ARD bei Twitter-EM top - das DFB-Team flop
19.06.2012 | 17:47 Uhr 2012-06-19T17:47:49+0200
Essen. Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist auch die Social-Media-EM. Nie zuvor wurde ein Turnier so sehr in den sozialen Netzwerken diskutiert, nie zuvor gab es so einen medialen Blick auf Twitter und Co. Hier die Tops und Flops der EM bei Twitter.
Zusammen mit den Kollegen von Spiegel online, Sport1, Goal.com und der Sportbild hat DerWesten die Tops und Flops der Europameisterschaft bei Twitter aufgeschrieben. Wer ist folgenswert, welche Tweets waren gut, was ging gar nicht. Die Gewinner bei dem Fazit sind ganz klar @Spielvrlagerung, @Reporter_vorOrt und @ZDFsportstudio. Schlecht weg kommen das @dfb_team, @OliverKahn und @Becker_Boris.
Francois Duchateau, Chefredakteur von Goal.com (@FDuchagoal)
Sorgt die EURO für einen kleinen Twitter-Boost in der Bundesrepublik? Immerhin ist der moderne Zwitscherfun(k) nun auch beim Zweiten Deutschen Fernsehen und @OliverKahn angekommen.
Für die vernetzte Generation ist das Twittern längst zur flotten Alternative zum oft biederen TV-Kommentar im öffentlich Rechtlichen avanciert. Auch wenn kreative Wortwitze von @HansSarpei, @voegi79 & Co. die Timelines beim Donner von Donezk („Wo bleibt eigentlich die Blitztabelle?“) oder nach der Scholl-Kritik an Gomez („In your face, Mehmet“) beherrschen, so kommen auch Statistikliebhaber und Taktikfreunde digital auf ihre Kosten. Nicht umsonst erfreuen sich die Dienste von @Spielvrlagerung, @OptaFranz oder @InfostradaLive wachsender Beliebtheit.
Vor allem das Treiben der Kommentatoren wird rege kommentiert. Das größte Lob bekam Tom Bartels beispielsweise fürs „Klappehalten“ während der irischen Fangesänge gegen Spanien . Dass man bei der ARD jedoch auch weiß, Twitter perfekt einzusetzen, zeigt der Account von @Reporter_vorOrt Marcus Bark, der schon seit der Vorbereitung seinem Alias alle Ehre macht und den schnellsten Infoservice rund um das @dfb_team bietet. Ein gutes Beispiel für modernen Journalismus, der in anderen Ländern längst etabliert ist.
Für den DFB kam die EM zu früh
David Nienhaus, Redakteur DerWestenSport (@ruhrpoet)
Was eine Wurst! Ähnlich wie Oliver Kahns schauspielerisches Talent in der Hörfunk- und Fernseh-Werbung für einen Grillwürstchenhersteller ist sein Begabung im Bereich Social Media. Im wahrsten Sinne des Wortes war nicht nur seine Anmeldung bei Twitter erzwungen - von der charmanten Webexpertin Jeannine Michaelsen und der wie Kahn völlig netz-überforderten Karin Müller-Hohenstein - auch sein ersten... "äh-wie-heißt-es-noch-gleich"-Tweets verdeutlichen, dass die ZDF-Moderatoren das Thema "soziale Netze" wenig ernst nehmen. Schade, denn eigentlich gibt es beim Zweiten durchaus Journalisten, die die Wichtigkeit der Kommunikation im Web verstanden haben - das sieht man an den Tweets vom Aktuellen Sportstudio.
Statt Kahn dann lieber so wie die Kollegen der ARD: Das Erste baut weder Tweets noch Facebook-Stimmen in sein TV-Programm, ein, bedient aber via Twitter interessant und informativ mit dem extra angelegten Account @sportschau_em12 und dem guten @Reporter_vorOrt seine Follower.
Eine Flut von Tweets gibt es übrigens bei den täglichen Pressekonferenzen der deutschen Nationalmannschaft. Sowohl die Sportschau, als auch die Kollegen von @SPORT1, @spox und @SPORTBILD tickern von den DFB-PKs. Definitiv ein Überangebot. Da lob ich mir doch lieber die treffenden und lesenswerten Tweets von @Toedlicher_Pass, @voegi79, @Sportkultur und @stadioncheck, die sich wortgewandt und witzig durch die EM twittern.
Die Anhänger aus dem Fußball-Westen der Republik werden übrigens prima von @DerWestenSport (ein bisschen Werbung in eigener Sache) und @Matthias_aus_Do informiert. Die beiden Accounts geben einen Überblick, wie es um die Nationalspieler der West-Klubs bestelllt ist.
Schade übrigens, dass wohl für das @dfb_team diese Euro zu früh kam. Zwar deuteten die Macher hinter dem offiziellen Account der Nationalmannschaft vor dem Turnier an, dass sie verstanden haben, wie soziale Medien funktionieren - nämlich in beide Richtungen - aber während der Tage in Polen und er Ukraine ist die Kommunikation und Einbindung der Follower gleich null. So wie die Anzahl der Tweets der deutschen Nationalspieler. Dass sich Jogis Jungs allerdings auf den Ball konzentrieren, nimmt den Kickern im sozialen Netz wohl keiner krumm - der Titel ist das Ziel, nicht die Tweets.
Rafael Buschmann, Redakteur von Spiegel online (@Rafanelli)
Mein absolutes Highlight: Die Regenschlacht von Donezk. Twitter hat mit Humor und einer wahren Wortwitzkanonade gezeigt, wie lustig Duschen sein kann. Allen voran: Ayla Mayer (@santapauli1980), die Wortakrobatin.
Ansonsten bin ich begeistert von @Spielvrlagerung, die sehr präzise taktische Analysen zu den einzelnen Matches liefern. Wer sich für alles rund um das DFB-Team interessiert, ist hingegen bei Marcus Bark alias @Reporter_vorOrt bestens aufgehoben.
Grundsätzlich ist es schon aufregend zu beobachten, dass Public Viewing und Twittern mittlerweile wie siamesische Zwillinge miteinander verbunden sind.
-
Seite 1: ARD bei Twitter-EM top - das DFB-Team flop -
Seite 2: Boris Becker mit Twitter-Entgleisungen während der EM -
Seite 3: Das Sportstudio rettet den Ruf des ZDF
|
|
1 | 2 | 3 |
16:31
Das in der ARD keine Tweets ins Programm eingebaut werden, finde ich sehr angenehm.
Denn irgendwann nervt es ständig zu hören: Der User XY hat geschrieben "Die Spieler können sich jetzt Regen-erieren" (in meinen Augen Grundschul-Humor) und User sowieso schreibt "bla bla bla"
Bei aller liebe zu neuen Medien, aber das ist irgendwie nicht mein Ding.
Wenn ich wirklich diese tweets lesen möchte, kann ich ja auch die entsprechenden Angebote nutzen und muss mir das nicht von Moderatoren vorlesen lassen.