafür, dass wir die Instrumentarien möglichst so ausweiten, dass wir auch in Extremfällen reagieren können', sagte der 55-Jährige angesprochen auf die umstrittene Maßnahme dem rbb-Inforadio.

Friedrich wies aber auch darauf hin, dass der Einsatz der Fußfesseln nur in extremen Fällen möglich sei. 'Dies wäre natürlich ein sehr starker Eingriff in den präventiven Bereich', sagte der CSU-Politiker dem TV-Sender ntv. Zudem müssten dafür 'erst die Gesetze geändert werden, insbesondere das Polizeiaufgabengesetz'.

Friedrich wohnte als Gast auch der Innenministerkonferenz (IMK) im mecklenburgischen Land Fleesensee bei, die das Thema 'Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen' als einen Schwerpunkt hatte. Als Ergebnis der dreitägigen Sitzung forderten die Innenminister der Länder die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf, die Handlungsempfehlungen der Task Force Sicherheit (bessere Videotechnik, qualifiziertere Ordnungskräfte, etc.) konsequenter umzusetzen und vor allem das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion stärker zu sanktionieren.

Minister fordern Alkoholverbot in Bahnen

Video
Porto Cervo, 16.05.12: Bundestrainer Joachim Löw verurteilt die Ausschreitungen beim Relegationsspiel in Düsseldorf aufs Schärfste. "Ich finde es ungeheuerlich gegenüber Mannschaft und Verein, in einer Situation, in der es um so viel geht", so Löw.

Auch wollen die Länder ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr und in den Zügen der Deutschen Bahn durchsetzen. Verabschiedet haben sich die Innenminister von dem Plan, Gesichtsscanner an den Stadioneingängen einzusetzen. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier begründete dies unter anderem mit Einwänden der deutschen Datenschützer.

'Ich erwarte, dass die Vereine deutlich mehr für die Sicherheit tun. Die Konzepte liegen auf dem Tisch. Bei deren Umsetzung gibt es aber noch erhebliche Defizite', sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger.

Die Politiker forderten die DFL auch auf, die Mehreinnahmen durch die neuen Fußballübertragungsrechte zur Finanzierung von Fanprojekten zu verwenden. Sollten die Forderungen der IMK nicht umgesetzt werden, behalten sich die Innenminister vor, auch eine finanzielle Beteiligung der Vereine für entstehende Zusatzkosten bei der Gewährleistung der Sicherheit zu prüfen.

Fanbeauftragte pochen auf mehr Sachlichkeit

Zu mehr Sachlichkeit in der Debatte riefen indes die Fanbeauftragten von acht Fußball-Bundesligisten auf. 'Wir treten mit Nachdruck für eine Versachlichung der Diskussion, eine Abkehr vom Populismus und die gemeinsame Arbeit an Lösungen für die wirklich vorherrschenden Probleme ein', hieß es in einer Mitteilung.

Die von einigen Politikern geforderte Abschaffung von Stehplätzen wiesen die Fanbeauftragten zurück: 'Stehplätze haben in Deutschland eine lange Tradition, sie sind wichtig für die soziale Gleichheit im Stadion und erfüllen damit eine wichtige gesellschaftliche Funktion.'

Chaos im Spiel der Fortuna

Die Bundesliga-Vertreter unterstrichen, dass die deutschen Stadien weiterhin zu den sichersten Arenen Europas gehörten und kritisierten den hysterischen Ton, den die Diskussion habe. 'Alle Seiten fühlen sich in einem Handlungszwang, der zu überstürzten und nicht überlegten Handlungen führen kann, die uns, dem Fußball und am Ende auch der Gesellschaft schaden.'



Kommentare
14.06.2012
09:34
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von WaddeHaddeDuddeDa | #29

Endlich mal eine SEHR GUTE Idee :-)

11.06.2012
13:31
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von randori20 | #28

Das ist schon lange überfällig.

04.06.2012
19:35
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von gudelia | #27

Dann werden ja wohl auch die Stromkonzerne an den Einsatzkosten der Castortransporte beteiligt.

03.06.2012
15:49
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von Hanno2 | #26

Pyrolehrgang als Idee? Das kann nur vorschlagen, wer überhaupt nicht kapiert hat, dass Pyrotechnik mit oder ohne "Waffenschein" nichts mit Fußball zu tun hat und haben sollte. Wenn es vielleicht mal am Ende der Saison, was mit Feuerwerk zu feiern gibt, bestellt das der Verein bei professionellen Pyrotechnikern, allen anderen ist das sowieso verboten.
Werdet doch professionelle Pyrotechniker, wenn das einen so unwiderstehlichen Reiz auf euch ausübt, und laßt damit die Vereine und ihre Zuschauer in Ruhe.

03.06.2012
08:54
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von Polschalker | #25

Wow,ich mss sagen das ich #21 voll zustimmen muss.
Was ich aber für ne Super Idee halte ist das mit dem Pyrolehrgang.
Das ist wirklich eine super Idee,und müsste mener Meinung nach nocheher ins Spiel gebracht werden,bzw da sollte man sich ernsthaft gedanken drumm machen.
Ansonnsten,kannman ja dann die Strafen dann erhöhen,sollte einer ohne diesen "Pyroschein" beim ABbrennen von pyros erwischt werden,ms er halt die reinigung für den Spieltag bezahlen(das Sadion) oder gar in den Kast fürn Wochenende.Das währe mal ne maßnahme.
Ich stand schon überhalbder kurve o unter mir Pyros abebrannt sind,beim Pokalenspiel n Berlin,und es magzwar schön aussehen,aber für die die dahinter stehen ist es nicht so schön,,hatte 2 Tage Hustkrämpfe.....

02.06.2012
21:01
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von reesinho | #24

Was passiert wenn die Polizeipräsenz erhöht wird sieht man doch in Italien,dort verbünden sich die Ultras gegen diese und es führt nur zu mehr Gewalt und Alkohol aus dem Nahverkehr zuverbannen ist ja nicht neues ,saufen kann ich auch vor und nach der Zugfahrt. Ich fand das Urteil gegen Dresden den richtigen Weg(Spielverbot im DFB-Pokal) ,das tut allen weh und ich denke das sich dadurch die Kurve wieder von alleine säubert.

02.06.2012
15:39
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von Sowieichdasssehe | #23

#10 : "Stadion oder Stehplatzverbote sind in diesem Falle sinnlos."

Für die WM 1998: Die Frage ist doch, ob man die Grenzkontrollen nicht besser mit einer Meldepflicht bei einer Polizeistation der Heimatstadt im engen Zeitrahmen zu Spielen für die als "Straftäter Sport" bekannten Personen verknüpft hätte.

Gleiches bei "Risikospielen" in der Bundesliga angewandt, würde schon einmal die bekannten Hools der Gästeteams vom Spiel fernzuhalten. Das wäre sicher auch eine Einschränkung, die einige Personen sicherlich persönlich weh tun und zum Nachdenken anregen wird. Dann kann man nicht mal so eben einfach in Urlaub fahren, wie man will...

1 Antwort
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von Hanseman | #23-1

zu ihrer Information: Diese Meldekontrollen gab es auch bereits 1998, anscheinend wurde und werden diese nicht angewendet oder überwacht. Nach den Prozessen stellte man erstaunt fest, das alle Verurteilte als Gewalttäter bekannt waren.
Gleiches passierte übrigens auch 2000 in der Niederlande. Trotz Meldeauflagen befanden sich viele deutsche Gewaltbereite dort.
Es gab und gibt bereits viele gesetzliche Möglichkeiten, die gilt es nur anzuwenden

02.06.2012
09:05
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von dete48 | #22

...etwas passiert.

02.06.2012
09:04
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von dete48 | #21

1. Ob Leute sitzen oder stehen, wo ist da der Unterschied? So ein Unsinn die Stehplätze
in zur Disposition zu stellen. Was soll das verändern?
2. Bessere Sicherheitsleute, kann ich nur zustimmen, nur bekommt man keine guten Leute die für 5 Euro die Stunde so eine Arbeit machen! Qualität hat halt seinen Preis.
3. Alle die schreien, das die Vereine die Polizeieinsätze zahlen sollen, sollten sich mal überlegen, was der deutsche Fußball nicht schon alleine zahlt, oder an Umsätzen macht, die dem Staat zu gute kommen.
4. alkoholverbot in den Zügen etc. ok. aber verbietet man dem Fan das Bier im Stadion, dann ist der Nutznießer der Pay TV Sender. Es werden mindestens 15% weniger ins Stadion gehen.
zu den lösungen bezügl. der pyrotechnik, warum erlaubt man dies nicht unter bestimmten voraussetzungen? es werden z.b. 2-3 leute aus der Fanszene ausgesucht, und auf einem Pyrotechniklehrgang geschickt, auf Kosten der Vereine. Diese sind dann qualifiziert dafür, und ggfs. auch haftbar, falls etwas

2 Antworten
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von Hanno2 | #21-1

Das scheint zwar zu stimmen, aber die Jüngelchen, die das ganze Jahr Silvester feiern wollen, haben hoffentlich kein Geld mehr für Böller, wenn sie einen Sitzplatz für 35 Euro und mehr bezahlen müssen.
Mit der Abschaffung der Sitzplätze wird schlicht ein Teil des Fußballpublikums durch einen anderen ersetzt. Außerdem kann man Sitzplätze natürlich viel besser kameraüberwachen als Stehplätze.
Ich lege selbst aber größten Wert auf die Erhaltung meines Stehplatzes.

Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von wilbec | #21-2

Zu 1. Erkundigen Sie sich mal in England weshalb sitzen Vorteile hat.

02.06.2012
08:44
Jäger droht Bundesliga-Vereinen bei Krawallen mit Kostenbeteiligung
von donfernando | #20

Kann man so eine öffentliche Fußballveranstaltung nicht einfach ausreichend hoch gegen angerichtete Schäden versichern und die Kosten dafür auf die Eintrittskarten umlegen? Wer Pyrotechnik mitbringen und bezahlen kann, kann sicher auch ein bisschen mehr fürs Dabeisein ausgeben, auch wenn sein Budget dann nur noch zum Mitbringen von Wunderkerzen reicht.

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