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Physik-Puzzle

"Amazing Alex" bringt altbackene Puzzelei aufs Smartphone

20.07.2012 | 08:45 Uhr
Manche Elemente sind bereits fest im Level verankert, die meisten darf der Spieler aber beliebig drehen und platzieren.Foto: Rovio

"Amazing Alex" ist das neue Spiel der "Angry Birds"-Macher Rovio - und würde wohl ohne den Bekanntheits-Bonus als netter Zeitvertreib komplett untergehen. Die App für Android und iOS erinnert stark an bereits Dagewesenes, insbesondere den Klassiker "The Incredible Machine".

Größer könnten die Fußstapfen gar nicht sein, in die "Amazing Alex" treten muss. Schließlich landeten die Entwickler von Rovio Entertainment mit ihrer milliardenfach heruntergeladenen "Angry Birds" -Reihe den größten Hit der mobilen Spielegeschichte überhaupt. Dass sich der Neuling schwer tun dürfte, diesen Erfolg zu wiederholen, könnte auch an den eher zweifelhaften Qualitäten des Physik-Puzzlers liegen, der nun für Android- und Apple-Geräte erhältlich ist.

Trotz ihrer prall gefüllten Portokasse gingen die Finnen bei "Amazing Alex" keine großen Experimente ein. Nicht nur, dass physikbasierte Knobler ein nicht gerade unterbesetztes Genre bei Mobil-Spielen sind. Das Basiskonzept erinnert zudem frappierend an den hochbetagten PC-Klassiker "The Incredible Machine". Doch damit nicht genug: Eigentlich ist "Amazing Alex" gar kein neuer Titel. Er wurde bereits als "Casey's Contraptions" im AppStore veröffentlicht (und ist inzwischen wieder daraus verschwunden). Rovio kaufte die Rechte, überarbeitete das Spiel und tauschte Casey gegen Alex aus.

Unpräzise Steuerung

In den über 100 Levels geht es prinzipiell darum, Dinge von A nach B zu befördern. Mal soll eine Puppe in einem Wäschekorb verschwinden, mal ein festgebundener Ballon in die Lüfte entschweben. Um das Ziel zu erreichen, bedient man sich unter Einbeziehung basisphysikalischer Grundlagen diverser Gegenstände. Dazu gehören alltägliche Sachen wie diverse Kugeln und Bälle, Rohre oder Bretter, aber auch eher schräge Hilfsmittel vom Schlage eines per Knopfdruck ausfahrbaren Boxhandschuhs.

Amazing Alex

Manche Elemente sind bereits fest im Level verankert, die meisten darf der Spieler aber beliebig drehen und platzieren. Und da gerät die ansonsten sehr einfache und intuitive Steuerung zu einer größeren Herausforderung als die eigentliche Aufgabe: Da die eingesetzten Werkzeuge nichts anderes verdecken dürfen, kann ihre pixelgenaue Ausrichtung und Platzierung zur elendigen Fummelarbeit ausarten.

Vorgegebene Lösungen

Dass Entwickler Rovio sein Handwerk versteht, merkt man am ausgewogenen, kontinuierlich ansteigenden Schwierigkeitsgrad. Dazwischen schleichen sich aber immer wieder Level ein, die zwischen Genie und Wahnsinn schwanken. Geschuldet ist dies vor allem dem löblichen Ansatz, den Spieler in seiner Kreativität möglichst wenig einzuschränken. So stehen meist mehr Elemente zur Verfügung, als man unbedingt braucht - gut für den Ausprobier-Faktor, als erster Hinweis auf den Lösungsweg taugen sie aber deshalb wenig.

Spiele-Bewertung
Amazing Alex

Hersteller: Rovio
Vertrieb: Rovio
Genre: Puzzle / Quiz
Preis: 2,79 Euro
EAN Code: 1234567890123
Schwierigkeit: Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Alter: ab 6 Jahren
Multiplayer: nein

Bewertung

Grafik: befriedigend
Steuerung: gut
Sound: befriedigend
Spielspass: gut
Gesamt: gut

Mal schafft man durch die unvorhersehbaren physikalischen Kettenreaktionen einen Level quasi "aus Versehen" gleich beim ersten zögerlichen Versuch (es gibt keine Beschränkungen oder Strafen in Bezug auf die benötigten Anläufe). Und dann verlangt "Amazing Alex" doch wieder nach millimetergenauer und nerviger Präzision. Dessen waren sich die Entwickler wohl durchaus bewusst: Nicht von ungefähr wird zu jedem Abschnitt eine der möglichen Lösungen gleich mitgeliefert.

Eher Mainstream als Innovation

Für Nachschub ist jedenfalls gesorgt: Neben den zu erwartenden regelmäßigen Updates darf man per Editor auch eigene Levels basteln und sie weiterreichen. Grafik und Sound kommen gediegen-professionell daher, ohne wirklich zu begeistern. Das gilt eigentlich für das ganze Programm: "Amazing Alex" bietet ebenso gepflegten wie glattgeschliffenen Knobelspaß ohne Haken und Ösen, aber auch ohne Ecken und Kanten. Einen echten Geistesblitz sucht man ebenso vergeblich wie den Mut zu etwas wirklich Neuem.

Letztendlich macht sich daher, auch angesichts der arg kalkuliert wirkenden Mainstream-Anbiederung, leise Enttäuschung breit. So absehbar der erneute Sturm an die Charts-Spitzenposition auch war: Wäre "Amazing Alex" nicht von Rovio - die wöchentliche App-Flut hätte es schnell verschlungen.  (_teleschau - der mediendienst)

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