Erst Vorstand - jetzt Fascher und Knüwe?
27.04.2008 | 23:11 Uhr 2008-04-27T23:11:52+0200Siegen. Die Vorstandsmitglieder Christoph Hansen (Vorsitzender) und Dirk Röckinghausen (Finanzen) vom Aufsichtsrat zum Rücktritt gedrängt - stellt sich die Frage, ob in dieser Woche der Cheftrainer Marc Fascher und der Sportliche Leiter Heinz Knüwe ihren
... Hut nehmen müssen? Deren Job ist nun nach der Demission ihrer einzigen Fürsprecher, der beiden Vorständler sowie der Aufsichtsratsmitglieder Christoph Bornebusch und Gerold Schmidt, hochgradig gefährdet. Im Gespräch mit der WR-Sportredaktion erklärte der geschasste Vorsitzende Christoph Hansen am späten Samstagabend: "Das ist alles von langer Hand geplant. Marc Fascher und Heinz Knüwe werden ihren Hut nehmen müssen, der Aufsichtsrat handelt aus niederen Beweggründen. Und es wird eine interne Lösung geben, die da heißt Peter Nemeth. Eine andere Diskussion, die Frage eines neuen Trainers, hat der Aufsichtsrat gar nicht zugelassen. Doch für diesen Rauswurf braucht der Aufsichtsrat einen neuen Vorstand, mit uns war das nicht zu machen. Ich treffe keine Entscheidung gegen meine Auffassung."
Zur Chronologie: Nachdem Teile der Medien offenbar gezielt über eine bevorstehende Absetzung der beiden Vorstandsmitglieder Hansen und Röckinghausen informiert worden sind, war der Druck am Donnerstag so groß, dass auch die Vorständler einknickten und dem Drängen des Aufsichtsrates zum Rücktritt nachgaben. Auf die Frage der WR, warum er als bereits "entlassener" Vorsitzender das Possenspiel einer Pressekonferenz am Freitagmorgen überhaupt noch mitgespielt habe, erklärte Hansen: "Fakt ist: Ich musste zu diesem Zeitpunkt dem Verein noch vorstehen, sonst wäre das Arbeitsverweigerung gewesen, ich hätte alle Ansprüche verloren. Es hätte mit der Auflösung noch alles schief gehen können, es gab keine schriftliche Einigung."
Hansen: "Klar ist, das war ein erzwungener Rücktritt"
Erst in der Nacht von Freitag auf Samstag, um punkt 23.45 Uhr, sei der Auflösungsvertrag mit den Anwälten und dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden Andreas Helmrath unterzeichnet worden. Der Verein hat dann am Samstagmorgen um 11 Uhr, drei Stundem vor dem Spiel gegen Hessen Kassel, folgende Presseerklärung herausgegeben: "Christoph Hansen und Dirk Röckinghausen haben dem Aufsichtsrat der Sportfreunde Siegen ihren sofortigen Rücktritt von ihren Vorstandsämtern zum Wohle des Vereins erklärt. Der Aufsichtsrat hat diesen Rücktritten zugestimmt und beide mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden."
Gegen diese Formulierung wehrt sich Hansen entschieden: "Klar ist, das war keine freiwillige Entscheidung, das war ein erzwungener Rücktritt. Die haben uns so mürbe gemacht, wir standen so unter Druck, dass es gar nicht mehr anders ging." Der Aufsichtsrat konnte nach den Statuten den Vorstand nicht einfach entlassen, dazu hätte es eines Votums der Mitgliederversammlung bedurft. Die Lösung konnte nur ein "freiwilliger" Rücktritt sein.
Dieser Auflösungsvertrag zwischen SF Siegen und Christoph Hansen wird den Verein nun sicher mehr Geld kosten, als ein "Feuerwehrmann", die Verpflichtung eines Trainers für sechs Wochen. Basis der Einigung über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses war Hansens Vertrag, der im Falle des Aufstiegs in die Dritte Liga bis zum 30. Juni 2009 Gültigkeit besaß. "Genau dies war die Grundlage, auf der verhandelt wurde", sagte Hansen und erklärte ergänzend, "der Verein und ich können mit der finanziellen Einigung aber gut leben".
Stellt sich die Frage, wer als Nachfolger für Christoph Hansen das Amt des Vorsitzenden übernehmen und am kommenden Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden könnte. Am Wochenende wurde der langjährige ehemalige Vorsitzende Rolf Steinemann (Siegen-Dreisbach) ins Gespräch gebracht. Doch der erklärte gegenüber der WR-Sportredaktion gestern Nachmittag: "Fakt ist, mit mir hat bis heute niemand gesprochen, was man in den letzten Tagen hätte tun können, denn ich war auch gegen Hessen Kassel im Stadion. Ich biete mich nicht an. Ich weiß ja, was auf mich zukäme, ich kenne das Geschäft bei den Sportfreunden. Ich hänge nach wie vor mit dem Herzen an Sportfreunde Siegen, aber ich würde mich sicherlich nicht blauäugig in den Job stürzen, ohne vorher zu klären, welche Verträge gibt es, welche Verpflichtungen, was fehlt noch für eine Lizenzierung. Es geht bei den Sportfreunden um viel Geld, und es geht um den Aufstieg, der noch zu schaffen ist."
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